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Startseite»Nachrichten»„Sie werden mich berühmt machen“: Zum 100. Geburtstag am Pool mit Marilyn
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„Sie werden mich berühmt machen“: Zum 100. Geburtstag am Pool mit Marilyn

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 1, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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„Sie werden mich berühmt machen“Zum 100. Geburtstag am Pool mit Marilyn

01.06.2026, 07:58 Uhr Von Sabine Oelmann
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Marilyn Monroe übermütig und ausgelassen, zumindest vor der Kamera, am Set von „Something’s Got to Give“ im Mai 1962. (Foto: Lawrence Schiller/Courtesy TASCHEN and
Holden Luntz Gallery )

Wer glaubt, man wüsste bereits alles über Marilyn Monroe, der täuscht sich: So nah wie in Lawrence Schillers Bildband „Marylin & Me“ kam man ihr bisher kaum. Das liegt an den großartigen Fotos, aber mindestens genauso an dem berührenden und spannenden Text, den Schiller mitliefert.

„‚Es ist exakt so geworden, wie Sie es versprochen haben‘, sagte Marilyn zu mir statt einer Begrüßung. ‚Jetzt kann ich mir ein Haus leisten‘, sagte ich, und aus Spaß: ‚Sehen Sie, was man mit Brüsten und Hintern erreichen kann?‘ ‚So habe ich mir mein Haus mit Swimmingpool leisten können‘, sagte sie lachend, und: ‚Es gibt niemanden, der nackt so aussieht wie ich.'“ Was klingt wie eine lockere Unterhaltung unter Freunden, ist die Unterhaltung zwischen einem Star und einem jungen Fotografen am Anfang seiner Karriere.

Bei ihrem letzten Film verhalf Marilyn Monroe diesem jungen Fotografen zu seinem großen Durchbruch. Jetzt erzählt er die Geschichte eines Idols, das wenig später verstarb, in seinen Worten. Und obwohl jeder die Geschichte kennt und weiß, wie sie endet, legt man „Marilyn & Me“ nicht mehr aus der Hand. Schiller schreibt unprätentiös, nimmt sich selbst nicht zu ernst (dass er es am Anfang seiner Karriere tat, reicht) und findet einen Ton, der fesselt.

Die mehr als 100 Bilder, darunter seltene Outtakes von den Aufnahmen zu Marilyns letztem Film, die er voraussehend aufgehoben hat, tun ihr Übriges, dieses Buch zu einem wahren und zugleich unerwarteten Porträt des Stars Marilyn Monroe in seinen letzten Lebensmonaten zu machen. Vor allem lernen wir aber eine Frau kennen, die ihr Leben lang Norma Jean geblieben ist. Die ganz anders war, als ihr gestattet wurde sich zu präsentieren. Die gekämpft hat, die verzweifelt ist an der Zeit, in der sie lebte und arbeitete, die gescheitert ist an den Vorurteilen, die ihr als blondem Busenwunder entgegengebracht wurden. Dass sie zart und witzig war, realistisch und klug, und dass „Marilyn“ nur eine Maske war, ein Umhang, hinter dem sie sich versteckte.

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In weiser Voraussicht aufgehoben: Outtakes aus ihrem letzten Film. (Foto: Lawrence Schiller/Courtesy TASCHEN and
Holden Luntz Gallery)

In den Dialogen, die sie mit dem auf dem einen Auge blinden Fotografen Lawrence Schiller führte, erleben wir, wie zutiefst menschlich, unsicher, manchmal ungerecht, manchmal hilflos sie war. Vor der Kamera die Selbstsicherheit in Person, abseits des Spotlights eine Frau, die gern Kinder gehabt hätte und eine Beziehung. Einen Mann, zu dem sie nach Hause kommen konnte, wo sie kein Star hätte sein müssen.

Stattdessen: Personal, so weit das Auge reicht. Freunde? Freundinnen? Fehlanzeige. „Obwohl Marilyn immer Leute um sich herumhatte, hatte ich das Gefühl, dass sie sehr einsam war. Jeder in ihrer Nähe hatte eine Aufgabe: Haare stylen, Make-up auffrischen, Garderobe instand halten, Öffentlichkeitsarbeit erledigen, den Tag planen, eine Masseurin für die schlimmen Rückenschmerzen, ein Schauspielcoach, ein Psychiater. Und eine Reihe von Ärzten, die ihr Pillen verschrieben: zum Einschlafen und zum Wachbleiben, zum Anregen oder zum Beruhigen. Aber trotz all der Helfer war sie absolut allein“, schreibt Schiller.

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„Paula (Strasberg) war für Marilyn eine Art Strippenzieherin. Bei der Arbeit war sie ihre Glucke, ihr Schatten. Paula glaubte an Marilyn – und das ermöglichte es Marilyn, daran zu glauben, dass sie eine große Schauspielerin werden könnte“, beobachtete Schiller. (Foto: Lawrence Schiller/ Courtesy TASCHEN and Holden Luntz Gallery)

Zuerst ist Schiller erstaunt über den plauderhaften Ton, den sie mit ihm anschlägt, dass sie ihn ausfragt nach seinem Leben. Wer ist er schon? Doch schließlich platzt es aus ihm heraus: „Sie sind schon berühmt. Jetzt werden Sie mich berühmt machen“, sagt er zu ihr, als er mit ihr die anstehenden Aufnahmen bespricht.

Sie sollen locker wirken, nicht gestellt, sie sollen das Making-Of eines Films sein. Am Ende werden sie so viel mehr als das. „Seien Sie nicht so eingebildet“, neckte ihn Marilyn, „Fotografen sind leicht zu ersetzen.“ Das war 1962, der 25-jährige Schiller war im Auftrag von „Paris Match“ in Hollywood und sollte Marilyn am Set ihres neuen Films „Something’s Got to Give“ fotografieren. Er kannte Marilyn schon – die beiden waren einander bei den Dreharbeiten zu „Machen wir’s in Liebe“ begegnet. Dass er sie bei den nun anstehenden Filmaufnahmen nackt am Swimmingpool fotografieren sollte, hätte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt.

Schiller fehlte jegliche Sensationslust, er wollte einfach nur eine gute Arbeit abliefern. Er fühlte sich seinem „Motiv“ gegenüber verantwortlich, das spricht aus seinen Worten: „Die Marilyn, an die ich mich erinnere, ist eine andere als die, über die ich in den letzten 50 Jahren gelesen habe“, so Schiller.

„Ich weiß nicht, wann und wo sie Barbiturate eingenommen hat. Wer ihre Affären waren. Ja, ich habe Bobby Kennedy in ihrem Garten getroffen, aber ich habe sie nicht mit ihm im Schlafzimmer gesehen. Ich weiß, dass sie sich manchmal über die Situation am Set beschwert hat, aber ich kann nicht sagen, dass sie ausgerastet ist, so wie es ihr später vorgeworfen wurde. Ich habe ihre Komplexität gesehen, ihre Freundlichkeit. Sie hat viel gegeben, und sie konnte gut zuhören. Sie hatte den Ruf, eine Diva und sehr temperamentvoll zu sein, dabei wollte sie nur ernst genommen werden.“

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Als Lawrence Schiller das Drehbuch durchsah, „dauerte es nicht lange, bis ich die eine Szene fand, von der ich sicher war, dass ich sie fotografieren wollte“. (Foto: Lawrence Schiller/ Courtesy TASCHEN and Holden Luntz Gallery)

Selbst als er überlegte, einige der Bilder – mit ihrem Einverständnis – dem „Playboy“ anzubieten, bleibt er respektvoll: „Marilyn war schon, wenn sie Kleider anhatte, das Traummotiv jedes Fotografen und sogar noch umwerfender ohne. Ihre nasse Haut glänzte, ihre Augen funkelten, ihr Lächeln war aufreizend“, erinnert sich Schiller an den Moment, der für ihn zum Karrierebooster wurde und Marilyn die erhofften Schlagzeilen und Titelseiten der Magazine einbrachten. Sie war kritisch mit anderen, ja, aber vor allem mit sich: Auf einigen Bildern kamen ihr ihre Beine „zu muskulös“ vor – ein Umstand, den heute wohl kaum eine Frau wegretuschieren lassen würde.

„Marilyn & Me“ erzählt die Geschichte eines Idols, das viel zu früh unter immer noch ungeklärten Umständen starb, und einem jungen Fotojournalisten aus Brooklyn, der nicht wissen konnte, wie ungewöhnlich die Geschichte, die er da erlebte, war, und der zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit der richtigen Einstellung – und seinen Kameras – war. In diesem Buch aus dem Verlag Taschen versteckt sich ein Schatz – und das nicht nur als eine Art „Centerfold“, wie man es aus dem „Playboy“ kennt, sondern in Form von Anekdoten und einem liebevollen Blick auf eine verkannte Frau, der man eine längere Karriere und ein liebevolleres Leben gegönnt hätte.

Der Fotograf und Autor Lawrence Schiller begann seine Karriere als Fotojournalist für „Life“, „Times“, „Paris Match“ und fotografierte einige der größten Ikonen der 1960er-Jahre, wie Barbra Streisand, Muhammad Ali, Robert Redford und Paul Newman. Er schrieb fünf „New York Times“-Bestseller, war Regisseur und Produzent von 20 Kino- und Dokumentarfilmen, für die er mit Emmys und anderen Preisen bedacht wurde. Schiller ist 89 Jahre alt, Vater von fünf Kindern und lebt mit seiner Frau in Newtown, Pennsylvania.

Quelle: ntv.de

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