Israels Armee hat erstmals seit Wochen die libanesische Hauptstadt Beirut angegriffen. Ziel soll ein Hisbollah-naher Milizionär gewesen sein. Bei Luftangriffen auf den Süden des Libanon starben zahlreiche Menschen.
Die israelische Armee hat erstmals seit Wochen wieder ein Gebäude in den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Das Militär erklärte, es habe einen „präzisen Angriff“ durchgeführt, nannte aber keine Einzelheiten.
Die Nachrichtenagentur Reuters meldet unter Berufung auf israelische Sicherheitskreise, dass der Leiter der Raketenabteilung in der sogenannten Imam-Hussein-Division, Ali al-Husseini, das Ziel gewesen sei. Die Gruppierung ist nach israelischer Darstellung mit der Terrorgruppe Hisbollah und Iran verbündet.
Israel: Haben auf Bitten Washingtons mit Angriff gewartet
Offiziellen Vertretern Israels zufolge hatte die Armee aufgrund von Bitten der US-Regierung drei Wochen lang von Angriffen auf Beirut abgesehen. Die neue Attacke gefährdet die brüchige Waffenruhe zwischen Israel und Libanon, den Washington am 16. April verkündet hatte, erneut.
Die Gefechte konzentrierten sich bislang hauptsächlich auf Südlibanon. Mit Ausnahme eines Angriffs auf die südlichen Vororte Beiruts Anfang Mai, bei dem ein Hisbollah-Kommandeur getötet wurde, waren Beirut und die Vororte während der Waffenruhe von Bombardierungen Israels verschont geblieben. Allerdings sind nach Angaben von Bewohnern täglich israelische Drohnen über Beirut im Einsatz.
Mehrere Tote nach Luftangriffen
In anderen Gebieten des Libanon starben durch israelische Luftangriffe mehr als ein Dutzend Menschen. Israel hatte zuvor ein neues Gebiet im Süden zur „Kampfzone“ erklärt. Das Militär forderte die Bewohner auf, alle Ortschaften südlich des Flusses Zahrani zu verlassen, der etwa 40 Kilometer nördlich der israelischen Grenze zum Libanon verläuft.
Bei israelischen Luftangriffen in der Nähe der südlichen Stadt Adloun wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums sechs Menschen getötet, darunter zwei Kinder und deren Eltern. Bei einem israelischen Angriff auf die Hafenstadt Sidon kamen weitere fünf Menschen ums Leben. In der Stadt Tyros, die in der von Israel zur Räumung erklärten Zone liegt, starben bei einem Angriff zwei syrische Staatsangehörige.
Israel will Hisbollah „zerschlagen“
Israel Armee hatte am Dienstag ihre Bodeneinsätze im Libanon ausgeweitet. Ziel sei es, die direkte Bedrohung für die israelischen Bürger und Soldaten abzuwehren.
Die Armee hatte wiederholt den Beschuss mit sprengstoffbeladenen Drohnen der Hisbollah gemeldet. Zuvor hatte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu angekündigt, die Angriffe auf die Hisbollah verstärken zu wollen, um die zu „zerschlagen“. Die Hisbollah lehnt Verhandlungen mit Israel ab.
