TV-Experten feuern raus
Klopps Schatten: Droht Nagelsmann das „Börti“-Vogts-Schicksal?
14.06.2026 | 11:36 Uhr
Jürgen Klopp haut in seiner Rolle als TV-Experte direkt einen raus, witzelt mit Thomas Müller über die Zukunft von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Ungute Erinnerungen an das erste US-Desaster 1994 kommen hoch.
Jürgen Klopp und Thomas Müller hauten einander die Sprüche um die Ohren wie zwei rauchende Teenager auf dem Schulhof. „Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf – noch. Noch“, rief Klopp ins Mikrofon bei MagentaTV, Müller gab lachend zurück: „Kloppo, wir haben Juni. Du bist schon im September!“
Das war alles einigermaßen amüsant, durchaus, aber mit einigen Minuten Verspätung blieb doch ein merkwürdiges Gefühl: Witzelte da am Tag des Eröffnungsspiels der Schattenmann über die Zukunft des Bundestrainers, bevor die WM überhaupt begonnen hatte? Live on air? Ja, es schien so.
Dass so etwas nicht unbemerkt bleibt, bekam Nagelsmann bei seiner Abschlusspressekonferenz vor dem deutschen Auftaktspiel gegen Curacao zu spüren. Die erste Frage in Houston dazu pendelte er noch mit einer Gegenfrage aus – aber als ein englischer Reporter nachsetzte, musste er sich doch ausführlicher erklären. Noch einmal: darüber, dass sein potenzieller Nachfolger öffentlich Witzchen über seine Zukunft reißt.
Der TV-„Bundestrainer“ ist wieder da
Deutschland habe „viele Experten, auch Thomas und Jürgen sind coole Jungs“, sagte Nagelsmann, er war wenig angetan, aber dabei souverän. „Sie hatten viel Erfolg in der Fußballwelt. Sie können über alles reden, was sie wollen. So ist das eben.“ Lothar Matthäus merkte aus der Ferne an: Klopps Rolle, seine Aussagen auch zu Aufstellungsdetails, machten es Nagelsmann „nicht gerade leichter“.
Interessant: Ein Blick in die sehr sehenswerte ARD-Dokumentation „Elf Helden, ein Albtraum“ zeigt derzeit in Superzeitlupe auf, was passieren kann, wenn der Bundestrainer (Berti Vogts) vom Bundestrainer der Herzen (Franz Beckenbauer) und den Medien (mit Lothar Matthäus) bei einer WM in den USA (1994) sturmreif geschossen wird. Nämlich ein Desaster. Vogts wurde medial verspottet. Noch heute trällern die Leute Stefan Raabs Klaumauk-Nummer vom kleinen „Börti, Börti Vogts“.
Nagelsmann warnt vor WM-Neuling Curaçao
Davon sind Nagelsmann und die deutsche Nationalmannschaft selbstverständlich erst einmal weit entfernt. Aber dem Bundestrainer wird es überhaupt nicht gefallen haben, wie das Duo Klopp/Müller beim Basteln seiner Wunschaufstellung Jamal Musiala anzählte. „Wir müssen uns mit solchen Dingen auseinandersetzen“, stellte er kühl fest.
Vor Nagelsmanns Pressekonferenz hatte Klopp, 2006 als „TV-Bundestrainer“ überhaupt erst einem größeren Publikum bekannt geworden, im Ruderboot schon mit harten Schlägen die Richtung gewechselt. Hey, Julian, alles cool! „Wen sollen wir kritisieren – wir haben noch keine Sekunde gespielt?“, fragte er: „Weder den Trainer und schon gar nicht Musiala, den wir alle lieben.“ Das alles sei schließlich „nullkommanull“ als Kritik gedacht gewesen, er habe nur „Möglichkeiten aufzeigen“ wollen. So, wie es nun eben sein Job ist als Experte.
Klopp hatte schon ein DFB-Angebot
Qua Rollenprofil jedenfalls sind Nagelsmann und Klopp, der Fußball-Chef des Red-Bull-Imperiums, in den kommenden Wochen hart gegeneinander geschnitten. Der eine muss dringend eine erfolgreiche WM für Deutschland hinbiegen, der andere die Fortschritte und Rückschläge auf diesem Weg kommentieren. Stürmt Nagelsmann nicht mit 8x 5:0 durchs Turnier, wird es zu weiteren kritischen Aussagen kommen.
Mit dem Hintergedanken, bald selbst in dieses Amt zu kommen? Da lässt Jürgen Klopp sich bisher nicht locken. Sein Berater Marc Kosicke hat aber schon freimütig von Angeboten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) berichtet: vor der Ära Nagelsmann. Der besitzt einen Vertrag bis 2028, also auch noch in diesem September.
Verwendete Quellen: ntv.de, mar/sid
