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Politik

Warum das Chinageschäft für europäische Firmen weiterhin gut läuft

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 27, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 27.05.2026 • 17:06 Uhr

Auch wenn die Beziehungen schon mal besser waren: Für europäische Firmen läuft es in China nicht so schlecht – ungeachtet aller Hürden, Skepsis und Misstrauen.

Ingo Nathusius

Europäische Unternehmen machen in China nach wie vor gute Geschäfte. Die Lage ist allerdings nicht mehr so rosig wie vor der nationalistischen Politik von Staats- und Parteichef Xi Jinping. Gute Geschäfts- und Gewinnchancen werden getrübt durch Einschränkungen, die typisch für Diktaturen sind. Das wird in einer Befragung der Europäischen Handelskammer in China deutlich, an der sich die Hälfte der 1.100 Mitgliedsunternehmen beteiligt hat.

Korruption und Herrschaft der KP

Durchgängig ist die Klage, als ausländisches Unternehmen schlechter behandelt zu werden als chinesische Unternehmen. Staatliche beziehungsweise einheimische Unternehmen würden allseits bevorzugt, private häufig.

Als noch harmlos erscheinendes Beispiel nannte der Präsident der Europäischen Handelskammer Jens Eskelund: Krankenhäuser bekämen von chinesischen Unternehmen Spenden und würden dann deren Mitarbeiter bevorzugt behandeln. „Auf lokaler Ebene geht es kaum ohne Korruption“, kommentiert Horst Löchel vom Sino-German Center an der Frankfurt School of Finance.

Nationalistische Wirtschaftspolitik

Fast die Hälfte der Unternehmen gibt an, ihr Geschäft sei im vergangenen Jahr politischen Einflüssen stärker ausgesetzt gewesen als 2024. Was darunter zu verstehen ist, bleibt offen. Bekannt ist beispielsweise, dass Unternehmen gezwungen sind, Büros für Betriebsorganisationen der kommunistischen Partei einzurichten und deren Funktionäre zu bezahlen. „Die Partei ist aber am Erfolg der Unternehmen interessiert“, urteilt Volkswirt Löchel. „Die werden mit ihren Betriebszellen keine politischen Parolen durchsetzen“.

Der Frankfurter Sinologe stellt der Wirtschaftspolitik von Staats- und Parteichef Xi aber ein gutes Zeugnis aus. Erst mit Xis Entscheidung, versäumte technische Entwicklungen schnell nachzuholen, habe das Land wirtschaftlichen Schwung bekommen. „Die Wirtschaftspolitik ist nicht schlecht“, sagt Löchel, „Das ist nicht die DDR.“

Geistiges Eigentum ist nicht sicher

Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass geistiges Eigentum von Ausländern in China nicht sicher ist. Es geht um Patente, technische Verfahren und Konstruktionspläne. Zwar habe sich vieles verbessert. Doch sagen 39 Prozent der Unternehmen, Regeln zum Schutz geistigen Eigentums würden nicht richtig durchgesetzt.

Raquel Ramirez von der Europäischen Handelskammer berichtet von einem Fünftel der Unternehmen, die Probleme bekämen, wenn sie technische Daten mit ihrer europäischen Zentrale tauschen wollten. Carlo D’Andrea aus dem Shanghaier Büro der Handelskammer sagte, sieben von zehn Unternehmen hätten Probleme mit internationalem Geldtransfer. So werde das nichts mit dem Aufbau eines Finanzzentrums in Shanghai, mahnte D’Andrea.

Verwirrende Behörden

In Deutschland ist es üblich, dass zwischen Stadtverwaltungen und lokalen Unternehmen keinerlei Kontakte gepflegt werden. In der gelenkten Wirtschaft Chinas haben Unternehmen dagegen vielfältige Beziehungen zur öffentlichen Verwaltung. Dass die Erhebung von Steuern gut funktioniere, sei nicht verwunderlich, sagt Kammerpräsident Eskelund leicht ironisch. Ansonsten sind Ansprüche der Lokalverwaltung hoch, die Dienstleistungen hingegen nicht immer befriedigend.

Man dürfe sich die Verhältnisse nicht wie in Europa mit seinen klaren Regeln vorstellen, sagt Chinaforscher Löchel. Die Handelskammer-Funktionäre Jian Hua Shan und Raquel Ramirez berichten, dass nicht immer klar sei, welches Amt und welche Behörde wofür zuständig sei. Die tiefgestaffelte Verwaltung von Ämtern, Stadtverwaltung, Provinz und Zentralverwaltung ist oft verwirrend: Mehr als die Hälfte der europäischen Unternehmen in China gibt an, sie hätten durch staatliche Regulierung Marktchancen verloren.

Trotzdem gute Geschäfte

„Im Verhältnis zu anderen Märkten läuft China gut“, sagt Eskelund. Es ist nach wie vor profitabel, in China Geschäfte zu machen. Rohstoffe sind günstig, Arbeitskräfte kosten wenig, Energie ist vorhanden. „China ist sehr wettbewerbstauglich, wenn man betrachtet, was man für welche Kosten bekommt“, sagte Eskelund. Die übergroße Mehrheit der europäischen Industrieunternehmen lobt, dass Produktion in China besonders effizient sei.

Ein Drittel der Befragten rechnet mit sinkenden Gewinnen, die Hälfte erwartet gleichbleibende Gewinne, und 17 Prozent sehen steigenden Gewinnen entgegen. Beim Wachstum ist die Stimmung noch besser: Ein Drittel rechnet mit deutlich größeren Geschäften, knapp die Hälfte sagt, das Geschäftswachstum bleibt gleich, und ein Fünftel glaubt, das bisherige Wachstum erreichen zu können.

Ein Markt im Wandel

Ausländische Unternehmen kamen während der vergangenen vierzig Jahre zunächst nach China, um den Markt von heute 1,4 Milliarden Menschen zu bedienen. Das habe sich geändert, sagt Kammerpräsident Eskelund. Heute würden europäische Unternehmen in China ihr Geld wesentlich mit Export von in China hergestellten Gütern verdienen. Die Konkurrenz ist gewachsen. „In fast allen Branchen hat man heute mindestens einen chinesischen Konkurrenten“, sagt Eskelund.

Europäer investieren wenig

Mehr als die Hälfte der europäischen Unternehmen in China wollen im laufenden Jahr im Land investieren. Im internationalen Vergleich ist das viel; im Chinageschäft hingegen der bisher niedrigste Wert. Europa spielt als Investor für China nur noch eine geringe Rolle. Die neuesten Zahlen der chinesischen Statistikbehörde stammen von 2024. Die Europäische Zentralbank nennt frischere Daten. Beide Behörden schöpfen aus verschiedenen Quellen und rechnen unterschiedlich, so dass die Zahlen nicht direkt vergleichbar sind. Es lässt sich aber ein Trend feststellen.

Nach amtlichen chinesischen Angaben wurden 2024 neun Milliarden Dollar aus Europa investiert. Seitdem sind die Beträge laut Europäischer Zentralbank gesunken. Die neun europäischen Milliarden des vorletzten Jahres waren ein Zehntel dessen, was der Rest Asiens investierte, und weniger als die Investitionen aus Lateinamerika in China.

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