Sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe? Die UN erheben schwere Vorwürfe gegen Israels Sicherheitskräfte. Die israelische Regierung reagierte empört – und will den Kontakt zu UN-Generalsekretär Guterres abbrechen.
Ein Bericht der Vereinten Nationen erhebt schwere Anschuldigungen gegen israelische Soldaten und Sicherheitskräfte und wirft ihnen sexualisierte Gewalt gegen Palästinenser vor.
Die Liste der Misshandlungen umfasse etwa „Vergewaltigungen, auch mit Gegenständen, Gruppenvergewaltigungen, versuchte Vergewaltigungen, körperliche Gewalt gegen die Genitalien, gezielte Schüsse auf die Genitalien“, heißt es in dem noch unveröffentlichten Report von UN-Generalsekretärs António Guterres. Die Vereinten Nationen haben demnach 2025 mehrere Fälle konfliktbezogener sexualisierter Gewalt verifiziert.
Betroffen gewesen seien 14 Männer, sieben Frauen, neun Jungen und ein Mädchen aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland. „Vergewaltigungen und Gruppenvergewaltigungen, in einigen Fällen wiederholt, wurden an neun Opfern verübt, von denen die Mehrheit aus dem Gazastreifen stammte.“ Der Bericht führt die israelischen Sicherheitskräfte auf einer Liste jener Akteure auf, die glaubhaft verdächtigt werden, in bewaffneten Konflikten systematisch Vergewaltigungen oder andere Formen sexueller Gewalt begangen zu haben.
Israel zieht Konsequenzen
Die israelische UN-Vertretung in New York reagierte empört auf die Anschuldigungen und kündigte an, den Kontakt mit dem Generalsekretariat der Vereinten Nationen unter Guterres abzubrechen. „Die Entscheidung, Israel auf eine Schwarze Liste zu setzen und uns vorzuwerfen, sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe einzusetzen, ist eine ungeheuerliche Entscheidung“, sagte Botschafter Danny Danon. Er sprach von einer „Kampagne“ gegen sein Land. „Wir sind fertig mit diesem Generalsekretär!“, schrieb Danon auf der Plattform X.
Die UN-Spitze hingegen zeigte sich gesprächsbereit: Der Sprecher des Generalsekretärs, Stéphane Dujarric, erklärte, man habe aus den Sozialen Medien von der israelischen Entscheidung erfahren und sei jederzeit bereit für Gespräche. Den Inhalt des Berichts wollte Dujarric nicht kommentieren.
Die Terrororganisation Hamas wurde von der UN bereits vergangenes Jahr auf die Liste gesetzt. Dem Bericht zufolge setzte die Hamas bei ihrem Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe ein, darunter Vergewaltigungen, Gruppenvergewaltigungen, und Missbrauch von Geiseln.
Auch Russland zu „Schwarzer Liste“ hinzugefügt
Die jährlich von den UN veröffentlichte Liste umfasst Dutzende staatliche sowie nichtstaatliche Akteure, denen vorgeworfen wird, in Konflikten „systematisch“ sexualisierte Gewalt verübt zu haben. Seit Jahren stehen darauf Länder wie Sudan, Haiti, Syrien und Mali.
Neben Israel wurde auch Russland auf die Liste von Ländern gesetzt, denen sexualisierte Gewalt in Konfliktgebieten vorgeworfen wird. Hier konstatiert der UN-Bericht sexualisierte Gewalt durch die Streitkräfte Moskaus in den besetzten ukrainischen Gebieten. Zudem hätten ukrainische Kriegsgefangene von sexualisierter Gewalt in russischen Gefängnissen berichtet. Auch die Ukraine wird in dem Bericht kritisiert, sie wurde aber nicht auf die Liste gesetzt.
Im August vergangenen Jahres hatte UN-Generalsekretär Guterres Israel und Russland bereits vor einer möglichen Aufnahme in die „Schwarze Liste“ gewarnt.
