Ölpreis legt zuStimmung an der Wall Street trübt sich weiter ein
Die Wall Street ist auf Abwärtskurs: Den dritten Tag in Folge schließen die US-Börsen im Minus. Vor allem die neuen Militärschläge in der Straße von Hormus heizen die Inflationssorgen an. Inzwischen rechnen viele Anleger mit einer Zinserhöhung noch in diesem Monat.
Die Furcht vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten und schwindende Hoffnungen auf ein Ende der Zinserhöhungen haben der Wall Street am Dienstag Verluste eingebrockt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,8 Prozent tiefer auf 52.767 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab 0,7 Prozent auf 7631 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor ein Prozent auf 26.100 Punkte.
Neue US-Luftangriffe auf iranische Ziele in der Nähe der Straße von Hormus trieben die Ölpreise in die Höhe. WTI kletterte um 5,2 Prozent auf 90,22 pro Barrel, der höchste Schlusskurs seit dem 23.Juli. Brent notierte bei 94,65 Dollar. US-Finanzminister Scott Bessent hatte neue Bankensanktionen in Aussicht gestellt, um die Führung in Teheran wirtschaftlich zu isolieren. Der Iran drohte daraufhin, Ölexporte aus der Golfregion zu blockieren.
Ausverkauf bei Staatsanleihen dauert an
Die geopolitischen Spannungen und der steigende Ölpreis schürten an den Märkten neue Inflationssorgen. Dies trieb die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen weiter in die Höhe, nachdem sie bereits am Montag den höchsten Stand seit 19 Monaten erreicht hatten. Äußerungen von US-Notenbankchef Kevin Warsh vom Freitag, der eine konsequente Rückführung der Inflation auf das Ziel der Notenbank angekündigt hatte, wirkten ebenfalls nach. An den Finanzmärkten wird die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt im September laut dem FedWatch-Tool der CME nun auf 68,2 Prozent beziffert, in der Vorwoche waren es erst 39,6 Prozent. „Wir haben eine sehr, sehr restriktive Fed, und sie will die Zinsen unbedingt anheben“, sagte Jay Hatfield, Portfoliomanager bei Infracap. Damit wolle die Notenbank auch ihre Unabhängigkeit von der Regierung demonstrieren.
Auch aktuelle Konjunkturdaten drückten auf die Stimmung. Der sogenannte JOLTS-Bericht des US-Arbeitsministeriums signalisierte einen Rückgang der offenen Stellen im Juli. Zudem deuteten Einkaufsmanagerindizes auf eine nachlassende Dynamik in der Industrie hin, während die Ausgaben für den Wohnungsbau sanken.
Auf Unternehmensseite profitierten Energiewerte von den anziehenden Ölpreisen und verzeichneten als einziger der elf großen S&P-Sektoren Gewinne. Werte aus dem Bereich zyklische Konsumgüter verbuchten hingegen die stärksten Abschläge. Der Transportsektor, der oft als Barometer für die konjunkturelle Gesundheit gilt, rutschte um 2,5 Prozent ab. Auch Halbleiterwerte gaben um 2,1 Prozent nach. Die Nvidia-Aktie fiel um 1,5 Prozent. Apple dagegen bekam Schub nach dem Führungswechsel: Nach 15 Jahren an der Konzernspitze hat Vorstandschef Tim Cook das Zepter an den Hardware-Manager John Ternus abgegeben. Die Aktie notierte 2,6 Prozent höher.
Analysten verwiesen auf saisonale Effekte zum Monatsauftakt. „Der September ist historisch gesehen mit großem Abstand der schlechteste Monat“, erklärte Ross Mayfield, Anlagestratege bei Baird. Besonders in Jahren mit Zwischenwahlen sei dies der Zeitpunkt im Kalender, an dem politische Unsicherheit die Aktienmärkte belaste. In den USA wird Anfang November ein neuer Kongress gewählt.
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