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Virus in DR Kongo und Uganda: Wie gefährlich ist der Ebola-Ausbruch?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 18, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Stand: 18.05.2026 • 19:48 Uhr

In der Demokratischen Republik Kongo ist das Ebola-Virus ausgebrochen. Die WHO hat inzwischen den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Was heißt das? Und muss man sich in Deutschland Sorgen machen?

Die Ausgangslage

Vergangene Woche wurden erste Ebola-Fälle aus der Demokratischen Republik Kongo gemeldet. Bislang ist vor allem die Provinz Ituri im Nordosten des Kongo betroffen. Zuletzt meldete die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC mehr als 300 Verdachtsfälle, darunter auch mehr als 80 Todesopfer. Die meisten Betroffenen seien im Alter zwischen 20 und 39 Jahren, mehr als 60 Prozent Frauen, meldete die Nachrichtenagentur AFP mit Verweis auf den Gesundheitsminister.

Ein Todesfall wurde auch aus dem angrenzenden Uganda gemeldet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Sonntag einen internationalen Gesundheitsalarm ausgerufen.

Was ist Ebola?

Ebola ist eine seltene und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Sie wird durch das Ebolavirus verursacht. Die Viren werden nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in fünf Spezies unterteilt, darunter Zaire-Ebolavirus, Sudan-Ebolavirus oder auch Bundibugyo. Bei Ebolaviren handelt es sich laut RKI um sogenannte zoonotische Viren. Das heißt, in der Regel beginnt ein Ausbruch in einem Endemiegebiet mit einer einzelnen Übertragung von Tier zu Mensch. Die Folgefälle würden dann meist von Mensch zu Mensch übertragen. Dazu ist direkter Körperkontakt oder Kontakt mit Körperflüssigkeiten nötig.

Die Inkubationszeit – also von der Ansteckung bis zum Auftreten erster Symptome – beträgt laut RKI zwischen zwei und 21 Tagen, durchschnittlich sechs bis zehn Tage. Die frühen Symptome sind demnach unspezifisch und ähneln einem grippalen Infekt: Fieber, Unwohlsein, Müdigkeit, Gliederschmerzen. Später können unter anderem Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Ausschläge, Atemnot oder auch Verwirrtheit hinzukommen.

Was weiß man über den Ursprung des Virus?

Derzeit laufen epidemiologische Untersuchungen, um zu bestimmen, wie die aktuelle Ebola-Epidemie ausgelöst wurde. Bei dem ersten nachgewiesenen Fall handelte es sich um einen Krankenpfleger, der sich am 24. April mit auf Ebola hindeutenden Symptomen in einer Gesundheitseinrichtung in Ituris Hauptstadt Bunia meldete. Der mutmaßliche Ausbruchsherd wurde aber rund 90 Kilometer davon entfernt lokalisiert, in der Kleinstadt Mongbwalu. Die WHO wurde am 5. Mai über den Ausbruch einer Krankheit mit hoher Sterblichkeitsrate informiert, nachdem binnen vier Tagen in der Gegend von Mongbwalu vier Menschen gestorben waren, die im medizinischen Bereich arbeiteten.

Menschen, die an der Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus erkranken, entwickeln zunächst Symptome wie bei einer Grippe oder Malaria. Dies kann die Diagnose verzögern. Laut dem kongolesischen Gesundheitsminister wurde die Entdeckung des Ebola-Ausbruchs zudem dadurch verzögert, dass die betroffenen Gemeinden zunächst an eine „mystische Krankheit“ oder „Hexerei“ geglaubt und sich daher nicht an Gesundheitseinrichtungen und die Behörden gewandt hätten.

Wie ungewöhnlich ist der Ausbruch?

In den vergangenen 50 Jahren ist es in der Demokratischen Republik Kongo zu 17 Ebola-Ausbrüchen gekommen. Dabei handelte es sich laut Africa CDC hauptsächlich um den am häufigsten vorkommenden Zaire-Ebolavirus, für den ein Impfstoff entwickelt wurde. Erst zum dritten Mal ist der Africa CDC zufolge nun die seltene Bundibugyo-Variante ausgebrochen. Zuvor war der Bundibugyo-Stamm 2007 erstmals in Uganda aufgetreten, dann 2012 im Kongo. Aufgrund seiner Seltenheit gibt es laut WHO für diese Variante keinen zugelassenen Impfstoff und keine Therapie. Allerdings hat die Bundibugyo-Variante nach Angaben des US-amerikanischen Gesundheitsinstitutes NIH eine niedrigere Sterblichkeitsrate von etwa 37 Prozent. Beim Zaire-Stamm liege diese bei bis zu 90 Prozent.

Was bedeutet der internationale Gesundheitsnotstand der WHO?

Die hohe Alarmstufe löst für derartige Fälle Mechanismen wie eine weltweite Koordination von Gegenmaßnahmen aus. Die WHO stellt unter anderem rund 430.000 Euro für Sofortmaßnahmen bereit. Sie beschreibt den Ausbruch als „außergewöhnliches Ereignis“ und warnt, er könnte größer sein als bisher bekannt. Zehn Nachbarländer des Kongo wurden bislang offiziell gewarnt. Dazu gehören Uganda und Südsudan, die direkt an die kongolesische Provinz Ituri angrenzen, von der der Ausbruch ausgeht.

Es handle sich jedoch um keinen Pandemie-Alarm, stellte die WHO klar. „Der Ausbruch erfüllt nicht die Kriterien für einen Pandemie-Notfall, aber die Nachbarländer tragen ein hohes Risiko der weiteren Ausbreitung“, erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Muss man sich in Deutschland Sorgen machen?

Gesundheitsexperten sagen: Das Risiko für Deutschland und Europa ist derzeit gering. Das hat damit zu tun, dass sich Ebola ausschließlich durch direkten Körperkontakt oder Kontakt mit Körperflüssigkeiten erkrankter Personen überträgt, also zum Beispiel durch Blut. Eine unbemerkte Ausbreitung in Europa – wie zum Beispiel bei Atemwegserkrankungen – ist daher unwahrscheinlich. Hinzu kommt, dass die betroffene Region im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo eine Konfliktregion ist, in der bewaffnete Rebellengruppen gegeneinander kämpfen. Es ist also keine Touristengegend. Deshalb betrifft der Ebola-Ausbruch vor allem die Menschen, die dort leben und unterwegs sind.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken sieht in Sachen Ebola derzeit keinen Handlungsbedarf in Deutschland. In der Bundesrepublik ist das Risiko „als äußerst gering einzuschätzen“, sagte die CDU-Politikerin im Bericht aus Berlin. „Im Land braucht es derzeit keine Vorkehrungen.“ Eine weltweite Ebola-Pandemie halte sie für „nahezu ausgeschlossen“.

Nach Angaben des RKI zeigte der bislang größte Ebolafieber-Ausbruch in Westafrika 2014/2015, dass das Risiko einer Ausbreitung nach Deutschland selbst dann sehr gering sei, wenn afrikanische Großstädte mit internationalen Flugverbindungen von einem Ausbruch betroffen sind. Nur vereinzelt hätten damals Infizierte die betroffenen Länder mit einem Flugzeug verlassen. Eine weitere Verbreitung in Deutschland wäre auch deshalb unwahrscheinlich, da Infektionsketten in Deutschland schneller unterbrochen und Betroffene sicher versorgt werden könnten, wie das RKI auf seiner Internetseite schreibt (Stand März 2025).

Warum sind Experten trotzdem vorsichtig?

Trotzdem gibt es Faktoren, die genau beobachtet werden müssen. Ohne verfügbaren Impfstoff ist die Eindämmung der Bundibugyo-Variante erschwert. Ein in Ugandas Hauptstadt Kampala verstorbener Patient war laut Africa CDC mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus dem Kongo eingereist. „Der Fall zeigt, wie schnell das Virus Grenzen überqueren kann“, warnte Africa CDC Direktor Jean Kaseya. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die betroffene Provinz Ituri und umliegende Regionen. Von nicht notwendigen Reisen in die übrigen Landesteile des Kongo einschließlich der Hauptstadt Kinshasa rät es ab.

Wie sind die Lebensumstände in der Region?

Maximilian Gertler von der Berliner Charité sprach am Morgen im Deutschlandfunk von einer „Armutserkrankung“. Ursache dieser Epidemie seien die „erbärmlichen Lebensumstände der Menschen, die da leben“. Mehrere Faktoren spielten eine Rolle: „Das ist die Angst vor der Gewalt in der Region, das ist die Armut, das ist die Abwesenheit einer effektiven Gesundheitsversorgung, die man auch noch selbst bezahlen muss“, sagte der Facharzt für Innere Medizin, Notfallmedizin, Tropenmedizin und Epidemiologie. Auch mangele es an sauberem Trinkwasser und Vertrauen in Behörden, die über das Virus aufklärten.

Quellen: dpa, AFP, Karin Bensch, ARD-Studio Nairobi, Robert Koch-Institut (RKI)

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Dr. Heinrich Krämer
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