„Kosmos 2546“ funkt querUS-Forscher: Russische Satelliten stören GPS-Signale

Eigentlich ist er Teil eines russischen Frühwarnsystems: Der Satellit „Kosmos 2546“ soll Raketentests erkennen und melden. Eingesetzt wird er offenbar aber auch als rasender Störsender. Das zumindest ergeben Berechnungen dreier Forscher.
US-Wissenschaftler haben in einer Studie nachgewiesen, wie russische Satelliten Navigationssignale in Europa stören. Betroffen sei unter anderem das weltraumbasierte GPS-System. Die Forschenden wollen das russische Raketenstart-Frühwarnsystem „Edinaya Kosmicheskaya Sistema“ (EKS) als Quelle der Störsignale ausgemacht haben.
Das dreiköpfige Team aus Austin und von der Universität Stanford wertete dafür über sieben Jahre Daten von 165 Bodenstationen aus und suchte dort nach plötzlichen Einbrüchen der Signalqualität. 75 solcher Einbrüche seien gleichzeitig an Orten zu registrieren gewesen, die über Europa, Grönland und Kanada verteilt waren, schreiben die Satellitenwissenschaftler. Ihre Schlussfolgerung: Der Störsender sei nicht am Boden zu finden. „Die betroffenen terrestrischen Empfänger erstrecken sich über ein so großes geografisches Gebiet, dass keine einzelne Quelle am Boden oder in der Luft sie alle erreichen könnte; daher die Hypothese eines Ursprungs im Weltraum“, heißt es in der Studie.
Danach verglichen die Wissenschaftler die Signale an Empfängern in den Niederlanden und Norwegen. Aus den winzigen Zeitunterschieden berechneten sie die Position des jeweiligen Senders. Diese Position passt demnach zu den Bahndaten sechs russischer Satelliten, die zum EKS gehören. Die Forschenden sind sich in einem Fall sicher, die Störung einem dieser Satelliten namens Kosmos 2546 zuordnen zu können. In weiteren Fällen weise ihre Analyse auf das EKS-System hin, so die Forscher. Die Ergebnisse der US-Teams würden von Untersuchungen des spanischen Technologieunternehmens GMV unterstützt, schreibt die „New York Times“.
Die Störungen kommen laut der Studie in kurzen Schüben. Meist dauerten sie weniger als zehn Sekunden. Trotzdem seien sie stark genug, um die Signale deutlich zu verschlechtern. Betroffen sind demnach GPS, das europäische Galileo-System und das chinesische Beidou-System. Russlands eigenes System GLONASS bleibe dagegen ungestört.
Die Forscher prüften auch, ob die Störungen sich auf technische Probleme zurückführen ließen. Dagegen spricht in ihren Augen aber die Häufung von Störungen an Werktagen und zu üblichen Geschäftszeiten (UTC), sowie die fehlende Betroffenheit des russischen Systems. Ein zufälliges Auftauchen wäre demnach zeitlich gleichmäßiger verteilt.
Verdreifachung der GPS-Störungen
General Stephen Whiting, Leiter des US-Weltraumkommandos, hatte im April gewarnt, Russland bringe inzwischen „operative Systeme in die Umlaufbahn, die unsere hochwertigen Satelliten erreichen können“. Damit wolle Russland sich Vorteile gegenüber der NATO verschaffen.
Für den jüngsten weltweiten Anstieg an Störungen seien Sender am Boden oder in Bodennähe verantwortlich, ordnen die Forschenden ihren Befund ein. „Weltraumgestützte Störquellen geben jedoch Anlass zu besonderer Sorge, da sie eine enorme geografische Reichweite haben und eine qualitative Verschärfung bedeuten“, heißt es dort weiter.
Laut der Internationalen Flugsicherheitsbehörde (IATA) hat sich die Zahl der GPS-Signalausfälle von 2021 bis 2024 mehr als verdreifacht. Ein Schwerpunkt der Störmanöver ist offenbar die russische Exklave Kaliningrad. Litauen berichtet, dass dort seit Anfang 2025 deutlich mehr Störantennen stehen: Die Zahl sei von drei auf 36 gestiegen. Solche Anlagen können Signale in einem Umkreis von bis zu 450 Kilometern verfälschen.
Die Störungen treffen zunehmend auch die Luftfahrt. Navigationssysteme fielen unter anderem bei Flügen des britischen Verteidigungsministers John Healey, der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der spanischen Verteidigungsministerin Margarita Robles in der Nähe russischer Grenzen aus. Auch Schweden meldet deutlich mehr Fälle. Dort stieg die Zahl der gemeldeten Störangriffe von 55 im Jahr 2023 auf mehr als 700 im Jahr 2024. Die Behörden sehen darin ein ernstes Risiko für den Luftraum.