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Politik

Wie die Rubel-Rally für Russland und Putin zum Problem wird

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 28, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 28.05.2026 • 16:49 Uhr

Der Rubel ist auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren gestiegen. Was auf den ersten Blick nach wirtschaftlicher Stärke aussieht, wird für Putins Kriegswirtschaft zur großen Belastung.

Angela Göpfert

Eine starke Währung gilt normalerweise als Zeichen wirtschaftlicher Stärke – im Falle Russlands ist es komplizierter. Der russische Rubel ist Ende Mai gegenüber Dollar und Euro auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren gestiegen. Für Moskau ist das aber nur auf den ersten Blick ein Erfolgssignal. Der starke Rubel wird für Russlands Kriegswirtschaft zunehmend zum Problem.

Warum der Rubel so stark ist

Zuletzt lag der Kurs bei etwa 71 Rubel je Dollar. Zum Vergleich: Anfang 2025 mussten noch 115 Rubel für einen Dollar gezahlt werden. Allein seit Mitte März hat die russische Währung um mehr als 20 Prozent aufgewertet.

Der wichtigste Grund für die Rubel-Rally ist ein verzerrter Außenhandel: Russland verkauft mehr ins Ausland – vor allem Öl, Gas und andere Rohstoffe -, als es importiert. Denn die russische Wirtschaft stagniert, die Binnennachfrage ist schwach. Zugleich bleiben viele Kanäle für Kapitalabflüsse geschlossen.

Wie der Iran-Krieg den Rubel stützt

Der Iran-Krieg hat dieses Ungleichgewicht nun nochmals verschärft: Seither sind die Ölpreise massiv gestiegen. Um die Engpässe bei Rohöl und Raffinerieprodukten zu bekämpfen, haben die USA zudem ihre Sanktionen gegen Russland im März gelockert; seither wurde die Ausnahmeregelung mehrfach verlängert – zuletzt Mitte Mai für weitere 30 Tage.

Damit ist der Verkauf von russischem Rohöl und russischen Erdölprodukten, die sich bereits auf Schiffen befinden, erlaubt. Die Lockerung der Sanktionen betrifft auch Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte.

Öl- und Gaseinnahmen steigen deutlich

Die Einnahmen Russlands aus dem Export von Rohöl sind vor diesem Hintergrund zuletzt massiv gestiegen. Im April zogen sie laut Berechnungen des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) im Vergleich zum Vorjahresmonat um 44 Prozent an.

Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge dürften Russlands Öl- und Gaseinnahmen im Mai um 39 Prozent zum Vorjahr auf rund 700 Milliarden Rubel steigen.

Exporteure leiden unter starkem Rubel

Für russische Exporteure ist der starke Rubel allerdings ein Problem: Russische Waren wie Getreide, Dünger, Stahl oder Metalle werden auf dem Weltmarkt teurer – und damit weniger wettbewerbsfähig.

Eine starke Währung wirkt dabei wie eine Steuer auf Exporte, da sie die im Inland produzierten Güter für ausländische Käufer verteuert. Gleichzeitig subventioniert sie Importe, da ausländische Produkte für die eigene Bevölkerung günstiger werden.

„Wir sehen, dass der Wechselkurs den russischen Getreidehandel gerade schlicht abwürgt“, sagte Rohstoff-Analystin Masha Belikova bei Fastmarkets der Financial Times.

Weniger Rubel für Putins Haushalt

Nicht nur für die russische Wirtschaft, auch für den Staatshaushalt ist die Rubelstärke heikel. Denn der russische Staat muss seine Rüstungsausgaben, Gehälter und Sozialleistungen in Rubel zahlen. Zugleich erzielt Russland viele seiner Exporterlöse in Fremdwährungen wie etwa dem chinesischen Yuan.

Um Haushaltslöcher zu stopfen, ist das Finanzministerium deshalb zunehmend auf den Verkauf der Gold- und Yuan-Reserven des Nationalen Wohlstandsfonds angewiesen. Käufer dieser Vermögenswerte ist die Bank of Russia. Die Zentralbank verkauft im Gegenzug Devisenbestände im gleichwertigen Umfang auf den heimischen Markt.

Diese sogenannten „Spiegelgeschäfte“ stärken den Rubel weiter – und verschärfen damit die Probleme für Russlands Staat und Wirtschaft. Unterm Strich ist der starke Rubel für Moskau eher Fluch als Segen.

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