FAQ
In einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade sind sechs Mitarbeiter erschossen worden. Was weiß die Polizei über den mutmaßlichen Schützen und sein Motiv? Was ist über die Opfer bekannt?
Was ist in Stade passiert?
Gegen 12.10 Uhr wurde die Polizei durch mehrere Notrufe zu einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade gerufen, weil dort Schüsse gefallen waren. Die Ermittler waren nach eigenen Angaben schnell vor Ort, eine Wache liegt in der Nähe.
Am Tatort fanden die Beamten vier Tote. Laut Polizei wurde eine weitere Person vor dem Haus reanimiert – jedoch ohne Erfolg. Eine sechste Person erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen. Laut Polizeipräsidentin Kathrin Schuol bot sich den Beamten ein „grausames Bild“.
In der Nähe des Tatorts stoppte die Polizei ein fliehendes Fahrzeug mit dem mutmaßlichen Schützen.
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach auf einer Pressekonferenz von einer „kaltblütigen“ Tat“ ohne „politische oder wirtschaftliche Hintergründe“. Dahinter stünden vielmehr „familiäre Motive“.
Was ist über die Opfer bekannt?
Bei den sechs Toten handelt es sich laut Polizei um vier Mitarbeiterinnen und zwei Mitarbeiter des privaten Trägers der Jugendhilfeeinrichtung und des Jugendamts. Auf einer Pressekonferenz bat die Polizeipräsidentin Schuol um die Wahrung der Privatsphäre der Opferfamilien.
Die Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung blieben unverletzt und wurden laut Polizei sicher an anderer Stelle untergebracht.
Welche Informationen gibt es über die Einrichtung in Stade?
Das Kinder- und Jugendhaus Stade liegt in einer ruhigen Wohngegend in Stade. Laut der Webseite der Einrichtung bietet sie voll- und teilbetreute Wohngruppen für junge Mütter mit ihren Kindern an. Auf der Webseite heißt es, man biete werdenden Müttern und jungen Frauen mit Kind für eine begrenzte Zeit einen neuen Lebensort. Laut Polizei betreibt ein privater Träger die Unterkunft. Das Jugendamt Hannover nutze sie.
Das Kind des Verdächtigen sowie die 34 Jahre alte Mutter des drei Monate alten Mädchens waren in der Einrichtung untergebracht.
Was ist über den Täter und sein Motiv bekannt?
Die Polizei hat den mutmaßlichen Schützen festgenommen. Er war in einem Auto auf der Flucht. Die Polizei zerschoss die Reifen des Fahrzeugs und konnte es so stoppen. Mit dem mutmaßlichen Schützen befand sich eine Frau im Auto. Auch sie wurde in Gewahrsam genommen. Die Frau stammt nach ersten Erkenntnissen der Ermittler aus dem erweiterten Bekannten- oder Familienkreis des Mannes.
Laut Polizei handelt es sich bei dem Täter um einen 45-Jährigen, der in Deutschland geboren wurde und aus Hannover kommt. Er hat türkische Wurzeln. Über den Mann liegen polizeiliche Erkenntnisse vor, unter anderem wegen Bedrohung.
Die Ermittler vermuten sein Motiv im familiären Umfeld. Offenbar befindet er sich in einem Sorgerechtsstreit. Wegen des Sorgerechts des Kindes hatte der Verdächtige einen Termin in der Einrichtung in Stade – zusammen mit vielen der Opfer.
Das Kind des Verdächtigen war nach Informationen von NDR und WDR aus der Familie genommen worden. Unter Auflagen habe es zurück zur Mutter gedurft, aber nicht zu deren Wohnort in Hannover, sondern in die Jugendhilfeeinrichtung in Stade. Bei einem Gespräch in der Einrichtung sollte demnach über die Situation gesprochen werden, weil der Vater als auffällig galt. Dabei soll er eine Waffe gezogen und die Anwesenden erschossen haben. Laut Polizei durfte der 45-Jährige keine Waffe tragen. Nach derzeitigem Ermittlungsstand sei unklar, woher er die Waffe hatte und ob es mehrere Waffen gab.
Laut NDR und WDR soll der mutmaßliche Täter zu einem großen Clan aus Hannover gehören. Auf der Pressekonferenz sagten Polizei und Innenministerium, ihnen sei eine Clan-Verbindung nicht bekannt. Bei der Tat handele es sich um einen „singularen Fall“, sagte Innenministerin Behrens.
Wie sind die Reaktionen auf die Tat?
Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus. „Ich bin tief erschüttert über das Ausmaß der Gewalt in einem Raum, der Schutz geben soll“, erklärte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. „Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen der Toten und Verletzten, die so viel Schmerz ertragen müssen.“ Sein Dank gehe an alle Einsatzkräfte und Ärzte.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) nannte den Schusswaffenangriff „erschütternd“. Die Tat mache „die gesamte Landesregierung tief betroffen“, erklärte Lies.
Zugleich bat er darum, „jetzt keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und den Ermittlungen den nötigen Raum zu geben“. Es sei „die Zeit für Trauer, Anteilnahme und sachliche Ermittlungsarbeit und nicht für Spekulationen und Verunsicherung“.
Innenministerin Behrens sprach von einem „entsetzlichen Tag für Stade und für ganz Niedersachsen“. Sechs Menschen seien „auf brutale Weise aus dem Leben gerissen“ worden, erklärte sie. Das verursachte Leid sei „schwer zu begreifen und noch schwerer in Worte zu fassen“. Die Tat werde Stade „lange beschäftigen“ und „Spuren hinterlassen“. Behrens sprach allen Betroffenen ihre Anteilnahme aus.
