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Startseite»Politik»Wie der Iran-Krieg den Erneuerbaren zum Boom verhilft
Politik

Wie der Iran-Krieg den Erneuerbaren zum Boom verhilft

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 7, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 07.05.2026 • 11:18 Uhr

Die Abhängigkeit von Gas und Öl ist kostspielig. Mit Hochdruck versuchen Staaten, den Ausbau Erneuerbarer Energien voranzutreiben. Das gibt grünen Aktien an der Börse mächtig Rückenwind. Trump dürfte das nicht gefallen.

Angela Göpfert

Der Iran-Krieg hat das Thema Energiesicherheit wieder in den Vordergrund gerückt. Seitdem die USA und Israel Iran am 28. Februar angegriffen haben, sind die Öl- und Gaspreise in die Höhe geschnellt. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent schoss von 70 Dollar bis auf 126 Dollar; damit erreichte er ein Vierjahreshoch. Das verstärkt den Wunsch vieler Länder nach Energiesouveränität – und könnte nun Investitionen in Alternativen zu Öl und Gas beschleunigen.

Grüne Aktien profitieren vom Ölpreisschock

An der Börse sind deshalb Aktien, die mit der Energiewende verbunden sind, nach Jahren enttäuschender Kursentwicklung plötzlich wieder gefragt. „Wir sehen hier eine deutliche Renaissance der Aktien, die mit Erneuerbaren Energien zu tun haben“, betont Stefan Riße, Kapitalmarktstratege von Acatis, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.

Ablesbar ist das am S&P Global Clean Energy Transition Index, der weltweit Unternehmen im Bereich Erneuerbare Energien abbildet: Seit Anfang April legte er um 15 Prozent zu, während der fossile Schwesterindex S&P Global Oil ein Minus von gut einem Prozent verbuchte. Auch auf Ein-Jahres-Sicht haben grüne Aktien die Nase vorn mit einem Plus von 76 Prozent, während Öl-Papiere „nur“ um 48 Prozent zulegten.

Nordex, Vestas und Siemens Energy gefragt

Mit Blick auf einzelne Aktien ragten in den vergangenen Wochen vor allem Windkraftproduzenten wie Vestas und der Offshore-Riese Ørsted – beide aus Dänemark – positiv heraus. Unter den deutschen Konzernen sind insbesondere Siemens Energy und Nordex stark gefragt.

Während Siemens Energy als Spezialist für Stromnetze und Energieinfrastruktur punktet, gilt Nordex als einer der führenden westlichen Hersteller von Windenergieanlagen. Seit Jahresbeginn hat die Nordex-Aktie mehr als 60 Prozent hinzugewonnen – aktuell notiert sie so hoch wie seit 2002 nicht mehr.

Energiesouveränität ersetzt ESG-Fantasie

Dabei gibt es einen großen Unterschied im Vergleich zu früheren Börsenrallys bei grünen Aktien. Ging es den Anlegern einst eher um Klimaschutz und die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien, so steht jetzt vor allem die Frage der Energiesouveränität im Fokus.

„Ziel ist es vor allem, die Abhängigkeiten von fossilen Brennstoffen und von bestimmten Zuliefererregionen zu reduzieren“, betont Chris-Oliver Schickentanz von der Capitell AG. Der Iran-Krieg habe hier bei vielen Staaten ein Umdenken beschleunigt. „Die Kernerkenntnis ist, dass man diese strukturellen Veränderungen jetzt einführen muss, um auch für künftige Krisen gewappnet zu sein.“

Wind und Solar als Schutz vor Krisen

Auch Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht im Iran-Krieg ein starkes Argument für den schnelleren Ausbau von Erneuerbaren Energien: „Wer auf Öl und Gas setzt, bleibt abhängig von Krisen, Konflikten und Preisschocks. Wind und Sonne machen uns unabhängiger.“

Genau deshalb sei jede Investition in Erneuerbare auch eine Investition in Sicherheit, Freiheit und stabile Preise, betont die DIW-Ökonomin gegenüber der ARD-Finanzredaktion. „Jede Kilowattstunde aus Wind und Sonne macht uns weniger abhängig von fossilen Importen, Autokraten und Krisenregionen.“

Ukraine-Krieg war erster Weckruf am Energiemarkt

Dabei gab es schon vor dem Iran-Krieg einen großen Weckruf für mehr Investitionen in Erneuerbare Energien: Als Russland 2022 die Ukraine überfiel, wuchs auch das Interesse an Alternativen zu Öl und Gas – doch geändert hat sich seither nicht viel.

„Die direkte Abhängigkeit von Russland wurde zwar reduziert, aber die fossile Abhängigkeit insgesamt ist geblieben; sie wurde vielfach nur auf andere Lieferländer verlagert“, betont DIW-Expertin Kemfert.

Abhängigkeit von fossilen Importen bleibt hoch

Tatsächlich ist die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und Energieimporten hierzulande weiterhin hoch. Die jüngsten verfügbaren Eurostat-Zahlen stammen aus dem Jahr 2024: Deutschland musste danach rund 67 Prozent seiner verbrauchten Energie aus dem Ausland beziehen. EU-weit waren es 57 Prozent.

Zudem geht aus vorläufigen Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor: Im ersten Quartal 2026 deckten Erneuerbare Energien rund 53 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland.

Dabei steht im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2023): Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent des Stromverbrauchs aus Erneuerbaren kommen. Davon ist Deutschland noch weit entfernt.

Wie Trump das Interesse an Wind und Solar neu schürt

Kein Wunder also, dass der Iran-Krieg das Interesse an Windkraft und Solar bei Staaten wie Anlegern neu entfacht; merken sie doch einmal mehr, wie teuer die Abhängigkeit von fossilen Energien in Zeiten geopolitischer Krisen sein kann.

Und darin steckt auch eine gewisse Ironie: Ausgerechnet US-Präsident Donald Trump gibt mit seiner Iran-Politik den Erneuerbaren Energien Rückenwind – obwohl er selbst diese „teuren und unzuverlässigen Energiequellen“ eigentlich ausbremsen will.

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Dr. Heinrich Krämer
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