marktbericht
Die Übernahme der Commerzbank durch die UniCredit zeichnet sich immer deutlicher ab. Die italienische Großbank ist schon jetzt größter Einzelaktionär und könnte ihren Anteil deutlich ausbauen.
Der Übernahmekampf um die Commerzbank durch die italienische Großbank UniCredit ist spätestens mit der Hauptversammlung der Commerzbank in dieser Woche erneut ins Blickfeld der Investoren gerückt.
Denn die Hauptversammlung der Frankfurter DAX-Bank hat gezeigt, dass die geringe Präsenz der Aktionäre auf dem Aktionärstreffen für einen immer höheren Einfluss der UniCredit spricht. Spätestens bei der nächsten Hauptversammlung 2027 können die Italiener nämlich ihren Stimmenanteil von schon aktuell 40,7 Prozent einbringen – was einer de facto Mehrheit auf der HV sehr nahe kommt. Warnungen des Vorstands und auch des zweitgrößten Einzelaktionärs, des Bundes, könnten dann ins Leere laufen.
Vorteil UniCredit
Auf der diesjährigen Hauptversammlung hatte die UniCredit ihre Aktien jedoch nicht angemeldet – schließlich befindet die Bank sich mitten im Übernahmeprozess. Zudem hätten die Italiener noch nicht wirklich etwas bewirken können, etwa bei einer Verweigerung der Entlastung des Vorstandes. Auch rechtliche Gründe wurden angeführt.
Dabei hätte die Bank nach eigener Ankündigung de facto bereits Zugriff auf 40,7 Prozent des Kapitals und damit der Stimmrechte ausgebaut. Die offizielle Präsenz auf der HV lag bei 41,81 Prozent, wie aus den abgegebenen Stimmen zum Tagesordnungspunkt der „Verwendung des Bilanzgewinns“ hervorgeht – also nur leicht darunter. Rein rechnerisch steht der Commerzbank-Vorstand damit schon jetzt mit dem Rücken zur Wand.
Kommt ein höheres Angebot?
Zumal, wenn die UniCredit ein weiteres Angebot abgeben sollte, das über dem aktuellen liegt. Zurzeit bietet sie 0,485 eigene Aktien für einen Commerzbank-Anteilsschein. Was unattraktiv ist, weil so gut wie keine Übernahmeprämie gezahlt wird. Der Ratschlag von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp, das Angebot abzulehnen, erscheint daher nachvollziehbar. Wie überhaupt die Commerzbank eine fehlende Übernahmeprämie zu Recht kritisiert.
Für die UniCredit gilt: Sollte mit dem noch bis zum 16. Juni laufenden aktuellen Angebot die 30 Prozent-Schwelle von derzeit 27 Prozent aber trotzdem übersprungen werden, muss ein verbindliches Angebot an alle Aktionäre vorgelegt werden. Über Finanzinstrumente kann der Anteil dann auf bis zu 40,7 Prozent ausgebaut werden. Das letzte Wort haben in jedem Fall die Aktionäre.
Klar ist, dass die UniCredit die Commerzbank auf Rendite trimmen will. Blaupause wäre die bereits im Konzern befindliche HypoVereinsbank – für die Angestellten droht dann ein erneuter Kahlschlag. Bis zu 23.000 Stellen könnten wegfallen.
DAX in der Warteschleife
Zum Wochenschluss holt der DAX bis zum frühen Nachmittag die Verluste des Vortages wieder auf und steht bei knapp 24.800 Punkten. Gute Vorgaben gab es aus Asien, wo die anhaltende Tech-Fantasie den Tokioter Nikkei-Index auf Rekordhoch getrieben hat. Thema Nummer eins bleibt weiterhin, ob es zu einer diplomatischen Einigung im Iran-Krieg kommen wird – hierzu gab es zuletzt widersprüchliche Meldungen.
Die Anleger jedenfalls bleiben in der Warteschleife, schließlich will niemand einen Durchbruch verpassen. Der DAX hält sich entsprechend auf hohem Niveau und steuert im Wochenverlauf auf einen Gewinn von rund 3,4 Prozent zu. Infineon führt den DAX an und profitieren von der jüngsten Tech-Fantasie nach dem angekündigten Börsengang von Elon Musks Raumfahrt und KI-Konzern SpaceX.
