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Startseite»Nachrichten»„Könnt ihr schneller liefern?“: Der Datencenter-Boom kennt keine Pause
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„Könnt ihr schneller liefern?“: Der Datencenter-Boom kennt keine Pause

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 15, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Könnt ihr schneller liefern?“Der Datencenter-Boom kennt keine Pause

15.06.2026, 13:41 Uhr

Von Niklas Wirminghaus
Das-Gasturbinenwerk-von-Siemens-Energy-ist-der-IG-Metall-zufolge-voll-ausgelastet
KI braucht Rechenleistung – und Rechenleistung braucht Strom. (Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

Siemens Energy profitiert vom Bauboom bei Rechenzentren. Doch dass der vor allem in den USA stattfindet, treibt den Chef Christian Bruch zunehmend um.

Trotz aller Sorgen um eine KI-Blase – der historisch einmalige Bauboom bei Rechenzentren weist keine Anzeichen der Verlangsamung auf. Im Gegenteil, allein Alphabet, Meta, Amazon und Microsoft wollen 2026 an die 800 Milliarden Dollar in neue Infrastruktur stecken. McKinsey rechnet bis 2030 mit Datencenter-Ausgaben von 7 Billionen Dollar.

Zu den Profiteuren des Booms gehört auch Siemens Energy. Der Energietechnikkonzern, inzwischen ein absolutes Schwergewicht im Dax, hat unter CEO Christian Bruch in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Turnaround hingelegt, vor allem weil die globale Nachfrage nach Gaskraftwerken überraschend wieder anzog.

Wie stark inzwischen der Rechenzentrumsausbau diesen Markt bestimmt, berichtete Bruch bei einem Pressetermin vor Journalisten. Gut ein Viertel des Backlogs im Gasgeschäft von Siemens Energy entfallen laut dem CEO inzwischen auf Aufträge für Rechenzentren; im Geschäft mit der Netztechnik seien es weniger als zehn Prozent des Auftragseingangs. Allerdings: In Bezug auf den Umsatz habe das Rechenzentrumsgeschäft „noch keinen erheblichen Anteil“, so Bruch – das wird sich in Zukunft aber ändern dürfen. Der Konzern beziffert den Markt für Gasturbinenbestellungen insgesamt auf 100 bis 120 Gigawatt, 40 Prozent davon entfielen auf die USA. Und dort sind es wieder überwiegend die Rechenzentren, die die Netze mit ihrem immensen Strombedarf überfordern und daher zunehmend mit eigenen Gaskraftwerken versorgt werden.

Die Kundengruppen bestünden aus Rechenzentrumsbetreibern, Energieversorgern und Tech-Unternehmen, so Bruch. „Zwischen denen versuchen wir eine gute Balance zu finden.“ Das Ziel: Man will Klumpenrisiken und Abhängigkeiten vermeiden. Schließlich gibt es durchaus Marktbeobachter, die bezweifeln, dass der KI- und Datencenter-Boom ungebremst so weitergehen kann. Der Siemens-Energy-Chef mag bislang aber keine entsprechenden Hinweise erkennen: „Ich sehe auf absehbare Zeit keine Veränderung in der Nachfrage“, so Bruch. „Die Frage, die wir eher gestellt bekommen: Könnt ihr schneller und mehr liefern?“ Dabei feuere man „aber schon auf allen Zylindern. Wir werden bis 2030 jedes Jahr die Kapazitäten steigern. Aber wir machen das mit Maß, laufen nicht in eine Überkapazität.“

„Solche Dinge machen mich ratlos“

Ganz konkret habe der Konzern „bisher noch keine Stornierungen beim Datacenter-Geschäft gesehen“, sagte Bruch. Die seien aber ohnehin verschmerzbar, man sei über den hohen Bedarf sowie Reservierungsgebühren in Form von Anzahlungen gut abgesichert. In dem Markt hat sich die Verhandlungsmacht längst auf die Seite der Anbieter verschoben, die entsprechend ihre Bedingungen diktieren können.

Der Umstand, dass die Rechenzentren derzeit fast vor allem in den USA gebaut werden, treibt den seit 2020 amtierenden Vorstandschef um – genauso wie die Frage, wo angesichts der KI-Revolution Wertschöpfung in Zukunft stattfinden wird. Bruch macht sich Gedanken, die über seine eigene Firma hinausgehen. Inzwischen äußert er sie auch öffentlich.

Aus Sicht des Siemens-Energy-CEOs geht die Entwicklung bei Künstlicher Intelligenz nun in eine Art zweite Phase: „Das Thema Sprachmodelle ist abgehandelt. Es geht nun darum, Modelle auf Ingenieurs- oder Industriedaten zu trainieren.“ Es ist ein Moment, der Chancen bietet, gerade für produzierende Unternehmen aus Deutschland. Der Haken: „Dafür müssen Sie Rechenzentren bauen.“

Dass der Ausbau der Datencenter auch hierzulande zunehmend zum Streitthema wird, macht Bruch Sorgen. Er verweist auf ein Beispiel aus der Rhein-Main-Region, wo jüngst der Plan für ein riesiges Rechenzentrum samt eigenem Gaskraftwerk auf Eis gelegt wurde, weil Anwohner auf die Barrikaden gingen: „In Frankfurt wurde gerade ein Rechenzentrum gestoppt, weil es Streit über die Energieversorgung gab“, sagt Bruch. „Solche Dinge machen mich ehrlich gesagt ratlos.“

Softbank investiert in Frankreich

Und noch ein Beispiel: „Dass Softbank 50 Milliarden in Frankreich investiert und nicht in Deutschland, ist bezeichnend.“ Der japanische Tech-Investor hatte vor wenigen Tagen angekündigt, im Nachbarland bis zu fünf Gigawatt KI-Rechenkapazität zu installieren und dafür Rechenzentren zu errichten. Präsident Emmanuel Macron hatte im Vorfeld Softbank-Chef Masayoshi Son extra seine Aufwartung während einer Japan-Reise gemacht.

Für Bruch verweisen die Konflikte über den Aufbau eigener KI-Infrastruktur in Deutschland auf größere Missstände hierzulande. „Wir als Land müssen irgendwann mal definieren, was wir wollen, und nicht nur sagen, was wir nicht wollen“, kritisiert Bruch. „Es wird zu oft versucht, kurzfristige Lösungen für langfristige Herausforderungen zu finden.“ Und er warnt: „Es geht nicht immer nur um die Verteidigung des Status quo.“

Dieser Text ist zuerst bei capital.de erschienen

Quelle: ntv.de

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