Abdullah Ibrahim prägte mit seiner Musik Generationen und setzte sich zeitlebens gegen Rassismus ein. Nun ist der weltberühmte Jazzpianist im Alter von 91 Jahren im Chiemgau nahe München gestorben.
Er war Pianist, Bandleader und Komponist: Abdullah Ibrahim. Seine Musik, die afrikanische Traditionen und Jazzelemente miteinander verband, hat weltweit Maßstäbe gesetzt. „Mannenberg“ heißt das wahrscheinlich bekannteste Werk von Abdullah Ibrahim. Es ist eine musikalische Erinnerung an die Vertreibung nicht-weißer Menschen aus Kapstadt, die vom südafrikanischen Apartheid-Regime in Townships vor den Toren der Stadt zwangsumgesiedelt wurden. Eins davon heißt bis heute Manenberg.
In einer Dokumentation der britischen BBC erinnerte sich der Pianist und Komponist daran, wie das Stück 1974 entstand: eher zufällig, als er eigentlich ein paar Songs auf einem Flügel einspielen wollte, dann aber im Aufnahmestudio ein kleines Klavier entdeckte, mit einem völlig anderen Sound.
Symbol des Widerstands
Die Melodie prägte sich ein. „Mannenberg“ wurde zum musikalischen Symbol des Anti-Apartheid-Kampfes, galt als „inoffizielle Nationalhymne“ des Widerstands gegen das weiße Rassistenregime. Musik bedeutete damals Freiheit, sagte Ibrahim in einem Interview mit dem südafrikanischen Nachrichtenkanal SABC.
„Wir jungen Leute lebten unter dieser schrecklichen Sache, die uns aufgezwungen wurde, der Apartheid. Alles wurde uns verweigert. Aber was sie uns nicht nehmen konnten, das war der Zugang zu uns selbst. Wir spielten unsere Musik und überwanden die Grenzen, die sie uns aufzwingen wollten.“
Mit 15 Jahren das erste Mal auf der Bühne
1934 wurde Abdullah Ibrahim als Adolph Johannes Brand in Kapstadt geboren, in einem der ärmsten Viertel der Stadt. Musik aus vielen Kulturen trafen hier aufeinander, aus Afrika und Asien, aus Europa und Amerika. Mit sieben Jahren begann er, Klavier zu spielen, mit 15 stand er schon auf der Bühne. Bekannt wurde er zunächst unter dem Namen „Dollar Brand“, dann als Gründer der Gruppe „Jazz Epistles“, die unter anderem mit dem Trompeter Hugh Masekela Musikgeschichte schrieb, weil sie afrikanische Rhythmen und Bebob miteinander verband.
In den 1960er-Jahren konvertierte Abdullah Ibrahim zum Islam und ging ins Exil. Heute gilt er als einer der bedeutendsten Jazzmusiker weltweit und seine Musik, der sogenannte Cape Jazz, als kulturelles Symbol des Widerstands gegen die Apartheid. 1994 spielte er bei der Amtseinführung von Nelson Mandela als erster frei gewählter Präsident Südafrikas.
„Dafür eingesetzt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen“
Das aktuelle Staatsoberhaupt Cyril Ramaphosa würdigte den Ausnahmemusiker als internationale Ikone und Weltbürger, der das Leben aller mit seinen musikalischen Gaben bereichert und sich dafür eingesetzt habe, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
Seine letzten Lebensjahre hat Abdullah Ibrahim im Chiemgau südlich von München verbracht. Hier ist er, wie es in einer Mitteilung hieß, nach kurzer Krankheit im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen. In seiner Musik aber lebt er weiter.

