Nach den Erdbeben in Venezuela suchen Retter unter den Trümmern nach Verschütteten. Ausländische Helfer sind unterwegs. Das THW schickt ein Team mit Spürhunden. Doch es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Zahl der Toten steigt.
Auf einem Trümmerberg in Caracas steht ein Mann mit einem Megafon. Er bittet um Ruhe – damit man unter dem zusammengefallenen Gebäude mögliche Hilferufe hören kann.
Auf einer Treppe, inmitten von Staub, Glas- und Gesteinsbrocken, sitzt Carolina Lopez, die ihren Partner vermisst. Sie steht unter Schock. „Ich weiß nicht, was ich tun soll. Das ist das Einzige, was ich sagen kann. Ich bete zu Gott für uns alle.“
Besonders Küstenregion betroffen
Zwei schwere Erdstöße der Stärke 7,2 und 7,5 hatten am Mittwochabend den Norden Venezuelas erschüttert. Besonders schwer getroffen wurde die Küstenregion La Guaira, direkt neben der Hauptstadt Caracas.
Wie viele Tausende Venezolaner hilft Rocher hier mit, nach Überlebenden unter den Trümmern zu suchen „Wir haben zwischen 22 und 3 Uhr morgens acht Menschen lebend geborgen. Insbesondere die Zivilgesellschaft organisiert sich, sammelt Spenden, verteilt Lebensmittel.“
Zahl der Opfer kann noch steigen
Die venezolanische Regierung gibt die Zahl der Todesopfer bislang mit 235 an. Mindestens 4.500 Menschen wurden offiziellen Angaben nach verletzt. Viele haben ihr Zuhause verloren. 250 Gebäude sollen komplett eingestürzt sein, weitere 600 gelten allein in Caracas laut Stadtregierung als einsturzgefährdet.
Betroffene haben auch die zweite Nacht auf der Straße verbracht oder in ihren Autos geschlafen, weil ungewiss ist, ob sie in ihre Häuser zurückkehren können. Es wird befürchtet, dass die Opferzahl weiter steigt.
„Wir hinken der Situation hinterher“
Auch Inés Adarme versucht, Menschen zu helfen. Doch von offizieller Seite, von der Hilfe der Regierung ist sie enttäuscht. Sie vergleicht die Katastrophe mit 1999 – damals kamen bei Erdrutschen nach schweren Regenfällen Zehntausende ums Leben.
„Im Vergleich dazu sehe ich viel weniger Rettungskräfte und Sicherheitspersonal.“ Das Land seid überhaupt nicht vorbereitet, so Adarme. „Ich habe das Gefühl, dass wir der Situation hinterherhinken und dass diese Katastrophe auf der Prioritätenliste des Landes im Hintergrund steht.“
Nach dem Doppelerdbeben
Verwüstung in Venezuela
THW unterwegs nach Venezuela
Der von der Regierung ausgerufene Notstand gilt weiter. Interimspräsidentin Delcy Rodríguez zeigt sich präsent, ist in die betroffenen Gebiete gefahren, tritt vor Presse und Volk auf, mobilisiert und bittet auch um internationale Hilfe.
Die ist bereits angelaufen. Internationale Hilfsteams mit Spürhunden bereiten sich auf den Einsatz in Venezuela vor. So fliegen heute 50 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks in das Katastrophengebiet, um unter den Trümmern nach Überlebenden zu suchen. Die deutsche Bundesregierung will außerdem Generatoren bereitstellen, daneben Hilfsgüter wie Wasserfilter, Feldbetten und Zelte.
Mexiko, das selbst schwere Erdbebenkatastrophen erlebt hat, schickt ein 250-köpfiges Team aus Rettungskräften und Medizinern mit vier Flugzeugen nach Venezuela, wie Präsidentin Claudia Sheinbaum mitteilte. Fünf Spürhunde und eine Drohne seien ebenfalls Teil des Einsatzes.
Auch Hilfe aus den USA versprochen
Die USA haben Nothilfen in Höhe von 150 Millionen US-Dollar zugesagt. Such- und Rettungsmannschaften seien entsendet, humanitäre und medizinische Hilfe auf den Weg gebracht, teilte US-Außenminister Marco Rubio mit.
Vor einem halben Jahr, bevor das US-Militär Nicolás Maduro festnahm, wäre sie undenkbar gewesen – zu groß der Konflikt beider Staaten.
Die UN koordiniert die verschiedenen Rettungsteams. Allerdings sind Anreise und Importe aktuell eine Herausforderung: Der internationale Flughafen in Caracas und ein nahegelegener, wichtiger Seehafen sind schwer beschädigt.

