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Startseite»Nachrichten»USA greifen iranische Städte an: WM mutiert zu erweitertem Kampfgebiet
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USA greifen iranische Städte an: WM mutiert zu erweitertem Kampfgebiet

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 10, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Der Iran spielt eine WM im Land des Feindes. Nun wird ein US-Hubschrauber über der Straße von Hormus abgeschossen, die USA vergelten das mit Angriffen auf die Islamische Republik – und der Kampf um die Soft Power bei der WM gerät in gefährliche Bahnen.

Als wären die Diskussionen angesichts der innenpolitischen Lage in den USA und rund um die längste Fußball-WM aller Zeiten nicht schon groß genug, kommt dem Turnier nun auch noch der Krieg gegen den Iran in die Quere. Seit drei Monaten blockieren die beiden Staaten einander in der Straße von Hormus und haben damit die Weltwirtschaft in eine Achterbahnfahrt gezwungen. Die Meerenge im Nahen Osten ist nahezu unpassierbar.

Der im April vereinbarte Waffenstillstand ist äußerst brüchig, nun wurde ein US-Hubschrauber über der Seestraße abgeschossen. Trump machte den Iran verantwortlich: „Die Vereinigten Staaten müssen aus Notwendigkeit auf diesen Angriff reagieren“, kündigte er an. Stunden später führten die US-Streitkräfte Vergeltungsschläge aus der Luft gegen mehrere iranische Küstenstädte durch.

Durch die erneute Eskalation verkommen die Spiele der iranischen Nationalelf bei der WM mehr und mehr zur Farce. Glücklicherweise, muss man schreiben, sind in der Gruppe der Islamischen Republik keine Mannschaften direkter Feinde vertreten, sondern die aus Belgien, Neuseeland und Ägypten. Die Anspannungen und Unsicherheiten, auch bei der FIFA, wären trotzdem kaum kalkulierbar. Laut der Nachrichtenagentur Reuters ist dies die erste Weltmeisterschaft seit der Gründung des Turniers im Jahr 1930, bei der ein Gastgeberland ein Land empfängt, mit dem es sich im Krieg befindet. Das belastet die Psyche der iranischen Spieler, von denen ein großer Teil im eigenen Land aktiv ist. Es beeinflusst auch den Rahmen, in dem ihre drei Gruppenpartien ausgetragen werden.

Für das Team aus Iran gestaltet sich die Situation immer komplizierter. „Nun, um ehrlich zu sein, ist es nicht einfach“, sagte Mittelfeldspieler Saeid Ezatolahi bereits vor wenigen Tagen zur Situation mit dem Krieg und der WM. „Es wird schwierig für uns werden, denn wir verfolgen die Nachrichten aus unserem Land, und die politischen Ereignisse können natürlich die Stimmung der Spieler und der Menschen beeinflussen.“ Mittelfeldkollege Mohammad Ghorbani fügte hinzu: „Wir wissen, dass unser Volk während des gesamten Krieges viele Schwierigkeiten durchgemacht hat, und wir gehen dorthin [in die USA; d. Red], um für sie das Beste zu erreichen – zu ihrer Freude und zur Freude der Menschen in unserem Land.“

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„Beste Lösung für sie ist, zu gehen“

Der iranische Außenminister Abbas Araghchi schrieb nach dem Hubschrauberabschuss, es gebe ein „konstantes Risiko“ für feindliche Streitkräfte nahe seinem Land: „Die beste Lösung für sie ist, zu gehen.“ Er schloss eine offenere Drohung an: „Wir bevorzugen die Sprache der Diplomatie, aber sprechen auch andere.“ Washington und Teheran verhandeln seit einigen Wochen über ein Kriegsende, ohne bislang einen Durchbruch erzielt zu haben. Das mit den USA verbündete Israel hatte vor ein paar Tagen im Libanon befreundete Kräfte des Iran angegriffen, woraufhin die Islamische Republik ihrerseits Vergeltungsschläge gegen Israel führte.

Rollt an den Spielorten ihrer Mannschaft in Los Angeles und Seattle der Ball, während im Nahen Osten die Waffen sprechen, wird die WM zu einer Art erweitertem Kampfgebiet im Hinblick auf Soft Power. Die WM ist die größte aller sportlichen Bühnen, und sowohl die Trump-Regierung als auch das iranische Regime, für das die Nationalmannschaft als Quelle des Nationalstolzes und verbindende Kraft wirken soll, wollen sie für sich nutzen. Der Fußball könnte zum Werkzeug der Spaltung statt der Völkerverständigung verfaulen.

Selten war die Politisierung des Sports sichtbarer. Bereits vor dem Hubschrauberabschuss und Trumps Vergeltung flogen etliche sportlich-politische Giftpfeile hin und her. Der iranische Fußballverbandspräsident Mehdi Taj warf den USA eine „Blockadehaltung“, „Böswilligkeit“ und „mangelnde Gleichbehandlung der Mannschaften“ vor. Ein Vertreter der US-Regierung erklärte daraufhin gegenüber CNN: „Wir werden nicht zulassen, dass die iranische Regierung dieses System missbraucht, um Terroristen unter falschen Vorwänden in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln.“

Nach langen Diskussionen hatte die iranische Nationalmannschaft ihr Basislager aus den Vereinigten Staaten, wo alle drei Gruppenspiele stattfinden, nach Mexiko verlegt. Dann erhielten zwar alle Spieler ein Visum für die USA – einige Teammitglieder jedoch nicht. Die Fußballer dürfen laut US-Heimatschutzministeriumssprecher jeweils einen Tag vor den Spielen einreisen. Über einen möglichen Ausreisezwang ist nichts bekannt. Als die Mannschaft aus dem Flugzeug stieg, um im mexikanischen Tijuana ihr Mannschaftsquartier zu beziehen, trugen die Spieler Anstecknadeln, auf denen „#168“ zu lesen war. Eine Referenz auf die 168 Kinder, die bei einem Luftangriff auf eine iranische Grundschule getötet worden waren. Der Iran macht die USA dafür verantwortlich.

Exil-Iraner wollen demonstrieren

Der Iran wird seine ersten beiden Spiele in Los Angeles bestreiten, wo die weltweit größte iranische Diaspora-Gemeinschaft außerhalb des Landes lebt und von der viele dem Regime der Islamischen Republik extrem ablehnend gegenüberstehen. Doch wird die Partie gegen Neuseeland am Montagabend Ortszeit überhaupt stattfinden? Dürfen alle Spieler einreisen? Was passiert, wenn einer oder mehrere an der Grenze abgewiesen werden?

Los Angeles bereitet sich auf Demonstrationen und mögliche Zwischenfälle vor, die Polizeibehörden werden bei den Spielen des Iran ihr Personal aufstocken. „Es wird knallen“, sagt ein iranischer Uber-Fahrer, der Tickets für die Partie besitzt und anonym bleiben will, gegenüber ntv.de zu erwarteten Protesten. Man wolle ein Zeichen setzen gegen das Regime in Teheran. „Fuck Trump“, sagt der Mann, „aber eine gute Sache hat er gemacht: Er hat Ali Chamenei getötet. Trump muss den Krieg jetzt aber weiterführen, um das Regime vollends zu beseitigen.“ Nur dafür wird die iranische Gemeinschaft seiner Meinung nach bei dem Spiel demonstrieren. Nicht gegen Trump und den Krieg.

Verwendete Quelle: ntv.de

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