„Zweimal reingeschissen“
DFB-Star bittet um Entschuldigung
30.06.2026 | 03:53 Uhr
Kai Havertz, Joshua Kimmich und all die anderen DFB-Stars stehen unter Schock: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat bei der WM „reingeschissen“. Das Aus im Sechzehntelfinale gegen den krassen Außenseiter Paraguay sorgt für harte Worte.
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist mal wieder an einem Tiefpunkt angekommen: Das Aus im Sechzehntelfinale gegen den krassen Außenseiter Paraguay (4.5. n.E.) ist ein kaum weniger desaströses Abschneiden als bei den vorangegangenen Weltturnieren, als jeweils schon nach der Vorrunde Schluss war. Die Spieler, die mit einem 7:1 über Curacao ins Turnier gestartet waren und nun eine Blamage zu verantworten haben, standen nach dem Tiefschlag gegen den 41. der FIFA-Weltrangliste unter Schock – und fanden teils harte Worte.
„Mir fehlen noch ein bisschen die Worte, das ist jetzt meine zweite WM, das zweite Mal reingeschissen, ich kann mich nur entschuldigen, jeder ist enttäuscht, kein schönes Gefühl“, sagte Kai Havertz. Der Stürmer hatte mit seinem Kopfballtreffer das 1:1 erzielt, dann aber auch im Elfmeterschießen den ersten deutschen Versuch verschossen. „Paraguay hat tief verteidigt, da war es schwer, Chancen zu kreieren. Aber eigentlich hat nicht viel gepasst. Wenn man, bei allem Respekt, gegen Paraguay ausscheidet, dann hat man es auch nicht verdient. Irgendwas hat uns immer gefehlt, wir Spieler müssen uns an die eigene Nase fassen.“
Kapitän Joshua Kimmich, der im Laufe des Turniers zunächst als rechter Verteidiger und vereinzelt in der Mittelfeldzentrale nur seltenst an seine persönliche Weltklasseform herankam, wählte große Worte – und stellte das sportliche Scheitern in einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang.
„Ich kenne Deutschland als Kind vor dem Fernseher, da war immer Halbfinale, Finale. Natürlich will man das auch den Kindern und den Menschen und der jetzigen Generation geben“, sagte der Profi des FC Bayern, der als einer der besten Spieler seiner Generation nun zum dritten Mal mit einer herben Enttäuschung von einer Weltmeisterschaft zurückkehrt. „Schwierig, das zum Ausdruck zu bringen, was gerade in mir vorgeht. Klar ist, dass wir wieder früh ausgeschieden sind, weil wir hier einen schwachen Gegner nicht schlagen konnten.“
VAR bringt Deutschland um mögliches Siegtor
„Enttäuschend ist das richtige Wort. Jeder ist traurig, enttäuscht. Es wird nicht viel gesprochen. Jeder ist ein bisschen für sich und muss mit der Situation klarkommen“, verriet Manuel Neuer. Der letzte Spieler im deutschen Kader, der noch große Erfolge im Nationaltrikot gefeiert hat. Der Rio-Weltmeister, den Bundestrainer Julian Nagelsmann wenige Tage vor der WM aus dem DFB-Ruhestand zurück ins deutsche Tor geholt hatte, attestierte seinem Team „ein bisschen wenig Durchschlagskraft. Das zweite Tor hätte natürlich super gepasst. Das ist extrem bitter.“ Das 128. Länderspiel dürfte für den WM-Rekordtorwart das letzte gewesen sein.
„Enttäuscht, schockiert“
Einer der wenigen Gewinner auf dem kurzen WM-Abenteuer der deutschen Nationalmannschaft ist Nadiem Amiri. Der Mainzer war als einer der Wackelkandidaten auf den Zug aufgesprungen, überzeugte bei seinem Kurzeinsatz gegen die Elfenbeinküste (2:1), als er den Ausgleich durch Deniz Undav vorbereitete und traf nun im Elfmeterschießen. Gute Gefühle kommen aber auch bei dem Mittelfeldspieler nicht auf. „Sehr enttäuscht, irgendwo auch schockiert“, sei er, „weil wir nicht damit gerechnet haben, dass wir so früh ausscheiden. Unglückliches Spiel gewesen. Ich habe jetzt gerade noch wenig Worte dafür. Natürlich war unser Anspruch ganz klar, heute weiterzukommen, aber so ist Fußball. Mit unserer Qualität hätten wir über 90 Minuten das Spiel entscheiden müssen.“
Julian Nagelsmann fühlte schlicht „Niedergeschlagenheit. Jeder ist enttäuscht, dass wir ausgeschieden sind. Manchmal gewinnen Mannschaften mit einfachen Mitteln. Sie sind mit einer Aktion in Führung gegangen“, sagte der Bundestrainer, dessen Weiterbeschäftigung kaum darstellbar sein dürfte. Doch eine Szene machte ihn abseits der eigenen Enttäuschung noch rasend: „Dann machen wir ein Tor, wo es ein Skandal ist, dass er das zurückpfeift, das ist echt ein Witz, keine Ahnung, was er da gesehen hat.“
In der ersten Hälfte der Verlängerung war das DFB-Team durch Jonathan Tah vermeintlich 2:1 in Führung gegangen, doch nach einer VAR-Intervention wurde der Treffer wieder zurückgenommen. An einen Rücktritt denkt Nagelsmann im Moment der Enttäuschung nicht: „Ich stehe zur Verfügung. Wenn DFB das möchte, mache ich die EM 2028. Ich bin keiner, der wegläuft. Das ist ausgeschlossen.“
Verwendete Quellen: ntv.de, ter
