Marktbericht
Der US-Präsident will erneut die Straße von Hormus blockieren. Nach einem Zehn-Prozent-Sprung gestern klettern die Ölpreise heute weiter. Auch für Finanzprofis wird eine neuer Kriegsausbruch wahrscheinlicher.
In der Golfregion sind die Sorgen über eine neue Eskalation im Iran-Krieg zurück. Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, eine Seeblockade gegen den iranischen Schiffsverkehr zu verhängen und eine Gebühr auf Fracht durch die Straße von Hormus zu erheben, ließ den Ölpreis auf den höchsten Stand seit einem Monat steigen.
Ein Fass der Rohölsorte Brent kostet aktuell rund 87 Dollar, ein Plus von vier Prozent. Allein seit Montag kletterte der Ölpreis damit um mehr als 15 Prozent nach oben. „Jede neue Schlagzeile erhöht die Nervosität und macht die wichtigste Ölroute der Welt wieder zum entscheidenden Risikofaktor für die Finanzmärkte“, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktexperte bei Robomarkets.
Hendrik Leber vom Kapitalverwalter Acatis sagte der ARD-Finanzredaktion zu den jüngsten Entwicklungen: „Das ist ein Ping-Pong, das kein klares Ende hat.“ Donald Trump fehle eine Strategie. Man wisse nicht, was er eigentlich in Iran wolle, so Leber. „Was wir jetzt erleben, ist eher eine Hilflosigkeit.“
In einem Post auf seiner Onlineplattform drohte der US-Präsident mit einer Art Maut auf die gesamte verschiffte Fracht durch die Straße von Hormus in Höhe von 20 Prozent. Die Gebühr soll laut Trump „für sämtliche Kosten entschädigen, die notwendig sind, um für Sicherheit in diesem volatilen Teil der Welt zu sorgen.“ Weitere Details sind bislang offen.
Kritik an den Plänen gibt es von der Weltschifffahrtsorganisation (IMO). Gemäß internationalem Recht müsse die Passage weiterhin zoll- und gebührenfrei bleiben, teilte die UN-Sonderorganisation mit.
Auch der Verband Deutscher Reeder (VDR) betont: „Ein solcher Schritt ist rechtlich unzulässig und würde das System der freien Schifffahrt infrage stellen.“ In einem Bericht der Wirtschaftswoche warnt der Verband vor den Folgen des Tauziehens um die Straße von Hormus. Transportkosten könnten weiter steigen und damit auch die Verbraucherpreise.
Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd verweist auf die Unterschiede zu wichtigen Schifffahrtskanälen. Gebühren für Infrastrukturen wie den Suezkanal oder den Panamakanal sind etwas anderes, da sie große Investitionen widerspiegelten. Das sei bei der Straße von Hormus nicht der Fall. Laut VDR stecken derzeit noch rund 20 Schiffe mit Deutschlandbezug in der Region fest.
Weil sich die Lage im Nahen Osten nahezu täglich ändert, sind auch Prognosen von Finanzprofis schwierig. „Allein schon diese Unsicherheit hat negative wirtschaftliche Folgen, weil sie insbesondere Investitionsentscheidungen erschwert“, sagt Oliver Holtemöller, Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

