WM-Wetter im Fokus
Was passiert, wenn es bei den Parallel-Spielen gewittert?
Der dritte Spieltag bei der Fußball-Weltmeisterschaft liefert die volle Dröhnung an Entscheidungen. Um Manipulation vorzubeugen, finden die Gruppenspiele parallel statt. Das Wetter könnte der FIFA-Regel aber in die Quere kommen.
Wenn in dieser Nacht der dritte Gruppenspieltag der Fußball-Weltmeisterschaft startet, geht es für die meisten Teams noch um ganz viel. Schaffen sie den Einzug in die K.-o.-Runde und wenn ja, auf welchem Tabellenplatz? Oder müssen sie die Heimreise antreten? Um möglichst wenig Chancen auf Manipulation zu ermöglichen, lässt der Weltverband FIFA die Spiele in den Gruppen bekanntermaßen parallel stattfinden.
Mitschuld an dieser Regelung, die es den Zuschauern erschwert, alle Spiele entspannt nacheinander zu sehen, trägt ein DFB-Team. Seit der „Schade von Gijón“ bei der WM 1982, als die Bundesrepublik Deutschland und Österreich für einen nachhallenden Eklat sorgten, werden die Spiele gleichzeitig angepfiffen. Dies ist in Artikel 12.4 der WM-Regeln festgehalten: „Die letzten beiden Spiele jeder Gruppe müssen am selben Tag gleichzeitig angepfiffen werden, sofern die FIFA nichts anderes festlegt (z. B. im Falle höherer Gewalt).“
Einer dieser Fälle von höherer Gewalt könnte das Wetter sein. Bei dem Turnier in Kanada, Mexiko und den USA ist es der natürliche Feind der Parallel-Spiele. Schließlich gilt die US-Regel, dass Sportveranstaltungen unterbrochen werden müssen, wenn im Radius von 13 Kilometern um den Austragungsort Blitzgefahr besteht. Die Spiele dürfen erst weitergeführt werden, wenn das Gewitter weitergezogen ist und innerhalb von 30 Minuten kein Blitz oder Donner im entsprechenden Radius mehr registriert wird. Sollte es in der Wartezeit trotzdem noch einen Blitz geben, wird die Wartezeit von vorn gestartet. Das macht es nahezu unvorhersehbar, ob und wann eine Partie weitergespielt werden kann.
Frankreich und Irak pausieren 132 Minuten
Eine wetterbedingte Verzögerung gab es bei dieser WM bereits: Beim Spiel der Franzosen gegen den Irak hatte es bekanntlich eine mehr als zweistündige Unterbrechung gegeben. Die Partie war um 23 Uhr deutscher Zeit angepfiffen worden. Das Unwetter in Philadelphia begann mit Starkregen, die Teams konnten sich aber in die Pause retten. Doch in dieser kam auch das Gewitter über dem Stadion an und das Stadion musste geräumt werden. Das Spielfeld musste von Wassermassen befreit werden und Schiedsrichter Drew Fischer konnte erst 132 Minuten später wieder anpfeifen, ehe Frankreich schließlich mit 3:0 gewann.
Was also, wenn ein solches Unwetter an einem Ort das Spielen unmöglich macht? Muss dann das Parallel-Spiel ebenfalls unterbrochen werden, um die Integrität zu wahren? Nein, berichtet die „Times“. Die FIFA hat keine Sonderregelung für widrige Wetterbedingungen. Der Weltverband vertraue darauf, dass sich alle Mannschaften integer verhalten.
Es ist bereits jetzt so, dass die Spiele zwar zeitgleich angepfiffen werden, aber nicht auf die Sekunde zur selben Zeit enden. So kann es durch Nachspielzeiten, Verletzungspausen und gegebenenfalls nicht exakt 15 Minuten dauernde Halbzeitpausen ohnehin bereits Verzögerungen geben.
In Deutschland sind Parallel-Spiele ebenfalls bekannt: vom letzten Spieltag der Profiligen. Dass auch dort nicht alles exakt parallel verläuft, ist hinlänglich bekannt – und hat schon zu so manchem historischen Ereignis geführt. So feierten die Anhänger des FC Schalke 04 im Mai 2001 ganz kurz die Meisterschaft – obwohl in Hamburg die Partie des FC Bayern gegen den HSV noch nicht abgepfiffen war. 2023 stürmten HSV-Fans den Rasen in Sandhausen und feierten die vermeintliche Rückkehr in die Bundesliga – als in Regensburg aber noch elf Minuten nachgespielt wurden – und schließlich dort der 1. FC Heidenheim der entscheidende Treffer gelang, der den Aufstieg bescherte.
Verwendete Quellen: ntv.de, ara
