Marktbericht
Die Berichtssaison ist in vollem Gange, zahlreiche Unternehmen öffnen ihre Bücher. Doch nicht immer sorgt das für Euphorie – gerade in der Chipbranche sind die Erwartungen extrem hoch.
Die Berichtssaison läuft auf Hochtouren und zeigt, wie viel Substanz wirklich in der Kursrally steckt. Vor allem beim Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist die Unsicherheit groß – so hat denn auch eine Schwäche im Chip-Sektor die asiatischen Börsen am Morgen belastet. Anleger zeigten sich vor den mit Spannung erwarteten Quartalszahlen des Branchenschwergewichts TSMC zurückhaltend.
Selbst gute Nachrichten konnten die Stimmung nicht heben: Die Aktien von ASML, dem wichtigsten Ausrüster der Chip-Industrie, schlossen am Mittwoch trotz angehobener Umsatzprognosen leicht im Minus. „Ich glaube nicht, dass es eine einzelne negative Schlagzeile gibt, die den Ausverkauf bei Halbleitern antreibt“, schrieb JPMorgan-Händler Brian Heavey in einer Notiz. „Ich denke, es zeigt nur, wie hoch die Messlatte für die Chip-Ergebnisse liegt.“
In der Folge bröckelten auch wichtige Indizes ab: Der südkoreanische Kospi brach um 6,3 Prozent ein, belastet von Kursverlusten bei Samsung und SK Hynix. Der japanische Nikkei-Index fiel um drei Prozent.
Gleichzeitig trieben die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten den Ölpreis weiter in die Höhe. US-Präsident Donald Trump hat Iran mit Angriffen auf die zivile Infrastruktur des Landes gedroht. Unterdessen startete das US-Militär nach eigenen Angaben die zweite Angriffswelle des Tages, die Angriffe richten sich demnach gegen militärische Fähigkeiten Irans, die dafür genutzt worden seien, Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu bedrohen.
Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 0,5 Prozent auf 85,36 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte 0,7 Prozent fester bei 80,17 Dollar.
Gänzlich unbeeindruckt ist der DAX davon nicht, er hat am Mittwoch in seiner jüngsten Konsolidierung wieder nachgegeben. Die 50-Tage-Chartlinie, ein Indikator für den mittelfristigen Trend, erwies sich aber als Stütze für den deutschen Leitindex.
Mit 24.999 Punkten dämmte er seine Verluste letztlich auf 0,6 Prozent ein. Heute dürfte sein Ringen um die 25.000-Punkte-Marke weitergehen, der Broker IG taxiert den Leitindex zur Stunde mit einem Plus von 0,1 Prozent bei 25.027 Punkten.
„Die relative Stärke der Aktienmärkte deutet darauf hin, dass kaum ein Anleger von einer Rückkehr zu einem Krieg mit unkontrolliertem gegenseitigen Beschuss ausgeht“, sagte Consorsbank-Chefmarktanalyst Jochen Stanzl. Schnäppchenjäger würden darauf setzen, dass die Drohkulisse von Trump eine Verhandlungstaktik sei.
Anders als am deutschen Aktienmarkt waren die Anleger an der Wall Street am Mittwoch in Kauflaune. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,3 Prozent höher bei 52.659 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 0,4 Prozent auf 7.572 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,6 Prozent auf 26.269 Punkte.
Überraschend gesunkene Erzeugerpreise schürten die Hoffnung, dass die US-Notenbank Fed von weiteren Zinserhöhungen absehen könnte. Am Dienstag hatten bereits unerwartet niedrige Verbraucherpreise für Erleichterung gesorgt. Die Finanzmärkte preisen laut dem FedWatch-Tool der CME nun eine Zinserhöhung im laufenden Monat mit einer Wahrscheinlichkeit von 10,2 Prozent ein. Vor einer Woche lag dieser Wert noch bei 31 Prozent.
Zudem hat sich die US-Konjunktur der US-Notenbank zufolge in den vergangenen Wochen leicht belebt. Die Beschäftigung sei gestiegen und die Inflation habe sich möglicherweise abgeschwächt, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbericht „Beige Book“ der Federal Reserve (Fed) hervorgeht. Allerdings gebe es eine größere Unsicherheit mit Blick auf die Treibstoffkosten.
Auch Fed-Chef Kevin Warsh hatte bei seiner Anhörung im Kongress am Dienstag und Mittwoch ein weitgehend positives Konjunkturbild gezeichnet: Demnach wächst die US-Wirtschaft in solidem Tempo und erweist sich trotz des vom Nahost-Konflikt ausgelösten Energiepreisschocks als widerstandsfähig. Der Wirtschaftsmotor lief auch Anfang des Jahres größtenteils rund.
Für zusätzlichen Rückenwind sorgten positive Unternehmenszahlen aus dem Finanzsektor. Der Vermögensverwalter BlackRock und die Investmentbank Morgan Stanley übertrafen die Gewinnerwartungen für das zweite Quartal. Die Aktien von BlackRock stiegen um 6,6 Prozent, die Papiere von Morgan Stanley legten um 0,4 Prozent zu. Für Johnson&Johnson ging es um 2,7 Prozent nach unten. Zwar hob der Konzern seine Jahresziele an, doch am Markt wurde auf durchwachsene Umsätze bei Arzneien hingewiesen.
Heute rückt nun die Tech-Branche in den Fokus, der Streaminganbieter Netflix läutet mit seinen Quartalsergebnissen die Bilanzsaison der US-Techgiganten ein. Dabei steht der Konzern unter Druck, Investoren von seiner Wachstumsstrategie zu überzeugen. Da der Schub durch das Vorgehen gegen das Passwörter-Teilen und durch Preiserhöhungen nachlässt, ist das Werbegeschäft als entscheidend für das künftige Wachstum. Um Werbekunden anzulocken, setzt Netflix auf Live-Events und prüft Medienberichten zufolge ein Gebot für die US-Übertragungsrechte der Fußball-Weltmeisterschaften 2030 und 2034.
Der US-Fahrdienst Uber will einem Bericht der Financial Times zufolge heute ein rund 12,5 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für den Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero vorlegen. Uber biete den Aktionären von Delivery Hero 41 Euro je Aktie.
