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Startseite»Politik»Streit über UniCredit-Angebot für Commerzbank kurz vor Fristende
Politik

Streit über UniCredit-Angebot für Commerzbank kurz vor Fristende

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 16, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 16.06.2026 • 13:29 Uhr

Die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit wird konkreter. Das freiwillige Angebot der Mailänder Bank läuft um Mitternacht ab – und wie sie selbst darstellt, wird es gut angenommen. Das wirft Fragen auf.

Die UniCredit ist bei der Commerzbank bereits mit Abstand größter Einzelaktionär und besitzt knapp 27 Prozent aller Aktien. Wie die italienische Bank zuletzt bekannt gegeben hat, wurden ihr im Zuge des Übernahmeangebots bisher rund 12 Prozent aller Aktien angeboten. Würde sie die annehmen, könnte sie ihren Anteil auf fast 39 Prozent aufstocken.

Außerdem hat die UniCredit über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Aktien. Bestenfalls würde ihre Beteiligung damit auf fast 42 Prozent wachsen. Es ist erstaunlich, dass das Angebot so viel Zuspruch findet. Denn die Commerzbank-Anleger verdienen kaum daran.

Angebot der UniCredit wenig attraktiv

Die Mailänder Bank bietet ihnen für jede Commerzbank-Aktie knapp eine halbe, eigene Aktie. Umgerechnet war das lange Zeit weniger, als die Commerzbank-Papiere an der Börse wert waren. Mittlerweile hat sich das Umtauschverhältnis aber verbessert. „Trotzdem würde man erwarten, dass bei so einem niedrigen Preis so gut wie niemand das Angebot annimmt“, meint Volker Brühl, Geschäftsführer des Frankfurt Center for Financial Studies.

Der Bund etwa, der die Commerzbank zu Zeiten der Finanzkrise gerettet hatte und bis jetzt noch rund 12 Prozent der Aktien besitzt, lehnt das Angebot aus genau diesem Grund ab. Es käme wirtschaftlich gesehen nicht in Frage, da es keine angemessene Prämie auf den aktuellen Kurs der Commerzbank-Aktie enthalte.

Ist die Darstellung der Italiener korrekt?

Die Commerzbank zweifelte vergangenen Mittwoch die Darstellung der UniCredit an. Nach eigenen Informationen habe bisher kein Großinvestor den Deal angenommen. Unter den Privatanlegern seien es wenige, heißt es. Deshalb habe man die Finanzaufsicht BaFin eingeschaltet. Die Vermutung der Commerzbank: Auch hier könnten Finanzinstrumente im Spiel sein, die angebotenen Aktien letztlich nur geliehen sein.

Solche Behauptungen seien falsch, konterte diesen Montag die UniCredit, eingelieferte Aktien seien eingelieferte Aktien. Mit solchen Äußerungen sorge die Geschäftsleitung der Commerzbank bei Aktionären für Verwirrung. Man habe weit über die geltenden Vorschriften hinaus für Transparenz gesorgt und sich deshalb nun ebenfalls an die BaFin gewendet.

Betriebsrat hat bereits Strafanzeige gestellt

„Die ganze feindliche Übernahme ist eine reine Schlammschlacht“, sagt dazu der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Commerzbank Sascha Übel. Er hat mittlerweile Strafanzeige gestellt, wegen Marktmanipulation und Irreführung. „Auf dem Weg erhoffen wir uns Aufklärung zu dem gesamten Verfahren und allen beteiligten Parteien“, sagt Übel. Die Strafanzeige richte sich dabei nicht gegen die UniCredit, sondern gegen Unbekannt. Bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt wiederum heißt es, man führe Vorermittlungen, um zu klären, ob ein Anfangsverdacht für Straftaten vorliege. Deshalb sei man ebenfalls in Kontakt mit der BaFin.

Die BaFin überwacht als Aufsicht das gesamte Übernahmeverfahren, kontrolliert Meldepflichten und sorgt für Transparenz. Vergangene Woche hatte sie die UniCredit bereits gebeten, neben dem Übernahmeangebot weitere Informationen offenzulegen. Dabei ging es insbesondere um ihre umstrittenen Finanzinstrumente. Zu den aktuellen Meinungsverschiedenheiten – von der BaFin kein Kommentar.

UniCredit gewinnt immer mehr an Einfluss

Für das Übernahmeangebot läuft die Frist heute in der Nacht auf Mittwoch ab. Danach gebe es eine etwa zweiwöchige Nachfrist, für bis dahin noch unentschlossene Anleger, sagt der Frankfurter Bankenexperte Brühl. Ob diese das Angebot doch noch annehmen wollen, können sie dann bis 3. Juli entscheiden.

Mit einer Beteiligung von bis zu 42 Prozent an der Commerzbank wäre die UniCredit ein Schwergewicht. „Da bei den jährlichen Hauptversammlungen der Commerzbank nie alle Anleger anwesend sind, könnte die italienische Bank vor Ort bereits die Mehrheit erlangen“, sagt der Frankfurter Experte für Fusionen und Übernahmen Christoph Schalast.

Druck auf das Management der Commerzbank steigt

Das würde der UniCredit laut Schalast ermöglichen, weitreichende Entscheidungen zu treffen. Die italienische Großbank hatte selbst bereits darauf hingewiesen, dass sie womöglich bald eigene Vertreter in den Aufsichtsrat wählen könnte, der seinerseits für die Bestellung des Vorstands zuständig sei. Bisher sind die Italiener in dem Kontrollgremium nicht vertreten.

Solche Ankündigungen seien im laufenden Übernahmeverfahren nicht ideal, sagte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp dazu. Es stifte noch mehr Unruhe. Die Bank sei aber weiter gesprächsbereit. Darüber hinaus verwies Orlopp darauf, dass der Bund als zweitgrößter Aktionär auch das Recht habe, zwei Aufsichtsräte zu nominieren. Allerdings müssen diese bei den Hauptversammlungen erst gewählt werden.

Commerzbank-Mitarbeiter fürchten massiven Stellenabbau

In einer Stellungnahme am Morgen unterstrich der Bund noch einmal, dass er sich für die Eigenständigkeit der Commerzbank einsetze. Das aggressive Vorgehen der UniCredit lehne man weiter ab. Die Commerzbank spiele eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Mittelstands und sei ein bedeutender Arbeitgeber.

Weiter ist die Sorge bei den Arbeitnehmervertretern der Commerzbank groß, im Falle einer Übernahme durch die UniCredit könnte es bei der Frankfurter Privatbank zu einem Kahlschlag kommen. Es könnten deutlich mehr Arbeitsplätze wegfallen, als die Commerzbank ohnehin gerade selbst abbaut – nämlich rund 7.000.

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