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Startseite»Politik»Neue Maut-Regel in Italien: Bei Stau gibt’s Geld zurück
Politik

Neue Maut-Regel in Italien: Bei Stau gibt’s Geld zurück

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 1, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 01.06.2026 • 04:05 Uhr

Stau auf der Autobahn kostet Zeit und Nerven. In Italien sollen Autofahrer dafür nun entschädigt werden. Ab heute können sie im Falle von Verkehrsbehinderungen Mautgebühren zurückfordern. Verbraucherschützer warnen vor negativen Folgen.

Tilmann Kleinjung

Der Traum von Italien beginnt auf der Autostrada. Und dieser Traum kostet. Von Nord nach Süd, sagen wir für die Strecke vom Brenner bis nach Florenz zahlen Autofahrer € 34.30 Euro. Für 447 Kilometer – das ist für europäische Verhältnisse ziemlich teuer. Ärgerlich. Noch ärgerlicher, wenn man dann in einem Stau landet.

„Heute Morgen bin ich in Monza losgefahren, dann war die Autobahn vor Piacenza Süd gesperrt. Und ich habe eineinviertel Stunden verloren“, sagt ein Autofahrer. „Leider passieren Unfälle und dann verlierst du bis zu 5, 6 Stunden“, berichtet ein anderer Fahrer.

Ab heute gibt es Geld zurück, bei staubedingter Verspätung. Das funktioniert ein bisschen so wie bei der Bahn. Wer bis zu zwei Stunden im Stau steht, bekommt die Hälfte der Maut erstattet. Bei mehr als drei Stunden Verspätung wegen Stop und Go gibt es die gesamte Gebühr zurück.

Rückerstattungen an Bedingungen geknüpft

„Wer Maut bezahlt, hat Anspruch auf einen effizienten Service. Wird dieser Service nicht vollständig erbracht, sollte er auch nicht vollständig bezahlt werden müssen“, sagt Nicola Zaccheo, Präsident der für die Autobahnen zuständigen Regulierungsbehörde.

Doch die mögliche Rückerstattung der Maut ist an Bedingungen geknüpft und gilt nicht pauschal: „Bei Notfallbaustellen, schweren Unfällen oder außergewöhnlichen Wetterereignissen handelt es sich um außergewöhnliche Umstände, dafür besteht keine objektive Verantwortung des Betreibers. In solchen Fällen gibt es daher grundsätzlich keine Entschädigung“, so Zaccheo.

Die Rückerstattung gibt es also nur in einem sehr eng definierten Fall: Wenn der Stau durch eine Autobahnbaustelle verursacht wird.

ADAC: Belege aufbewahren

In der Theorie ist das Prinzip einfach: Wer auf italienischen Autobahnen unterwegs ist, muss eine Mautstation passieren, ein Ticket ziehen. Und wenn die Fahrerin oder der Fahrer die Autostrada verlässt, muss die Maut bezahlt werden. Wer nachweisen kann, dass man für die gefahrene Strecke baustellenbedingt deutlich länger gebraucht hat, kann über das Portal der Betreiber Erstattung beantragen.

Alexander Römer vom ADAC empfiehlt deshalb: „Man sollte die Belege aufbewahren, wenn man dort unterwegs war, damit man die dann digital über die Online-Plattform hochladen kann.“

Allerdings sollte man wissen, wer den befahrenen Autobahnabschnitt betreibt. Es gibt mehr als 20 Betreibergesellschaften in Italien. Die größte ist die Autostrade per l’Italia. Erst zum Ende des Jahres soll die Erstattung über ein einheitliches Portal bzw. eine App funktionieren.

Verbraucherschützer befürchten höhere Mautgebühren

Verbraucherschützer wie Gianluca D’Ascensio fürchten noch einen unschönen Nebeneffekt der neuen Regelung. Denn die Betreiber haben die Möglichkeit, die Kosten der Entschädigungen über höhere Mautgebühren wieder hereinzuholen

„Ab 2030 wird das nicht mehr möglich sein. Wir hätten es aber bevorzugt, wenn die Betreiber diese Kosten von Anfang an selbst tragen müssten, da sie schließlich für die Unannehmlichkeiten verantwortlich sind“, so D’Ascensio.

Maut zurück bei Stau. Was die italienische Regierung als europäische Premiere feiert, könnte für die Verbraucher ein Nullsummenspiel werden.

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