marktbericht
Auch die japanische Börse ist auf Rekordjagd. Gerade hat der Nikkei die Marke von 66.000 Punkten überschritten. Japan liegt wieder im Trend – nach Jahrzehnten der Stagnation.
Die Aktienkurse steigen wieder: Der DAX folgt zur Wochenmitte der Rekordjagd in den USA, Südkorea und Japan und gewinnt bis zum frühen Nachmittag ein halbes Prozent auf 25.310 Punkte.
Damit ist das Rekordhoch von 25.507 Punkten aus dem Januar nicht mehr fern. Für Kauflaune sorgt vor allem die anhaltende Euphorie um die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz – diese lässt selbst die stockenden Friedensverhandlungen im Iran-Krieg vorerst vergessen.
Neuer Kursrekord in Japan
In Tokio hat der Leitindex Nikkei 225 mit zeitweise mehr als 66.000 Punkten einen Rekordstand erreicht. Der Leitindex ging mit 64.999 Punkten aus dem Handel. Auch hier wird der Aufschwung vor allem von den schwer gewichteten Chip-Aktien getragen, die von KI-Investitionen profitieren.
So legten die Aktien des Halbleiterausrüsters Tokyo Electron und des Herstellers von Chip-Testanlagen Advantest jeweils um mehr als fünf Prozent zu. Auch die milliardenschwere Beteiligungsgesellschaft Softbank, die beispielsweise rund 13 Prozent an OpenAI hält, ist wegen ihres Fokus auf KI-Beteiligungen gefragt. „Das Geld der Anleger konzentriert sich auf die boomenden Chip-Werte“, sagte Kazuaki Shimada, Chefstratege bei IwaiCosmo Securities. „Substanzwerte werden gemieden, da es keinen Grund gibt, sie zu kaufen, wenn Technologieaktien solide Renditen abwerfen.“
Musterbeispiel für „Deflationsfalle“
Die Rekorde in Tokio sind aber auch mit einer Art Befreiungsschlag zu erklären. Für Jahrzehnte galt Japan als Musterbeispiel dafür, dass eine Deflation noch schädlicher für die Wirtschaft ist als eine Inflation: Dauerhaft fallende Preise verleiten Verbraucher und Unternehmen dazu, Käufe und Investitionen in die Zukunft zu verschieben. In der Folge sinken die Umsätze bei den Unternehmen, und sie reagieren mit Produktionskürzungen, Entlassungen, sinkenden Löhnen – und Preisen.
Ein wirtschaftlicher Teufelskreis, der in den Neunziger Jahren begann und aus dem das Land nur sehr schwer wieder herauskam. Die Jahre dieser hartnäckigen Stagnation werden heute die „verlorenen Jahrzehnte“ genannt. Erst im Jahr 2024 – nach über 34 Jahren – erreichte der Nikkei-Index wieder seinen alten Höchststand aus dem Jahr 1989. Zeitweise hatte sich die japanische Notenbank sogar mit Negativzinsen gegen die Deflation gestemmt. Dazu kamen massive Ausgabenprogramme des Staates, um die Produktion zu stützen.
Heute verzeichnet das Land wieder steigende Preise und Löhne, was die Binnennachfrage ankurbelt. Die Exportwirtschaft wiederum profitiert von dem weiter geschwächten Yen, der japanische Produkte auf dem Weltmarkt günstiger macht. Das hat auch zunehmend wieder internationale Investoren an den japanischen Kapitalmarkt gelockt.

