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Startseite»Nachrichten»„Ich denke, sie lebt nicht mehr“: Vermisste Deutsche taucht in Epstein-Akten auf
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„Ich denke, sie lebt nicht mehr“: Vermisste Deutsche taucht in Epstein-Akten auf

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 10, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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„Ich denke, sie lebt nicht mehr“Vermisste Deutsche taucht in Epstein-Akten auf

Die umfangreichen Akten wurden im Dezember veröffentlicht. (Foto: action press)

Im Spätsommer 2015 verschwindet eine junge Frau spurlos. Die Polizei schließt eine aktive Suche nach ihr aus. Jetzt, gut elf Jahre später, finden Journalisten Hinweise. Die Mutter der Vermissten hat jedoch jede Hoffnung aufgegeben.

Der Name einer seit 2015 vermissten Deutschen taucht in den Akten zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auf. In den Dokumenten, die das US-Justizministerium freigegeben hat, finden sich E-Mails, die den Namen der zum Zeitpunkt ihres Verschwindens 22-jährigen Michele enthalten. Ein mutmaßlicher Anwerber Epsteins versuchte offenbar, die junge Frau an ihn zu vermitteln.

Nach Recherchen von „Spiegel“ und ZDF schickte er im Jahr 2014 Fotos von ihr an Epstein. Zudem bat er wohl um ein Flugticket und schrieb dazu: „Du wirst sie lieben“. Sie sei „sehr cool“. Ob jedoch tatsächlich eine Begegnung zustande kam, geht aus den Akten nicht hervor.

Nach Recherchen des „Spiegels“ und des ZDF-Dokuformats „Die Spur“ verließ die junge Frau im September 2015 mit einem Koffer die Wohnung ihrer Mutter. Danach verliert sich ihre Spur. Wohin sie unterwegs war, ist bis heute unklar. Angehörigen zufolge stand sie ab 2012 in Kontakt mit Daniel S., einem Schweden mit algerischen Wurzeln, der für Epstein offenbar als Rekrutierer arbeitete. „Er sagte, er würde als Modelscout arbeiten und wäre immer auf der Suche nach hübschen Mädchen“, erklärte Micheles Mutter den Journalisten. Ihre Tochter wollte unbedingt eine Karriere als Model.

Die Mutter lernte S. nach einiger Zeit auch selbst kennen. Sie beschrieb ihn in der aktuellen Recherche als „aufgeschlossen und freundlich“, sagte: „Er machte eigentlich einen seriösen Eindruck.“ Doch gegen S., der in den veröffentlichten Dokumenten mehr als 1800 Mal auftaucht, wird inzwischen in Frankreich in mehreren Fällen wegen des Verdachts auf Menschenhandel und Vergewaltigung ermittelt.

Zwei andere Frauen meldeten sich bei den Medien und gaben an, vor mehr als zehn Jahren von S. an Epstein vermittelt worden zu sein. Zwei andere sprachen von Vergewaltigungen und sexuellem Missbrauch durch S. Der bestreitet die Vorwürfe. Auf Anfragen des „Spiegels“ und des ZDF reagierte er nicht. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Zwei ehemalige Assistentinnen Epsteins beteuerten, sie hätten Michele nicht einmal gesehen. Deutsche Ermittler teilten den beiden Medien mit, die junge Frau hätte in dem Zeitraum, in dem die E-Mails zwischen S. und Epstein ausgetauscht wurden, keine Reisen in die USA unternommen.

Polizei: aktive Suche nicht möglich

Micheles Familie meldete die junge Frau im Oktober 2015 als vermisst. Die örtliche Polizei überprüfte daraufhin, ob Michele in einem angrenzenden Bundesland oder in einem Nachbarland aufgegriffen wurde – ohne Ergebnis. Eine aktive Suche sei einem Polizeisprecher zufolge nicht möglich gewesen, weil es keine Hinweise auf eine Straftat gegeben habe.

Noch im Frühjahr 2026 sagte die Polizei dem „Spiegel“ und dem ZDF, eine öffentliche Fahndung nach Michele sei weiterhin nicht geplant. Inzwischen wollen die Behörden prüfen, ob ein Ermittlungsverfahren wegen einer möglichen Straftat eingeleitet werden könne. Ihre Mutter hat die Hoffnung aufgegeben: „Ich denke, dass sie nicht mehr lebt. Dass ihr etwas angetan wurde.“

Jeffrey Epstein war ein verurteilter Sexualstraftäter, der zahlreiche Frauen und auch Minderjährige missbraucht hatte. Er beging 2019 im Gefängnis Suizid.

Quelle: ntv.de, mpa

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