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„Lucky Luke“-Hommage „Die Grimm Brothers“ von Flix und Reinhard Kleist: Der einsame Cowboy und die Märchen im Wilden Westen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 9, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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Lucky Luke im MärchenlandEs war einmal ein Cowboy … der traf die Gebrüder Grimm

09.06.2026, 16:32 Uhr Von Markus Lippold
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Geht Jolly Jumper unter die Bremer Stadtmusikanten? (Foto: Lucky Comics 2026 / Story House Egmont)

Er hat sie alle getroffen: Billy the Kid und Jesse James, Madame Bovary und Gustave Eiffel. Nun hat er eine besonders harte Aufgabe: Lucky Luke begleitet die Gebrüder Grimm auf einer Lesetour im Wilden Westen. Ein märchenhaftes Abenteuer aus deutscher Feder.

Schüsse knallen, Fäuste fliegen, Tische und Gläser gehen zu Bruch. Es ist eine typische Saloon-Szene, wild und chaotisch. Dann betreten zwei honorige Männer die Bühne und der Saal ist ratzfatz leer, die harten Cowboys und Strolche verlassen fluchtartig den Raum.

Was die besten Sheriffs nicht schaffen, ist für die beiden Männer kein Problem. Sind es Revolverhelden oder besonders hartgesottene Gesetzeshüter? Nein, es sind die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, die berühmten Märchensammler aus Deutschland. Sie haben die europäischen Salons erobert, jetzt gehen sie auf Lesetour in den Saloons des Wilden Westens. Doch niemand will ihre Geschichten hören. Da kann selbst der einsame Cowboy Lucky Luke nicht helfen, der die beiden durch die Prärie begleitet. Bis er eine zündende Idee hat. Doch das ruft allerlei Schurken auf den Plan.

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Reinhard Kleist (l.) und Flix legen gemeinsam ein „Lucky Luke“-Album vor. (Foto: Lars von Törne)

„Die Grimm Brothers“ ist das neueste Abenteuer von Lucky Luke, eines der Geschenke zu seinem 80. Geburtstag im November. Es erscheint als Hommage auf den Cowboy und gehört nicht zur regulären Reihe. Das Besondere: Zwei preisgekrönte Deutsche haben den Band gestaltet. Geschrieben hat das Album Flix, der bereits andere franko-belgische Comic-Klassiker umgesetzt hat. Die Zeichnungen stammen von Reinhard Kleist, der zuletzt mehrere Musikerbiografien vorgelegt hat.

Die Einwanderer brachten ihre Märchen mit

Doch, Moment: Die Grimms im Wilden Westen? Kann das sein? Tatsächlich waren die beiden nie in Amerika. Und dass sie Lucky Luke trafen, ist „ein Wunschgedanke“ von Autor Flix, wie er selbst sagt. Ihm geht es in seiner Geschichte um etwas anderes: „Die Herausforderung war, zu zeigen, dass deutsche Romantik und Wilder Westen nahezu zeitgleich existiert haben“, sagt er ntv.de, und fügt an: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Märchen der Grimms mit den Auswanderern nach Amerika kamen“. Das habe auch Einfluss auf die amerikanische Erzählkultur gehabt.

Kenner der „Kinder- und Hausmärchen“ der Grimms werden an dem Band ihre Freude haben. Denn er ist gespickt mit Anspielungen auf viele der von den Brüdern zusammengetragenen Geschichten und ihrer berühmten Figuren. Wunderbar adaptiert wird etwa das Märchen „Hans im Glück“, das sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Auch „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ wird thematisiert – es ist Flix‘ Lieblingsmärchen. Zeichner Kleist wiederum war als Kind vor allem von den Illustrationen der Märchen begeistert. Am meisten habe es ihn abgeholt, wenn er in die Welten der Märchen eintauchen konnte, in die Burgen und Wälder, sagt er.

Doch auch „Lucky Luke“-Fans kommen nicht zu kurz. „Ich wollte alles in diesen Band packen, was ich an der Serie liebe: den Humor, natürlich die Figuren, die ich alle auftauchen lassen wollte“, sagt Flix. Deshalb hat eine der beliebtesten Figuren der Reihe, die Mutter der vier Daltons, einen Auftritt, dazu der Hund Rantanplan und etliche Revolverhelden und Kriminelle aus früheren Alben. „Es gibt bisher noch keinen Band, in dem wirklich alle Gegner von Lucky Luke auftauchen, das fand ich reizvoll“, erklärt Flix.

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Ein feiner Unterschied: Die Grimms sammelten Märchen. (Foto: Lucky Comics 2026 / Story House Egmont)

Die Pferde brachten die Entscheidung

Pferde gibt es natürlich auch, viele Pferde. Sie sind der Grund, warum das Künstlerduo fast nicht zusammengefunden hätte, denn die Tiere sind zeichnerisch besonders schwer umzusetzen. „Ich hatte die Anfrage von Flix und habe mich erst mal geziert, weil man für ‚Lucky Luke‘ so viele Pferde zeichnen muss“, erzählt Kleist ntv.de. Doch bei einem Festival traf er den ehemaligen Disney-Animator Aaron Blaise, der ihm zeigte, wie es am besten geht. „Erst danach habe ich Flix angerufen und zugesagt.“

Und bestehen die Pferde in den Augen des Zeichnerkollegen? „Ich finde: ja. Lustigerweise nach dem Urteil meiner Töchter aber eher nicht so“, sagt Flix. Die seien passionierte Pferdemädchen „mit einem super strengen Auge“. In einem Fall hätten die Kinder sogar auf falsche Proportionen hingewiesen, was Kleist dann korrigiert habe.

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Pferde sind schwer zu zeichnen – das wusste auch Reinhard Kleist (Abbildung aus der Vorzugsausgabe). (Foto: Lucky Comics 2026 / Story House Egmont)

An anderer Stelle konnten die beiden Künstler aus eigener Erfahrung schöpfen: wie die Grimms im Comic haben auch Flix und Reinhard Kleist Erfahrungen mit nahezu leeren Sälen bei Lesungen. Kleist erzählt von einem Auftritt in einem großen Theater, in dem gerade mal acht Leute saßen. „Das sind Momente, die wir schon alle durchgemacht haben. Und deswegen kann man sich da ganz gut reinversetzen“, sagt er. Flix erzählt von einem Mann, der mitten in einer Lesung aufgestanden sei und laut gerufen habe: „Niemand mag diese Geschichten.“ Danach müsse man aber weitermachen, „das ist nicht ganz so einfach“.

Orientierung an Lucky Lukes Schöpfer

Ob Morris auch solche Erlebnisse hatte? An den Alben des legendären Schöpfers von Lucky Luke, der 2001 starb, orientieren sich Flix und Kleist. Das gilt einerseits für die Erzählung: Schon in früheren Abenteuern musste der Cowboy naive Europäer durch den Wilden Westen begleiten. Doch vor allem die Kolorierung erinnert an Morris – und das war eine Herausforderung. Denn der Belgier war da recht eigenwillig: Manche Bilder gestaltete er realistisch, anderen gab er eine einzige, knallige Farbe.

Keine leichte Aufgabe für Kolorist Thomas Gilke. Am Anfang hätten sie ziemliche Kämpfe ausgefochten, erzählt Flix, der eine genaue Vorstellung der Farben im Kopf hatte. Schließlich habe man sich in der Mitte getroffen, ergänzt Kleist, der mit dem Ergebnis sehr zufrieden ist.

„Die Brothers Grimm“ erinnert insgesamt an klassische Lucky-Luke-Abenteuer. Das unterscheidet den Band von früheren Hommagen von Künstlern wie Mawil oder Ralf König, die mutiger waren. Dennoch gelingt Flix und Kleist ein sehr unterhaltsamer Band. Sie überzeugen vor allem mit vielen Anspielungen, die Flix auch in anderen Werken gerne unterbringt. Neben Märchenfiguren tauchen unter anderem David Bowie und Nick Cave im Wilden Westen auf, denen Kleist zuletzt Biografien gewidmet hat. Und auch Filmfans werden ein Aha-Erlebnis haben. Hinzu kommt eine gelungene Traumsequenz, die es so noch nicht gab beim Cowboy. Nur das Lettering hätte etwas größer sein können, das hätte die Lesbarkeit erhöht.

Bis der Pinsel aus der Hand fällt

Nach 80 Jahren hat der Cowboy, der schneller zieht als sein Schatten, also immer noch neue Abenteuer zu bestehen. Aber wie stellen sich eigentlich die beiden Comic-Künstler ihre Rente vor? „Ich zeichne so lange, bis mir der Pinsel aus der Hand fällt“, sagt Kleist. Ein Leben ohne Zeichnen könne er sich nicht vorstellen. Ähnlich denkt Flix: „Solange der Kopf mitspielt, würde ich gerne was machen.“ Er hätte nur gern jemanden an seiner Seite, der ihn vor einem peinlichen Alterswerk bewahrt.

Übrigens: „Die Grimm Brothers“ ist nicht die erste Lucky-Luke-Hommage in diesem Jahr. Bereits im Frühjahr erschien „Dakota 1880“ der bekannten französischen Künstler Appollo und Brüno. Der Band hebt sich zeichnerisch und erzählerisch sehr deutlich von klassischen Bänden ab.

In sieben Kapiteln wird von der Reise einer Postkutsche durch die USA erzählt, die vom jungen Lucky Luke begleitet wird. Die Stimmung ist düster, die Figuren sind wortkarg, es fehlt dafür nicht an Gewalt. Das Ganze erinnert stark an den Film Noir oder harte amerikanische Kriminalromane. Daraus entsteht ein verdichtetes Porträt der jungen USA, in der verschiedene Kulturen und Charaktere gnadenlos aufeinanderprallen.

„Lucky Luke: Die Grimm Brothers“ ist als Hardcover und Vorzugsausgabe mit Bonusinhalten und signiertem Druck im Buchhandel sowie als Softcover im Zeitschriftenhandel erhältlich.

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Die Künstler gehen mit „Die Grimm Brothers“ auf Lesetour. (Foto: Story House Egmont)

Auf den Spuren der Gebrüder Grimm stellen Flix und Reinhard Kleist ihr Album vor: 13. Juni – Hanau, 14. Juni – Steinau an der Straße und Kassel, 15. Juni – Frankfurt am Main, 16. Juni – Marburg, 17. Juni – Bremen, 18. Juni – Berlin.

Quelle: ntv.de

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