Mehr als 100 Jahre trennten Grenzkontrollen und ein Metallzaun Spanien vom britischen Überseegebiet Gibraltar. Jetzt ist damit Schluss: Ein neues Abkommen kommt vor allem Tausenden spanischen Pendlern zugute.
Seit Mitternacht gibt es keine Grenzkontrollen mehr zwischen Spanien und Gibraltar. Damit ist der Übergang vom EU-Land zum britischen Überseegebiet erstmals seit mehr als einem Jahrhundert kontrollfrei. Bei der Einreise gelten nun die Schengenregeln. Auch der 1908 errichtete Metallzaun wird nun abgebaut.
Spaniens Außenminister José Manuel Albares sprach von einem „historischen“ Ereignis. Erstmals nach drei Jahrhunderten würden sich beide Seiten „die Hände reichen“. Das Abkommen sichere langfristig den Personen- und Warenverkehr über die Grenze, sagte eine Sprecherin des britischen Premierministers Keir Starmer.
„Tortur hat endlich ein Ende“
Mehr als 15.000 Menschen überqueren jeden Tag aus Spanien die Grenze zu Gibraltar. Viele von ihnen, um dort zu arbeiten. Bisher mussten sie häufig – vor allem in der Hauptverkehrszeit – lange an der Grenze warten.
Eine spanische Arzthelferin, die die Grenze seit 30 Jahren passiert und in Gibraltar arbeitet, betonte im TV-Sender RTVE die damit einhergehenden Erleichterungen für ihren Alltag. „Ich musste schon mal drei, vier Stunden warten, an manchen Tagen sogar länger, bis zu sieben Stunden. Die Tortur hat endlich ein Ende“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa zufolge.
Der Streit um Souveränität ungelöst
Infolge des Austritts Großbritanniens aus der EU musste auch das britische Überseegebiet die Union verlassen. Obwohl sich beim Referendum 2016 rund 96 Prozent der 34.000 Einwohner Gibraltars für einen Verbleib in der EU ausgesprochen hatten.
Der Streit um die Insel führte in der Vergangenheit immer wieder zu Spannungen zwischen Madrid und London. Spanien betrachtet Gibraltar als „Kolonie“ und illegal besetztes Gebiet. 1704 wurde die Insel von Großbritannien in Besitz genommen – sie fiel 1713 im Rahmen des „Friedens von Utrecht“ an Großbritannien.
