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Startseite»Politik»Ölkrise durch Iran-Krieg: Inder sollen weniger ins Ausland reisen
Politik

Ölkrise durch Iran-Krieg: Inder sollen weniger ins Ausland reisen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 18, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 18.05.2026 • 18:19 Uhr

Inder sollten vorerst in Indien bleiben, meint Premierminister Modi. Denn die durch den Iran-Krieg verursachte Energiekrise trifft das Land hart. Die indische Reisebranche steht massiv unter Druck.

Von Benedikt Schulz, ARD Neu-Delhi

Subhash Goyal ist Chef eines der größten Reiseunternehmen in Indien, der STIC Travel Group – und ein sehr spiritueller Geschäftsmann. Schon deshalb blickt er eher gelassen auf die aktuelle Lage seiner Branche: „Das ist der tiefste Kern hinduistischer Philosophie: dass Gott in allen von uns steckt. Deswegen haben wir nie Angst vor einer Krise“, sagt der Geschäftsmann. „Und diese Krise hier – das ist gar nichts.“

Die Krise, wegen der Goyal sich keine allzu großen Sorgen macht, beschäftigt derzeit allerdings den Rest der Welt. Seit Beginn des Iran-Kriegs und der anschließenden Blockade der Straße von Hormus sind die Rohölpreise dramatisch gestiegen.

Tourismussektor steht unter Druck

Indien, das fast 90 Prozent seines Ölbedarfs importieren muss, spürt die Folgen an allen Ecken und Enden. Die Rupie verliert an Wert und hat vergangene Woche ein Rekordtief erreicht. Die Verbraucherpreise steigen, auch der Tourismussektor steht unter Druck.

Und nun hat der indische Premierminister Narendra Modi seine Bevölkerung auch noch dazu aufgerufen, mindestens ein Jahr lang nicht mehr zu reisen. Entsprechend sollen Inder auch nicht mehr im Ausland heiraten.

„Es gibt da einen wachsenden Trend, die Hochzeit nicht mehr hier in Indien, sondern im Ausland zu feiern“, erklärte Modi. „Überhaupt wächst die Zahl der Urlaubsreisen ins Ausland. Aber in dieser Krise, in der unser Patriotismus gefragt ist, sollten wir diese Pläne verschieben.“ Indien habe genügend Orte, zu denen man reisen könne.

Auslandsflüge reduziert

Der Tourismussektor ist bedeutend und trug im Jahr 2024 umgerechnet mehr als 220 Milliarden Euro zum indischen Bruttoinlandsprodukt bei – Tendenz steigend. Welchen Effekt nun der Aufruf des Premierministers tatsächlich hat, lässt sich schwer abschätzen.

Nur kurze Zeit später hat die wichtigste Fluggesellschaft des Landes, Air India, ihre internationalen Routen deutlich reduziert, etwa nach Shanghai oder Chicago. Das dürfte aber eher an den grundsätzlichen Problemen liegen, in denen Fluggesellschaften derzeit stecken, die wie kaum eine andere Branche von Rohölpreisen direkt betroffen sind.

Vor wenigen Tagen wurde zudem bekannt, dass Air India im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordverlust von mehr als zwei Milliarden Euro eingefahren hat. Der Blick in den Himmel von Delhi vermittelt derzeit noch ein anderes Bild. Tag und Nacht kann man annähernd im Minutentakt Flugzeuge beobachten und hören.

Unruhe in der Reisebranche

Khalaf, ein Mann aus Delhi, hat selbst eine Thailandreise geplant für dieses Jahr. Und er glaubt nicht, dass die Leute jetzt ihren Urlaub absagen werden: „Die Leute werden in den Urlaub fahren, die haben das zum Teil seit einem Jahr geplant. Sollen sie das jetzt etwa absagen? Sie werden ihre Kinder nehmen und fahren“, meint der 39-Jährige.

Der Aufruf hat dennoch Unruhe in der Branche ausgelöst. Reiseveranstalter rechnen mit einem Rückgang der Neubuchungen, zumal Kunden, unabhängig von etwaigen patriotischen Erwägungen, sowieso mit steigenden Preisen für Flugtickets konfrontiert sind.

„Tourismus nach Indien ankurbeln“

Es könnte schlimmer sein, meint dagegen Subhash Goyal von der STIC Travel Group: „Der Aufruf von Modi wird nur geringe Auswirkungen haben – nicht mehr als zehn oder 15 Prozent Einbußen.“ Seit mehr als fünf Jahrzehnten ist Goyal im Tourismusgeschäft. Die aktuelle Krise zeige für ihn nur, dass Indien viel mehr tun sollte, um den Tourismus nach Indien anzukurbeln, meint er.

„Im vergangenen Jahr gab es mehr als doppelt so viele Reisen von Indien ins Ausland als Reisen vom Ausland nach Indien. Daran sollten wir arbeiten, sollten Werbung machen, Büros im Ausland eröffnen. Derzeit liegt das alles bei den indischen Botschaften, und die haben genug andere Dinge zu tun.“ Außerdem sei die Corona-Pandemie die viel größere Krise gewesen – und auch die habe man überlebt, ergänzt der Reise-Unternehmer.

„Auch wenn es schwierig sein mag, werden wir das überstehen. Wissen Sie, wenn man auf indischen Straßen fährt, dann ist das ’survival of the fittest‘ – nur die Besten überleben. Im Tourismusgeschäft sind die Leute tough. Und wie es so schön heißt: ‚When the going gets tough, the tough get going‘.“ Wenn es also hart auf hart komme, dann, meint Goyal, zeigten die Inder erst recht, was in ihnen steckt.

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