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Startseite»Politik»Trauerprozession für Chamenei in Teheran
Politik

Trauerprozession für Chamenei in Teheran

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 6, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 06.07.2026 • 18:21 Uhr

Es geht mehr um Politik als um Trauer: Mit der mehrtägigen Zeremonie für den getöteten Obersten Führer Chamenei will Irans Regime Signale senden – nach innen und außen. Doch viele Menschen blieben der Prozession in Teheran fern.

Uwe Lueb

Der neue oberste Anführer in Iran, Modschtaba Chamenei, ist bisher nicht zu sehen gewesen. Die Trauerfeierlichkeiten für seinen Ende Februar durch die USA und Israel getöteten Vater finden ohne ihn statt. Modschtaba sei ein „Kriegsversehrter“, melden staatliche Medien, also offenbar so schwer verletzt, dass er nicht auftreten kann.

Am heutigen Montag erreichen die Trauerfeiern einen ersten Höhepunkt: Von Millionen Menschen ist die Rede, die die Straßen Teherans säumen. Am Ende soll der Sarg des getöteten Ajatollah Ali Chamenei zehn Stunden lang durch die Stadt gefahren worden sein, bevor es in Ghom, im Irak und schließlich Maschhad weitergeht. Und doch: Die Mehrheit der Menschen bleibt fern.

Wiederkehrendes Motiv: Rache

„So wie bei Hydar wurde seine Flanke durchbrochen“, dröhnt es aus großen Lautsprechern zu Beginn der Trauerprozession. Den Beinamen Hydar trug der erste Imam nach dem Propheten Mohammed. Daher hat er eine besondere Bedeutung. Auch Chamenei wurde oft Hydar genannt.

„Gott ist groß“, ruft eine Menge unter künstlichem Sprühregen, der bei Temperaturen an die 40 Grad für Abkühlung sorgt. Ein riesiges Transparent wird ausgerollt, auf dem steht: „Wir werden Trump töten!“

Rache, das ist das immer wiederkehrende Motiv bei den Trauerzeremonien. Schon am Wochenende waren Plakate zu sehen, die einen blutenden Kopf des US-Präsidenten Donald Trump zeigen. Und schon früh branden Rufe auf wie „Tod Amerika, Tod Israel“.

Signal nach innen und nach außen

Überall sind rote Flaggen zu sehen – als Symbol für Rache. Selbst auf der Kuppel der Moschee der Sharif-Universität für Technik weht eine. Es scheint die wichtigste Botschaft der Trauerzeremonien zu sein.

Das Regime wiederum will Signale senden, nach innen und nach außen: Nach innen, dass vom Regime weiter Bindungskraft ausgeht, es die Fäden wie vor dem Krieg in der Hand hält. Nach außen, dass Iran geschlossen ist und die Menschen hinter der Führung stehen.

Dabei standen zuletzt immer weniger hinter dem Regime und seinem Obersten Anführer Chamenei, sagt Nahost-Experte Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik dem ARD-Studio Istanbul:

Er war verantwortlich für ein Regime, der oberste Führer eines Regimes, das noch im Januar Tausende von Demonstranten ermordet hat, auf der Straße hat erschießen lassen. So unbeliebt wie in den letzten Monaten seines Lebens war er nie zuvor.

Es geht mehr um Politik als um Trauer

Die Menschenmassen auf den Straßen sollen einen anderen Eindruck erwecken. Bis zu 20 Millionen sollen es sein. Offizielle und glaubwürdige Zahlen gibt es nicht, allenfalls Schätzungen, die liegen darunter. Auf jeden Fall bleibt die Mehrheit der Menschen den Zeremonien fern.

Der tote Chamenei indes erweist dem Regime einen letzten Dienst – indem er zur Symbolfigur des Widerstands Irans gegen die westliche Welt erklärt wird, so Perthes: „Chamenei wird heute nicht mehr erinnert als ein politischer Führer, der das Regime mit in alle möglichen Abgründe geführt hat, sondern eben als ein Märtyrer, der von den Feinden des Islam, den Feinden Irans ums Leben gebracht worden ist.“

Und so geht es bei den sechstägigen Trauerfeierlichkeiten weniger um Trauer als um Politik. Vertreter des Regimes senden auch während der Trauerphase über soziale Medien Botschaften der Stärke und Entschlossenheit, etwa in Bezug auf die Straße von Hormus. Iran beharrt auf seinem Kontrollanspruch.

Und auch bei den vielen Teilnehmenden geht es eher um Politik. Genauer: um Rache. In Anspielung auf die begonnenen Verhandlungen über eine Einigung mit den USA rufen sie: „Wir wollen kein Abkommen – wir wollen Trumps Kopf.“

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Dr. Heinrich Krämer
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