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Startseite»Nachrichten»Kaum Emissionen reduziert: CCS-Prestigeprojekt in Norwegen mit enttäuschender Klimabilanz
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Kaum Emissionen reduziert: CCS-Prestigeprojekt in Norwegen mit enttäuschender Klimabilanz

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 10, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Kaum Emissionen reduziertCCS-Prestigeprojekt in Norwegen mit enttäuschender Klimabilanz

Royaler Besuch: Norwegens Kronprinz Haakon besuchte die Anlage im Sommer 2025. (Foto: picture alliance / NTB)

Viele Menschen setzen bei der Klimarettung auf die technische Lösung CCS. Daher wird dem Modellprojekt des deutschen Unternehmens Heidelberg Materials in Norwegen große Bedeutung beigemessen. Die können im ersten Jahr allerdings kaum erfüllt werden.

Die weltweit erste Industrieanlage in Norwegen, die Zement klimafreundlich herstellen soll, bleibt im ersten Betriebsjahr weit hinter den Erwartungen zurück. Das ergibt eine Analyse des „Spiegel“ gemeinsam mit vier internationalen Medien, koordiniert von dem Netzwerk European Investigative Collaborations (EIC).

Im Werk des deutschen Konzerns Heidelberg Materials im norwegischen Brevik fängt seit Juni 2025 ein Spezialturm einen Teil des in der Zementproduktion entstehenden Kohlendioxids (CO2) ab, bevor es in die Atmosphäre entweicht. Danach wird es verflüssigt und mit Spezialtankern zur norwegischen CO2-Lagerstätte „Northern Lights“ gebracht. Dort soll es im Meeresboden gespeichert werden, wo es das Klima nicht belastet. Es ist das erste Mal, dass diese Technik namens Carbon Capture and Storage, kurz CCS, auch für Industrieabgase angewendet wird.

Der Konzern feierte die Anlage in Brevik als „historischen Meilenstein“ und Beginn einer „neuen Ära des nachhaltigen Bauens“. Doch die Bilanz nach einem Jahr ist mager: Die Zementfabrik stieß laut Heidelberg Materials vor Projektbeginn üblicherweise etwa 800.000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr aus. Mit dem Spezialturm hat der Konzern diese Emissionen um 15 Prozent reduziert, berichtet der „Spiegel“. Versprochen hatte er aber, damit schon im ersten Jahr 50 Prozent einzusparen.

Lecks in Abgasrohren

Statt der zugesagten 50 Tonnen pro Stunde scheidet die Anlage laut der Recherche nur etwa 35 Tonnen ab; der Konzern selbst nennt 38 Tonnen. Zusätzlich stand der Abscheideturm mehrmals still, offenbar wegen technischer Probleme: etwa im September und Dezember 2025 sowie zwei Monate von Februar bis April 2026. Grund dafür sind laut Fachleuten wohl Konstruktionsfehler und Lecks in den Abgasrohren. In einem Fachaufsatz vom November 2024 hatten die Ingenieure des Konzerns vor Kostendruck beim Bau gewarnt.

Auch die Sicherheit der Anlage wirft Fragen auf. Im September 2025 sackte laut „Spiegel“ ein Mitarbeiter bewusstlos zusammen, nachdem er den Kopf in einen vermeintlich leeren CO2-Tank gesteckt hatte. Der Konzern stufte den Vorfall als „Beinaheunfall“ ein. Der Unfall wirft eine größere Frage auf, die CCS-Projekte weltweit betrifft: Was geschieht, wenn nicht nur ein Tank, sondern eine Leitung undicht ist oder eine ganze Schiffsladung CO2 entweicht? Das Zementwerk in Brevik grenzt direkt an eine Wohnsiedlung.

Heidelberg Materials weist entsprechende Sorgen zurück. Man befinde sich „in einer fortlaufenden Hochlaufphase“, das sei bei einem „wegweisenden Projekt dieser Größenordnung gängige Praxis“.

In Europa sind mehr als ein Dutzend ähnliche Anlagen für Zementwerke geplant, auch in Deutschland. Versagt das Pilotprojekt in Brevik, könnten andere Standorte Fördergelder in Milliardenhöhe verlieren oder neue Projekte abgesagt werden.

Quelle: ntv.de, als

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