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Panikmache in sozialen Medien: Ist Rapsöl ungesund? Experten räumen mit Influencer-Mythen auf

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 1, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Panikmache in sozialen MedienIst Rapsöl ungesund? Experten räumen mit Influencer-Mythen auf

Rapsol sei „im Prinzip sogar etwas besser als Olivenöl und dabei deutlich günstiger“, sagt Ernährungsmediziner Hans Hauner. (Foto: picture alliance/dpa)

Auf Social Media kursieren Warnungen vor Rapsöl: Es verursache Entzündungen, erhöhe das Krebsrisiko, sei durch industrielle Verarbeitung gefährlich. Ernährungsmediziner widersprechen klar – und erklären, warum solche Schocknachrichten im Netz trotzdem so gut funktionieren.

Experten bewerten Rapsöl seit Jahren anhaltend positiv – manche Influencer warnen dennoch davor. Einer von ihnen verbreitete gerade erst: „Rapsöl vergiftet dich!“. Andere warnen vor industrieller Verarbeitung oder gar Krebs. „Die wissenschaftlichen Empfehlungen fallen deutlich anders aus als viele Diskussionen in sozialen Netzwerken“, sagt Matthias Riedl, Ernährungsmediziner und ärztlicher Leiter des Medicum Hamburg.

Panikmache in sozialen Medien dient vor allem dazu, mit fesselnden Schocknachrichten Reichweite zu generieren. Zuspitzung und Verunsicherung funktionierten in sozialen Medien oft besser als differenzierte Einordnung, erklärt Hans Hauner, Seniorprofessor für Ernährungsmedizin bei der Else Kröner-Fresenius-Stiftung an der TU München. „In sozialen Medien geht es meist nicht um wissenschaftliche Fakten, sondern um Aufmerksamkeit und Klicks.“

Beispiele zu kursierenden Behauptungen – und was Experten dazu sagen:

  • „Rapsöl verursacht Entzündungen“: Dafür gibt es laut Fachgesellschaften keine belastbaren wissenschaftlichen Belege. Im Gegenteil hat Rapsöl beim Fettsäureprofil ein vergleichsweise günstiges Omega-6 zu Omega-3-Verhältnis.

  • „Raffiniertes Öl ist grundsätzlich ungesund“: Ernährungsmediziner Riedl weist darauf hin, dass Raffination dazu dient, unerwünschte Stoffe zu entfernen und die Hitzestabilität zu verbessern. Bei nativen Ölen können bei höheren Temperaturen gesundheitsschädliche Zersetzungsprodukte entstehen.

  • „Rapsöl erhöht das Krebsrisiko“: Systematische Übersichtsarbeiten konnten laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) kein erhöhtes Krebsrisiko bestätigen.

  • „Rapsöl enthält schädliche Erucasäure“: Moderne Rapssorten enthalten laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nur noch sehr geringe Mengen, bei denen kein erhöhtes Gesundheitsrisiko gesehen wird.

Besser als Olivenöl

„Rapsöl ist ein ausgezeichnetes Speiseöl“, sagt Ernährungsmediziner Hauner. Es enthalte viele einfach ungesättigte Fettsäuren und Vitamin E. „Damit ist es im Prinzip sogar etwas besser als Olivenöl und dabei deutlich günstiger“, sagt Hauner.

„Bei der Debatte um Rapsöl sollte man auch fragen, was die Alternative zum Braten ist“, ergänzt Riedl. Häufig seien das Butter oder Kokosfett – beide enthielten deutlich mehr gesättigte Fettsäuren. Auch die DGE bewertet Kokosfett und tierische Schmalze wegen ihres hohen Anteils gesättigter Fettsäuren eher ungünstig.

Margarine auf Basis pflanzlicher Öle wird von der DGE dagegen eher empfohlen, zudem neben Rapsöl auch Oliven-, Walnuss-, Lein- und Sojaöl als pflanzliche Fettquellen. Wer generell weniger Fett verwenden möchte, kann Speisen in Heißluftfritteusen (Airfryer) zubereiten, bei denen oft nur wenig oder gar kein zusätzliches Öl nötig ist.

Grundsätzlich gilt aus Sicht von Fachgesellschaften jedoch nicht der völlige Verzicht auf Fett als Ziel, sondern vor allem die Wahl günstiger Quellen und eine maßvolle Verwendung. Neben gesundheitlichen Aspekten spielt im Alltag zudem auch der praktische Nutzen eine Rolle: Raffiniertes Rapsöl ist hitzestabil und vielseitig einsetzbar. Nur starkes oder wiederholtes Erhitzen sei – wie bei vielen anderen Ölen und Fetten – nicht zu empfehlen, erklärt Riedl. Dabei könnten unerwünschte Stoffe wie sogenannte Aldehyde entstehen.

Die Suche nach der einfachen Antwort

Viele Menschen suchten nach einfachen Antworten auf komplexe Gesundheitsfragen, meint Riedl. Die sind – wenn auch oft falsch oder verkürzt präsentiert – vor allem in sozialen Medien zu finden. Zudem wachse das Misstrauen gegenüber industrieller Lebensmittelproduktion und offiziellen Institutionen.

Studien deuten darauf hin, dass sich auf Plattformen Inhalte stärker verbreiten, die Emotionen oder klare Positionierungen auslösen und dadurch besonders viel Interaktion erzeugen. Damit prallen zwei unterschiedliche Logiken aufeinander: Wissenschaft arbeitet mit Abwägungen und Wahrscheinlichkeiten, soziale Netzwerke belohnen einfache Botschaften und Gegensätze.

Typisch für soziale Medien ist zudem, dass Lebensmittel und Ernährungsweisen ständig neu bewertet werden: Was heute angesagt ist, kann morgen schon als schädlich angeprangert werden. Aus wissenschaftlicher Sicht hingegen ist Ernährung generell selten eindeutig gut oder schlecht. Fachgesellschaften betrachteten nicht einzelne Lebensmittel isoliert, sondern Ernährungsmuster insgesamt. „Entscheidend ist nicht ein einzelnes Lebensmittel, sondern Menge und Gesamternährung“, sagt Riedl. „Die Dosis macht das Gift.“

Quelle: ntv.de, Marc Fleischmann, dpa

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