Gebrauchte teurer als Neubau Reeder bestellen massenweise neue Öltanker
Mit der Blockade der Straße von Hormus wird die Vermietung von Tankern auf einen Schlag zum äußerst lukrativen Geschäft. Die Schiffe sind deshalb gefragt wie nie.
So viele Bestellungen für Rohöltanker wie derzeit hatten Werften noch nie in ihren Büchern. Das berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf die Beratungsfirma AXS Marine und den Datenanbieter Veson Nautical. Die Ladekapazitäten der bestellten Schiffe sind demnach sogar um die Hälfte höher als beim ersten ähnlich starken Auftragsboom 2008. Grund ist die Blockade der Straße von Hormus, wodurch die Charterraten, also die Mietpreise für die Schiffe, regelrecht explodierten.
Mehr als 600 Öltanker stehen dem Bericht zufolge weltweit in den Auftragsbüchern. Ende 2023 waren es demnach gerade einmal 80 Bestellungen. Neben dem Iran-Krieg spielt bei der extrem gestiegenen Nachfrage die veraltete Flotte eine entscheidende Rolle. „Hohe Frachtraten und die Notwendigkeit, eine zunehmend alternde Flotte zu erneuern, haben die Auftragsvergabe beflügelt“, sagte Filipe Gouveia, Analyst der Schifffahrtsorganisation Bimco, der Zeitung. Allein im ersten Halbjahr wurden laut AXS Marine 261 neue Rohöltanker geordert – im gesamten vergangenen Jahr waren es 185. Bei fast zwei Dritteln der Bestellungen handelt es sich demnach um sogenannte Supertanker, riesige Transportschiffe.
Die Tanker sind aktuell so begehrt, dass gebrauchte, rund fünf Jahre alte Schiffe mit 172 Millionen Dollar sogar mehr kosten als der Neubau eines Supertankers. Denn auf Letztere müssen die Kunden teils mehrere Jahre warten. Nach Angaben des Frachtmanagers Veson Nautical werden derzeit rund 132 Millionen Dollar für einen neuen Tanker der Klasse „Very Large Crude Carriers“ (VLCC) fällig, wie das „Handelsblatt“ ausführt.
Zwischenzeitlich saßen an der Straße von Hormus dem Bericht zufolge fast neun Prozent der weltweiten Supertankerflotte fest. Während VLCC-Schiffe vor Beginn des Iran-Kriegs demnach nicht einmal 50.000 Dollar pro Tag kosteten, waren es nach Kriegsbeginn plötzlich bis zu 424.000 Dollar. Noch immer liegen die Preise bei mehr als 100.000 Dollar.
Die Bestellungen kommen laut „Handelsblatt“ aktuell mit großem Abstand aus Griechenland, gefolgt von China und Singapur. Gebaut werden die Tanker zum Großteil in China. Da unklar ist, wann sich die Lage am Persischen Golf entspannt, sind die Aufträge auch eine riskante Wette: Dutzende Schiffe werden demnach erst Ende 2028 ausgeliefert. Zudem soll die weltweite Nachfrage nach fossilen Brennstoffen in den kommenden Jahren sinken. Damit winken nicht nur lukrative Frachtraten – es drohen auch teure Überkapazitäten.
