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Politik

Straße von Malakka: Sorge um die weltweit wichtigste Meerenge

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 6, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 06.05.2026 • 12:45 Uhr

Die Straße von Malakka zwischen Indonesien und Malaysia ist die meistbefahrene Meerenge der Welt. Käme es hier – wie in Hormus – zu einer Blockade, wäre nicht nur China betroffen, sondern die gesamte Weltwirtschaft.

Jennifer Johnston

Christiane Justus

Die Straße von Hormus zeigt, wie schnell Handelsrouten zum Machtinstrument werden können. Diese Erfahrung lenkt die Aufmerksamkeit von Staaten und Unternehmen auch auf andere kritische Wasserwege – wie die Straße von Malakka.

Sie ist die meistbefahrene Meerenge der Welt. Mehr als 100.000 Schiffe passierten die Wasserstraße im Jahr 2025. Beladen waren sie mit 25 bis 40 Prozent des weltweiten Seehandels, je nach Schätzung. Damit ist die Straße von Malakka noch wichtiger als die Straße von Hormus.

Der Malaysier Azrin betreibt in Malakka seit mehr als 20 Jahren einen Bootsverleih. Seit dem Krieg in Iran beobachtet er, dass weniger Schiffe durch das Nadelöhr fahren. Er sorgt sich, dass irgendwann auch die Straße von Malakka zum Zankapfel der Supermächte werden könnte. „Das würde unsere Wirtschaft treffen. Natürlich machen wir uns Sorgen. Aber es würde vor allem den Seehandel weltweit betreffen, dann hätte die Welt ein wirklich großes Problem.“

Praktisch der gesamte maritime Handel zwischen Europa und Südostasien führt durch die Straße von Malakka – Elektronik, Schuhe, Spielzeug. Die Meerenge ist auch der kürzeste Weg, um Öl und Gas aus dem Nahen Osten nach Ostasien zu transportieren.

Besonders China ist auf die Route angewiesen. Fast 80 Prozent seiner Ölimporte fließen durch die Meerenge. Geopolitisch hat die Straße von Malakka also eine überragende Rolle. Im Krisenfall wäre sie militärisch einfach zu blockieren. An ihrer engsten Stelle ist die Meerenge nur etwa 2,8 Kilometer breit. Dann würden die globalen Lieferketten fast aller Industrien unmittelbar zusammenbrechen, heißt es in einer Analyse der Wirtschaftsförderungsagentur des Bundes (GTAI).

Der wichtige Wasserweg ist knapp 900 Kilometer lang, liegt zwischen Indonesien und Malaysia und führt im Süden an Singapur vorbei. Er verbindet den Indischen Ozean mit dem Südchinesischen Meer, das ein Randmeer des Pazifiks ist.

Straße von Malakka – Chinas strategische Schwachstelle

China ist der größte Abnehmer iranischen Öls. Nach der iranischen Blockade der Straße von Hormus floss das Öl weiter nach China. Seit die USA die iranischen Häfen blockieren, nehmen die Spannungen zwischen China und den USA zu. Die Blockade werde weit oben auf der Tagesordnung stehen, so Chinas UN-Botschafter Fu Cong, wenn Trump im Mai zu Besuch nach China komme.

Im Konfliktfall könnte die Straße von Malakka eine strategische Schwachstelle für China werden, erklärt die Sicherheitsexpertin Darshana Baruah vom Internationalen Institut für Strategische Studien (IISS). „Im Falle eines Konflikts würden die USA versuchen, China den Zugang zu den wichtigen Seeverbindungswegen zu versperren, die das Land mit der übrigen Welt verbinden, sei es mit Afrika, Europa, dem Golf oder Südasien.“

Die Rivalität von China und den USA um Einfluss in der Region schwelt seit langem. Es gibt anhaltende Spannungen um Taiwan und konkurrierende Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer. Sollte einer dieser Konflikte mal eskalieren, könnte die Kontrolle über die Meerenge ein entscheidendes Druckmittel werden.

Erst Mitte April haben Indonesien und die USA angekündigt, ihre Verteidigungspartnerschaft auszubauen. Zudem haben sie über die Möglichkeit diskutiert, dass US-Militär indonesischen Luftraum überfliegen darf. Das würde den USA ermöglichen, einen sensiblen Korridor wie die Straße von Malakka im Blick zu behalten.

Das Malakka-Dilemma

Chinas Abhängigkeit von der Meerenge wird daher schon seit Beginn der 2000er-Jahre als „Malakka-Dilemma“ bezeichnet, geprägt von Chinas ehemaligem Präsidenten Hu Jintao. China versucht, seine Versorgungswege zu diversifizieren, ist jedoch immer noch am stärksten auf den Seeweg angewiesen.

Die Auswirkungen einer Blockade der Straße von Malakka würden sich nicht nur auf China beschränken, sondern beträfen Lieferketten weltweit, würden die Energiekosten erhöhen, Handel verzögern und eine wirtschaftliche Krise auslösen. Alternative Routen existieren. Sie sind jedoch länger, teurer und für viele Schiffe nicht geeignet, etwa weil die Gewässer zu flach sind.

Weltweit wären Lieferketten betroffen, sollte es zu einer Blockade der Straße von Malakka kommen.

Indonesien denkt laut über Gebühren nach

In Indonesien hat Finanzminister Purbaya Yudhi Sadewa vor kurzem scheinbar beiläufig fallen lassen, man könne doch Gebühren für die Schiffe erheben, die die Straße von Malakka passieren. So wie Iran es in der Straße von Hormus macht. „Wenn wir das zu dritt zwischen Indonesien, Malaysia und Singapur aufteilen, könnte da einiges zusammenkommen, oder?“, sagte er lachend.

Die drei Länder grenzen an die Meerenge. Ihre geografische Lage verschafft ihnen erhebliche Macht über eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Die Idee wurde jedoch umgehend vom malaysischen Außenminister, dem singapurischen Außenminister und auch von Indonesiens eigenem Außenminister verworfen. Die Straße von Malakka gilt als internationale Meerenge, durch die Schiffe frei und ungehindert passieren dürfen.

Es ist unwahrscheinlich, dass es zu einer Maut in der Straße von Malakka kommt. Und dennoch ist der Gedanke in die Welt gesetzt und wird seitdem diskutiert. Sollte Iran am Ende tatsächlich eine Maut für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus erheben, könnte das die Debatte in Indonesien oder andernorts möglicherweise wieder aufkommen lassen.

Thailand plant Überland-Verbindung

Die Blockade der Straße von Hormus hat Thailand dazu veranlasst, seinen Plan für eine Landverbindung wieder stärker zu verfolgen. Thailand liegt nordöstlich der Straße von Malakka. Das Land möchte einen Landkorridor aus Straßen und Eisenbahnen bauen, um die Meerenge zu umgehen.

Der Weg würde direkt vom Indischen Ozean in den Pazifik führen. Der Plan gilt jedoch als finanzielles und logistisches Mammut-Projekt. „Ich denke, dass Landalternativen in bestimmten Situationen und Krisenzeiten tragfähig und nützlich sind. Aber in Friedenszeiten unter normalen Umständen wird man immer den Transport über den Seeweg abwickeln“, sagt Sicherheitsexpertin Darshana Baruah. Denn der Seeweg ist günstiger und weniger aufwändig.

Malakka-Prämie

Die Schifffahrt weltweit dürfte teurer werden. Versicherer könnten höhere Prämien verlangen, um das gestiegene geopolitische Risiko einzupreisen. Der Marktanalyst Nigel Green prägte in den letzten Tagen einen Begriff für die steigenden Kosten für Versicherung und Transport durch die zentrale Wasserstraße: Er nannte es die „Malakka-Prämie“.

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Dr. Heinrich Krämer
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