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Molke ist und bleibt knapp: Nachfrage lässt Preis für Proteinpulver klettern

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 12, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Molke ist und bleibt knappNachfrage lässt Preis für Proteinpulver klettern

Von „temporären Lieferengpässen“ ist bei dm die Rede. (Foto: picture alliance / M.i.S.)

Die starke Nachfrage nach eiweißreichen Produkten führt zu drastischen Preissteigerungen – auch bei Proteinpulver. Hersteller und Händler können die Versorgung nicht immer gewährleisten. Ein Grund dafür: Proteinpulver in seiner tierischen Form ist nur das Nebenprodukt einer anderen Branche.

Verbraucher in Deutschland müssen für Proteinpulver immer tiefer in die Tasche greifen. „Die Molkenpulverpreise sind seit Mitte 2023 kontinuierlich gestiegen“, sagt Alexander Anton, Generalsekretär des Europäischen Milchindustrieverbands. Der Trend habe seit Beginn dieses Jahres deutlich an Fahrt gewonnen. Die hohen Preise seien auch eine Folge des weltweit knappen Angebots. Der deutsche Markt sei zwar ausreichend versorgt. Dennoch rechnet Anton nicht damit, dass Proteinpulver wieder günstiger wird.

Proteinpulver wird meist aus getrockneter Molke hergestellt und vor dem Verzehr in Wasser oder Milch angerührt. Anbieter werben damit, dass es den Muskelaufbau und -erhalt unterstützt. Wegen der hohen Nachfrage sind die Produkte im Handel zeitweise nur eingeschränkt verfügbar. Einzelne Proteinpulver-Marken stünden aktuell zeitweise nur eingeschränkt zur Verfügung, sagt ein Sprecher von Rewe. Auch die Drogeriemarkt-Kette dm teilt mit, dass es bei besonders stark nachgefragten Artikeln „vereinzelt temporäre Lieferengpässe“ geben könne.

Der Einzelhandel hat sein Angebot an proteinreichen Produkten in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet. Laut dem Marktforschungsdienst YouGov kauften zuletzt 4,6 Millionen Haushalte hierzulande mindestens einmal Proteinpulver. Die Zahl stieg demnach innerhalb eines Jahres um 66 Prozent. Getrieben wird der Trend vor allem von Konsumenten der Jahrgänge 1982 bis 2011.

Die Preise für das Pulver seien seit Januar um 40 bis 60 Prozent gestiegen, sagt Kerstin Keunecke, Bereichsleiterin Milchwirtschaft der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Gründe sind in ihren Augen die rege Nachfrage und veränderte Ernährungsgewohnheiten. Proteinreiche Produkte seien sowohl bei Sportlern als auch für eine eiweißreiche, diätetische Ernährung gefragt.

Besonders in den USA stieg die Nachfrage laut Keunecke zuletzt, auch wegen Medikamenten wie der Abnehmspritze. „Diese führt zu einem verringerten Hungergefühl und trägt damit dazu bei, das Gewicht zu reduzieren.“ Patienten werde eine eiweißreiche Ernährung empfohlen, um einem Muskelabbau bei Gewichtsverlust entgegenzuwirken.

„Keine reine kurzfristige Preisspitze“

Auch „The Quality Group“, das Unternehmen hinter den bekannten Marken More Nutrition und ESN, spürt die angespannte Lage. Molke sei ein Nebenprodukt der Käseherstellung und könne daher nicht beliebig ausgeweitet werden, sagt eine Sprecherin. Die Verarbeiter konkurrierten um denselben Rohstoff. Besonders knapp seien höherwertige Proteinkonzentrate wie WPC und WPI. Man sehe „aktuell keine reine kurzfristige Preisspitze, sondern eine Marktkorrektur in einem strukturell enger gewordenen Molkenproteinmarkt“.

Der Molkereiriese DMK hat seine Produktionskapazitäten nach eigenen Angaben bereits ausgeweitet. Zudem investiert das Unternehmen rund 26 Millionen Euro in eine neue Anlage für die Herstellung von Molkenprotein, die im niedersächsischen Edewecht errichtet werden soll. DMK macht wenig Hoffnung auf sinkende Preise. Das Unternehmen und die Landwirte verzeichneten in vielen Bereichen steigende Kosten, sagt eine Sprecherin. Für die Produktion sei es nötig, in Technologie und Know-how zu investieren. „Unternehmen müssen all dies tragen, um zukunftsfähig zu bleiben.“

Händler und Hersteller spüren den Proteinhype auch bei anderen eiweißreichen Lebensmitteln. Bei Skyr und Tofu kam es in den vergangenen Monaten vielfach zu Engpässen. Die Produkte waren zeitweise nur eingeschränkt verfügbar.

Quelle: ntv.de, lwe/dpa

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