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Startseite»Nachrichten»WM-Teilnehmer aus der Oberliga: Darum schüttet die FIFA einen deutschen Fünftligisten mit Geld zu
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WM-Teilnehmer aus der Oberliga: Darum schüttet die FIFA einen deutschen Fünftligisten mit Geld zu

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 13, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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Der FC Cosmos Koblenz ist der kleinste Klub der Welt, der einen Spieler für die Weltmeisterschaft abstellt. Haiti setzt auf Cosmos-Torwart Josué Duverger – und sorgt damit für einen unerwarteten Geldsegen beim Oberligisten.

In seinem letzten Pflichtspiel vor der Fußball-Weltmeisterschaft heißen die Gegner von Josué Duverger nicht Vinicius Junior, Casemiro, Neymar, Brahim Diaz oder Scott McTominay. Stattdessen wehrt Duverger die Schüsse von Bastian Hommrich, Noah Hannawald, Maximilian Krämer & Co. ab. Der FC Cosmos Koblenz setzt sich souverän mit 2:0 bei Arminia Ludwigshafen durch. Fußball-Deutschland nimmt von dieser Partie am 31. Spieltag der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar Anfang Mai keine Notiz.

Doch die Begegnung auf der Bezirkssportanlage Rheingönheim ist der letzte Auftritt von Josué Duverger auf der kleinen Fußballbühne, bevor das größtmögliche Abenteuer wartet. Wenige Tage später wird der in Kanada geborene Torwart des deutschen Fünftligisten (!) von Haitis Nationaltrainer Sébastien Migné in den Kader für die Weltmeisterschaft berufen. Als Ersatzkeeper, aber mit immerhin sechs Länderspiel-Einsätzen an Erfahrung im Gepäck.

Der FC Cosmos Koblenz ist der unbekannteste und kleinste Verein der Welt, der einen WM-Fahrer in seinen Reihen hat. Das unterscheidet den Oberligisten beispielsweise vom 1. FC Köln, der nicht einen einzigen WM-Teilnehmer im Kader hat.

Mit 14 Jahren nach Portugal, um Profi zu werden

„Es ist ein Privileg, als Oberliga-Spieler Teil des Kaders zu sein. Das ist die größte Bühne der Fußballwelt“, sagt Duverger im Rahmen einer Medienrunde, an der auch ntv teilgenommen hat. Duverger wirkt einerseits abgeklärt, nicht sonderlich nervös. Andererseits ist mit jeder seiner Aussagen zu spüren, dass es sich um einen Spieler handelt, der in der schillernden Fußballwelt nur noch selten vorkommt: Ein Mensch, der wirklich zu schätzen weiß, was für ein „Privileg“ die WM-Teilnahme ist.

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Kein Wunder: In der Theorie ist kaum einer der anderen 1247 WM-Spieler ein größerer fußballerischer Exot als Duverger. „Ich habe zusammen mit meinem ein Jahr älteren Bruder Kanada verlassen, um in Portugal Fußball zu spielen. Da war ich 14. In Europa Fußball zu spielen, das war der Traum meines Bruders. Ich bin einfach nur mitgekommen und habe dann gemerkt: Ich werde immer besser und besser. Ich habe eine Chance, Profi zu werden“, erzählt der mittlerweile 26-jährige Torwart von seiner alles andere als stromlinienförmigen Karriere.

Als Teenager wird der kanadische Fußballverband auf Duverger aufmerksam, nominiert ihn für die U17-Nationalmannschaft. Kurz danach meldet sich Haiti. Die Karibik-Nation lockt mit einem Einsatz in der A-Nationalmannschaft. „Das hat mir endgültig den Glauben gegeben, dass ich es schaffen kann.“

Mit ein paar Jahren Verspätung wird Duverger in diesem Sommer tatsächlich noch belohnt. Für seinen Mut, als Teenager das eigene Elternhaus zu verlassen und in Portugal alles auf eine Karte zu setzen, Tausende Kilometer von der Heimat entfernt.

Plötzlich vertragslos – „dann bekam ich eine Nachricht“

Duverger hütet in seiner Jugend sogar eine Saison lang das Tor des portugiesischen Spitzenklubs Sporting. Doch für eine Karriere auf Topniveau bei einem der Vorzeigevereine Lissabons reicht es dann doch nicht. Von 2022 bis 2024 tingelt Duverger mit UD Santarém durch die portugiesischen Niederungen. Nach dem Aufstieg aus der vierten in die dritte Liga endet seine Zeit in der Kleinstadt nördlich von Lissabon. „Ich hatte eine großartige Saison gespielt. Dann wurden Versprechungen gemacht, die aber nicht eingehalten wurden. Ich bekam keinen neuen Vertrag“, erinnert sich Duverger, der plötzlich ohne Verein da stand. „Dann schrieb mir Wilde-Donald Guerrier eine Nachricht.“

Guerrier ist einer der erfolgreichsten Fußballer Haitis. Der heute 37-Jährige hat 59 Länderspiele bestritten und für den aserbaidschanischen Verein Qarabag Agdam einst sogar in der Champions League gespielt. „Er fragte, ob ich einen Klub habe. Er hatte sich zu dem Zeitpunkt gerade Cosmos Koblenz angeschlossen. Der Verein will aufsteigen. Ich weiß, wie es sich anfühlt, nach oben zu gehen. Deshalb habe ich direkt zugesagt“, blickt Duverger auf seinen Wechsel in die deutsche Provinz zurück.

Der Aufstieg aus der sechstklassigen Rheinlandliga in die Oberliga gelingt im ersten Anlauf. Duverger kassiert im Schnitt weniger als ein Gegentor pro Spiel, ist der erhoffte Rückhalt für Cosmos gegen Vereine wie den TuS Kirchberg, die SG Vordereifel, den TuS Mosella Schweich oder die SG Malberg/Rosenheim.

In der gerade abgelaufenen Saison halten die Koblenzer als Aufsteiger souverän die Klasse. Auch dank etlicher gehaltener Elfmeter von Duverger. „Ich kann nicht verraten, was das Geheimnis dafür ist. Ich kann nur sagen: Ich glaube an Gott. Und wenn es ein Elfmeterschießen gibt, würde ich gerne im Tor stehen und versuchen, das zu tun, was ich am besten kann.“

Trikottausch unter Ersatzkeepern?

In der Vorrunde der WM trifft Haiti am Wochenende zunächst auf Schottland. Nach dem Auftakt in Boston warten noch die Riesen-Aufgaben gegen Rekordweltmeister Brasilien (in Philadelphia) und 2022er-Halbfinalist Marokko (in Atlanta). Vinicius Junior, Casemiro, Neymar, Brahim Diaz, Scott McTominay, Josué Duverger. In ein und derselben WM-Gruppe.

„Natürlich habe ich mir Gedanken darüber gemacht, mit wem ich ein Trikot tauschen will“, gibt Duverger zu und nennt ausgerechnet jemanden, der ebenfalls „nur“ Ersatztorwart seines Teams ist: Ederson, aktuell Schlussmann bei Fenerbahce in Istanbul und Ersatzmann bei Brasilien, zuvor Torwart in der Weltauswahl von Manchester City und bei Benfica in Lissabon. „Wir sind in derselben Stadt fußballerisch aufgewachsen. Er ist auch Linksfuß, genau wie ich. Er ist mein Vorbild, was den Spielstil als Torwart angeht. Deshalb möchte ich gerne sein Trikot haben.“

Duverger reist aber nicht nur zum Trikottausch nach Nordamerika. „Wenn wir mit der richtigen Mentalität spielen, wenn wir zusammenhalten, wenn wir gemeinsam leiden, dann ist alles möglich“, ist Duverger überzeugt. „Ich bin sicher, wir werden viele Überraschungen bei dieser Weltmeisterschaft sehen.“

„Einige Anfragen aus dem Ausland“

Der Fußballzwerg aus der Karibik ist erst zum zweiten Mal für eine WM-Endrunde qualifiziert. 1974 in Deutschland setzte es drei herbe Niederlagen mit 2:14 Toren. Diesmal wollen die „Grenadiere“ zumindest den ersten Punkt holen. Das wäre eine Sensation, gegen Schottland im Auftaktspiel in der Nacht von Samstag auf Sonntag (3 Uhr deutsche Zeit) am ehesten möglich.

Welche Außenseiter bei der WM auf Fans verzichten müssen

Die WM-Teilnahme von Haiti ist aber schon jetzt eine der größten Sensationen der WM-Geschichte – und die Teilnahme von Josué Duverger ein modernes Fußballmärchen.

Nur Duverger selbst geht ganz abgeklärt mit seiner WM-Nominierung um. Bei seinem Verein scheinen sie beeindruckter zu sein als der Nominierte selbst. „Manche meiner Mitspieler haben sich noch mehr gefreut als ich selbst“, offenbart Duverger, der seine Wertschätzung gegenüber Cosmos zum Ausdruck bringt. „Der Chef kümmert sich sehr gut um mich. Er ist ein großartiger Typ, hat ein großes Herz. Mir und meiner Familie hier in Koblenz fehlt es an nichts“, sagt der Haiti-Torwart.

Und dennoch dürften sich die Wege von Duverger und Cosmos Koblenz nach dem WM-Sommer trennen. „Es hat in den vergangenen Wochen einige Anfragen, vor allem aus dem Ausland, gegeben. Wir vom FC Cosmos wünschen Josué nur das Beste und werden ihm helfen, den nächsten Schritt zu machen. Er ist kein Oberliga-Keeper, er ist ein Spitzentorwart. Ich sehe ihn in der nächsten Saison im Ausland“, macht Remo Rashica, Vizepräsident des Fünftligisten, deutlich und formuliert ein Loblied auf den großen Stolz des FC Cosmos. „Josué ist ein unfassbar großartiger Mensch. Seit 2019 unterstütze ich mit meiner Familie und meinem Unternehmen diesen Verein, aber ich habe noch nie jemanden erlebt, der so professionell ist. Viele haben in diesem Alter noch viel Blödsinn im Kopf. Josué liest Bibel, wenn es im Bus zum Auswärtsspiel geht.“

Geldregen für Cosmos Koblenz

Duverger wird den FC Cosmos Koblenz aber nicht verlassen, ohne seinem Verein nicht noch einen großen Geldregen zu hinterlassen. Die FIFA schüttet für jeden Spieler bei der WM Abstellungsgebühren aus, die die jeweiligen Vereine erhalten. Für große Weltklubs sind die Entschädigungszahlungen Peanuts, nicht aber für Cosmos Koblenz. Duvergers WM-Teilnahme spült einen mittleren sechsstelligen Betrag in die Kassen des Fünftligisten. Bei der WM 2022 in Katar lag der Tagessatz bei etwa 9500 Euro pro Spieler pro Tag. Die genauen Beträge für 2026 sind noch nicht bekannt, dürften aber mindestens auf demselben Niveau liegen, möglicherweise sogar noch höher.

„Ich habe erst vor wenigen Wochen von diesen Zahlungen erfahren. Wir kalkulieren mit dem Geld nicht. Unsere Kalkulation steht längst: Wir sind aktuell voll im Plan, wollen innerhalb der nächsten zwei Jahre in die Regionalliga aufsteigen“, erklärt Rashica auf ntv-Nachfrage. „Wir fusionieren 2027 mit dem Traditionsverein VfL Neuwied. Wir werden das Geld nutzen und es dann in die Infrastruktur und die Jugendarbeit investieren.“

Das dürfte ganz im Sinne des „unfassbar großartigen“ Josué Duverger sein.

Verwendete Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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