Der Erhalt und die Sanierung des Kölner Doms sind teuer: 44.000 Euro kostet das Wahrzeichen am Tag. Deshalb müssen Besucher ab heute bis zu 12 Euro Eintritt für die Besichtigung zahlen. Der Dom ist eine ewige Baustelle. Manche Projekte der Kölner Dombauhütte werden bis ins Jahr 2070 dauern.
Je näher man dem Kölner Dom kommt, desto mehr fallen Makel an der Kathedrale ins Auge: fehlende Skulpturen, Dellen in den Steinen und die Verwitterung der letzten Jahrhunderte. So perfekt der Dom für die Kölner von weitem aussieht – sein Zustand ist alles andere als perfekt.
Zum Teil haben Soldaten im Krieg auch mit Gewehren auf die Skulpturen geschossen, die Köpfe abgeschossen.
Peter Füssenich, Dombaumeister
Bei einem Rundgang durch den Kölner Dom zeigt Dombaumeister Peter Füssenich an einigen Beispielen, wie viel Arbeit im Erhalt und der Sanierung des Kölner Doms steckt. Und warum der Kölner Dom wegen der hohen Kosten ein Eintrittsgeld eingeführt hat. „Man sieht auch noch Gewehrspuren“, sagt Dombaumeister Peter Füssenich und zeigt auf die Fassade der Nordseite, gegenüber des Hauptbahnhofs.
Dombaumeister Peter Füssenich neben einer fast fertigen Skulptur vom heiligen Alban von Mainz.
Und die Reparaturen gehen ins Geld. Für einzelne Skulpturen nennt Füssenich je nach Detailgrad 50.000 bis 100.000 Euro pro Figur. Der Aufwand ist hoch, weil beschädigte Teile möglichst passgenau ergänzt werden sollen und eine Bildhauerin oder ein Bildhauer lange daran arbeitet. Die Restaurierung einer Skulptur kann schnell mehr als ein Jahr dauern.
Auf der Nordseite hebt sich der helle Stein des rekonstruierten Baldachins von den anderen ab.
Auch augenscheinlich kleine Reparaturen sind aufwendiger als viele denken, sagt Füssenich. Über den Figuren an den Portalen befinden sich steinerne Baldachine – wie eine Bekrönung über den Kunstwerken. Ein einzelner Baldachin bedeutet circa ein- bis anderthalb Jahre Arbeit. Alles ist Handarbeit.
Auf die Frage, ob man Figuren oder Statuen nicht durch günstigere Alternativen ersetzen kann, hat Füssenich eine klare Antwort: „Wir werden sicher keine Kunststoff- oder Plastik-Skulpturen in den Dom stellen. Wir sind dem Original verpflichtet.“
Die Finanzierung des Kölner Doms
Der Jahresbericht für 2025 soll erst in Kürze veröffentlicht werden. Klar ist aber jetzt schon: Im Jahr 2025 hat die Sanierung des Kölner Doms rund 16 Millionen Euro gekostet, also im Durchschnitt rund 44.000 Euro pro Tag. Die Dombauhütte geht davon aus, dass die Kosten in den nächsten Jahren weiter steigen werden.
So haben sich die Kosten im Vorjahr 2024 verteilt:
Unterm Strich haben dem Kölner Dom im Jahr 2024 rund 240.000 Euro gefehlt, um seine Kosten zu decken. Der Betrag wurde aus der Ausgleichsrücklage entnommen.
Domfenster in jahrelanger Handarbeit gebaut
Direkt an der Rückseite des Doms befindet sich die Dombauhütte mit den Werkstätten. Die hauseigene Glaserei erreicht Peter Füssenich über einen langen Flur. Hier werden die historischen Fenster restauriert und auch neue gebaut, unter anderem von Glaser Sascha Aretz.
Glaser Sascha Aretz setzt ein Fensterfeld zusammen.
„So ein kleines Feld hier besteht aus 500 Einzelteilen, später wird es zu dem großen Fenster zusammengesetzt“, sagt er. „Man baut sich hier ein eigenes Puzzle.“ In diesem Jahr erst wurde das neue Helena-Fenster fertiggestellt – rund 500.000 bis 600.000 Euro hat das gekostet. Mehr als drei Jahre haben fünf Mitarbeiter daran gearbeitet.
Im südlichen Querschiff wurde das neue Helena-Fenster eingesetzt.
Sie beschäftigen sich auch mit Rekonstruktionen, der Steinrestaurierung und Arbeiten am Fensterumfeld im Dom. Das neue Helena-Fenster wurde komplett durch Spenden finanziert, die auch im Haushaltsplan auftauchen. „Viele Leute haben gar keine Vorstellung, was das überhaupt handwerklich bedeutet, wenn man einfach den Dom sieht“, sagt Füssenich.
Sanierung der Domplatte fällt ins Budget
Auch der Erhalt der Domplatte, auf der die Kathedrale steht, verursacht hohe Kosten. Unter der Domplatte befinden sich die hauseigenen Werkstätten der Dombauhütte. Eine erste Sanierung des Deckenbereichs bei der Dombauhütte hat laut Füssenich über sechs Millionen Euro gekostet. Für einen weiteren kleinen Deckenbereich rechnet die Bauhütte mit rund zwei Millionen Euro, die auf die Domkasse zukommen.
Die Schäden auf der Unterseite der Domplatte sind deutlich zu sehen.
Dass die Kosten für solche Projekte immer weiter steigen, merkt auch der Zentral-Dombau-Verein (ZDV). Der Verein finanziert rund 60 Prozent der Instandhaltungskosten des Kölner Doms, sagt Rüdiger Fuchs vom ZDV. Sorgen um die zukünftige Finanzierung macht er sich dank der Einführung der neuen Besichtigungsgebühr aber keine: „Wir werden weiter daran arbeiten, die Dombauhütte zu unterstützen.“
Hinzukommt, dass zum Beispiel auch die Personalkosten weiter steigen, aktuell liegen die bei rund sechs Millionen Euro im Jahr. Die Mitarbeiter der Dombauhütte werden nach öffentlichem Tarif bezahlt. „Gute Mitarbeiter kosten dementsprechend“, sagt Füssenich. 85 Mitarbeiter hat die Dombauhütte, zum Beispiel eigene Steinmetze, Glaser und Schreiner.
Großprojekt am Kölner Dom soll fast 50 Jahre dauern
Über den Aufzug an der Nordseite des Doms geht es nach oben. Durch das Dach des nördlichen Querschiffs geht Peter Füssenich durch schmale Gänge, die sich balkonartig öffnen und einen Blick über das gesamte Mittelschiff, also den größten und zentralen Raum im Kölner Dom, geben. Über eine kleine Wendeltreppe geht es durch eine schmale Tür, raus auf die Südseite des Doms. Dort zeigt Füssenich auf das Strebewerk – eins der größten Projekte.
Die Führung der Dombauhütte ist nur eine Aufgabe von Dombaumeister Peter Füssenich.
Die Strebewerke außen am Dom sind statisch wichtig, weil sie Lasten aus den Gewölben ableiten. Die Sanierung läuft Abschnitt für Abschnitt. Bis die Bauhütte am Südturm ankommt, könnte es laut Füssenich noch 45 Jahre dauern, also etwa 2070 werden. In den nächsten Jahren gehe es um einige Millionen Euro.
Ohne diese Stützgerüste, könnte man sie nennen, würde der Dom wie ein Kartenhaus zusammenfallen.
Peter Füssenich, Dombaumeister
Hier zeigt sich besonders deutlich, wie teuer die Sanierung des Doms ist. Deshalb braucht Peter Füssenich für seine Dombauhütte weiterhin Geld. Projekte zu streichen, sei keine Option: „Da kommen wir nicht umhin, das zu tun, weil am Ende ist es ja auch noch eine statische Frage. Und dass der Dom stehen bleiben soll, darüber sind wir uns sicher alle einig.“
Unsere Quellen:
- Führung durch den Kölner Dom mit Dombaumeister Peter Füssenich
- Interview mit Rüdiger Fuchs vom Zentral-Dombau-Verein
- Informationen über den Kölner Dom
Sendung: WDR.de, So teuer ist der Erhalt des Kölner Doms, 01.07.2026, 05:02 Uhr
