Surrealistisch wie bei Magritte, eine Hommage an die Freiheitsstatue: In der Modestadt New York wird neben den Spielen auch über die Trikots der WM-Teilnehmer geurteilt. Wie kommt das deutsche Design an?
Ashley Fetters Maloy arbeitet seit zehn Jahren als Mode-Journalistin in New York. Für die Washington Post hat sie gerade eine Rangliste der modischsten WM-Trikots erstellt. Auf Platz eins ihrer Liste steht eine Nation, die unter Fußball-Fans eher für eine robuste Spielweise bekannt ist:
„Rein aus Mode-Sicht ist Uruguay mein Lieblingstrikot“, sagt Maloy. „Dieses schöne blasse Himmelblau mit einem weißen Kragen – das ist so elegant. Und ich liebe die Schriftart der Namen auf dem Rücken.“
Liebe für die Schriftart: Mode-Journalistin Maloy ist begeistert von den Trikots Uruguays.
Surrealistisch wie bei Magritte
Ebenfalls eine Bestnote, vor allem aus künstlerischer Sicht, gibt die Mode-Expertin dem Auswärtstrikot Belgiens. Nicht nur wegen der unüblichen Farbkombination rosa und hellblau. Sondern auch, weil das Design an den belgischen Surrealisten René Magritte erinnert:
Das Heimtrikot Belgiens hat eher einen traditionellen kraftstrotzenden Look. Dagegen ist das Auswärtstrikot hübsch, verträumt und wegen des Magritte-Designs auch verspielt und künstlerisch. Das macht richtig Spaß.
Überhaupt sind es eher die Auswärtstrikots, die Maloy begeistern. Den schönsten Farbton hat ihrer Meinung nach das Auswärtstrikot der Schotten: Lachsfarben – das sehe man selten im Sport, noch dazu mit eleganten Nadelstreifen.
Schottland überrascht bei der WM mit lachsfarbenen Auswärtstrikots.
Frankreich erinnert an die Freiheitsstatue
Besonders begehrt in New York ist das Auswärtstrikot Frankreichs, weil es eine Hommage an die Freiheitsstatue ist. Die Farbauswahl hat nichts mehr mit dem Blau-Weiß-Rot der französischen Trikolore zu tun. Stattdessen erinnert die mintgrüne Farbe an hellen Grünspan; die Rückennummer und der Spielername sind kupferfarben, so wie die Freiheitsstatue aussah, als Frankreich sie vor mehr als 140 Jahren den USA schenkte. Der gallische Hahn auf der Brust geht von Kupfer über in Grünspan.
Das Trikot ist in New York ein echter Verkaufsschlager, sagt Ronaldo Ayala, Besitzer des größten Fußball-Trikotladens in Manhattan: „Sie haben das toll gemacht“, meint er. „Der Bezug zur Freiheitsstatue und zur WM-Finalstadt New York. Das Trikot heißt Liberté – Freiheit. Und im Nacken ist die Krone der Freiheitsstatue abgebildet – großartig.“
Nur noch ein einziges Exemplar von Frankreichs Auswärts-Trikot hat Ayala in seinem Laden. Die große Nachfrage hat ihn überrascht.
Das französische Auswärtstrikot erinnert mit seiner bronzefarbenen Schrift an die Freiheitsstatue.
Spanische Eleganz, deutscher Retro-Look
Ebenfalls sehr beliebt bei den New Yorkern ist das Auswärtstrikot Spaniens. Das Cremeweiß mit dunkelroten und goldenen Akzenten empfinden viele seiner Kunden als besonders elegant.
In der Rangliste der New Yorker Mode-Journalistin Maloy hat es das spanische Auswärtstrikot auf Platz drei geschafft.
Ebenfalls begehrt: das Auswärtstrikot von Spanien mit seinen goldenen und dunkelroten Akzenten.
Auf Platz zwei, nur knapp hinter Spitzenreiter Uruguay, kommt bei ihr das deutsche Heimtrikot: „Das deutsche ist eines meiner Lieblingstrikots. Ich liebe den 90er-Jahre Retro-Look“, sagt die Mode-Expertin. „Das deutsche WM-Trikot von 1990 war sogar in den USA berühmt. Es ist großartig – klar, elegant und so viel Geschichte drin!“
Das deutsche Heimtrikot, hier getragen von Nathaniel Brown, überzeugt die Expertin mit seinem Retro-Look.
