Trotz fragiler SicherheitslageWadephul versucht deutsche Firmen nach Nigeria zu locken
Die Sicherheitskräfte in Nigeria sind angesichts multipler Krisen überdehnt. Jährlich sterben Tausende Menschen durch Gewalt, ausgeübt von Terrormilizen und bewaffneten Banden. Außenminister Wadephul betont dennoch das Potenzial des Landes und appelliert an deutsche Unternehmen.
Außenminister Johann Wadephul ermutigt deutsche Unternehmen, sich trotz einer schweren Sicherheitskrise mit Tausenden Toten im Jahr in Nigeria anzusiedeln. „Ich bin guter Dinge, dass wir gemeinsam mit den Polizeibehörden hier im Land für eine ausreichende Sicherheitslage sorgen können und dass ein wirtschaftliches Engagement dadurch nicht eingeschränkt ist. Ich ermutige ausdrücklich deutsche Unternehmen, sich hier zu betätigen“, sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit seiner nigerianischen Amtskollegin Bianca Odumegwu-Ojukwu in der Hauptstadt Abuja.
Nigeria habe eine schnell wachsende Wirtschaft und junge Bevölkerung sowie wichtige Ressourcen für Deutschland, sagte Wadephul. Diese zu übersehen „wäre grob fahrlässig“. Mehr als 100 deutsche Unternehmen seien bereits in dem westafrikanischen Land aktiv, das Deutschlands zweitgrößter Handelspartner in Subsahara-Afrika ist. Deutschland sei weiterhin entschlossen, Sicherheit, Stabilisierung, humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit zu unterstützen, sagte Wadephul.
Nigerias Außenministerin Odumegwu-Ojukwu sagte, ihr Land habe Wirtschaftsreformen vorangetrieben, um das Investitionsklima zu verbessern. Ihre Regierung hoffe auf verstärkte Zusammenarbeit in zahlreichen wirtschaftlichen und politischen Bereichen. Nigeria ist mit mehr als 240 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern Afrikas bevölkerungsreichster Staat und eine seiner größten Volkswirtschaften.
Die Sicherheitskräfte des Landes sind angesichts mehrerer Krisen landesweit überdehnt. Neben örtlichen islamistischen Terrormilizen wie der berüchtigten Boko Haram und anderen bewaffneten Banden breiten sich auch Terrorgruppen aus den benachbarten Sahel-Staaten aus. 2025 zählte die Konfliktdatenorganisation Acled in Nigeria fast 13.000 Tote durch Gewalt, darunter mindestens rund 5000 Zivilisten.
Tausende Menschen werden jährlich entführt, zumeist um Lösegeld zu erpressen. 3,7 Millionen Menschen sind nach UN-Daten innerhalb des Landes auf der Flucht. Seit Beginn des Jahres sind rund 200 US-Soldaten im Land, die nigerianische Streitkräfte ausbilden und mit Überwachung unterstützen sollen.
