30 Minuten Pause?
WM-Finale wird gegen Fußballregeln verstoßen
Die Organisatoren der Fußball-Weltmeisterschaft protzen mit Superlativen. Der Fußball – so scheint es manches Mal – steht nicht mehr im Mittelpunkt. Die angekündigte Superstar-Show in der Halbzeitpause des Finales spricht ebenfalls dafür. Und wird wohl Regeln brechen.
Auf nichts ist mehr Verlass im modernen Fußball. „Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten“ – nein, längst deutlich länger. „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen“ – längst nicht mehr, siehe drittes sehr frühes Ausscheiden bei der WM in Folge. Während dies nur Zitate berühmter Fußball-Legenden sind, wird bei der Weltmeisterschaft 2026 auch eine Regel gebrochen werden.
„Den Spielern steht eine Halbzeitpause von maximal 15 Minuten zu“, heißt es in Regel 7 des International Football Association Board Ifab, den Regelhütern des Fußballs. Doch das wird im WM-Finale im Stadion in East Rutherford bei New York/New Jersey (Sonntag, 21 Uhr/ZDF, MagentaTV und im ntv.de-Liveticker) gar nicht machbar sein. Der Fußball-Weltverband protzt mit einem dermaßenen Aufgebot für die Halbzeitshow – angelehnt an den Super Bowl der NFL – dass davon ausgegangen wird, dass die Pause deutlich länger andauern wird.
Mehr als 25 Minuten wird sie betragen, berichtet etwa die BBC. Quellen der WM-Organisation würden davon ausgehen, dass die normale Pause von 15 Minuten über die Bühne geht, in der die TV-Stationen ihre Analysen tätigen können und dann eine zusätzlich geplante elfminütige Show anschließt. Hinzu kommen noch Auf- und Abbau der Bühne. Laut „The Times“ ist also sogar von 30 Minuten Pause auszugehen, mit dieser Zeit würden auch die Rundfunkorganisationen planen.
Kritik: Lange Pause eine Gefahr für die Spieler
Auftreten werden etwa Shakira, Madonna, Justin Bieber, die K-Pop-Band BTS, Burna Boy, der Dirigent Gustavo Dudamel und ein Schulchor. Inszeniert wird die Show von Chris Martin, dem Frontmann der Band Coldplay. Die FIFA rühmt sich damit, dass die Show Fußball, Musik und soziales Engagement miteinander verbinden soll. Die FIFA will Spenden für Bildungs- und Fußballprojekte sammeln, in einem Fonds sollen 100 Millionen US-Dollar dafür zusammenkommen.
Schon bei der Klub-WM im Vorjahr hatte es eine von Martin inszenierte Show gegeben, die Einlage hatte 24 Minuten gedauert. Kritiker sehen in der langen Pause nicht nur einen Regelverstoß, sondern auch das Problem, dass die Spieler aus dem Rhythmus kommen und zu sehr auskühlen könnten.
So hatte es auch das Ifab argumentiert, als der südamerikanische Verband CONMEBOL im Jahr 2021 vorgeschlagen hatte, die Pause auf 25 Minuten zu verlängern. Damals hieß es, dass sich eine längere Inaktivitätsphase negativ auf das Wohlbefinden und die Sicherheit der Spieler auswirke.
Obwohl CONMEBOL mit dem Antrag nicht durchgekommen war, organisierte der Verband beim Finale der Copa America 2024 dennoch ein 25-minütiges Konzert von Shakira. Das verärgerte damals Kolumbiens Trainer Nestor Lorenzo, der darauf hinwies, dass er und sein Team zuvor im Turnier bestraft worden waren, weil sie eine Minute mehr als die normalen 15 Minuten Pause gemacht hatten.
FIFA-Boss Gianni Infantino scheint die Kritik nicht zu interessieren. Die Halbzeitshow werde „definitiv die größte Bühne aller Zeiten“ sein, sagte er und verwies auf „ein paar Milliarden“ TV-Zuschauer weltweit.
Zusätzlich zur Halbzeitshow wird es ab 90 Minuten vor dem Anpfiff eine Schlussfeier geben. Mit dabei sind etwa Robbie Williams, Nicole Scherzinger und Tom Cruise. Die Organisatoren preisen eine „Hommage an die Begeisterung, die Emotionen und die weltweite Anziehungskraft“ der WM und verweisen auf eine „besondere Darbietung der US-Nationalhymne“.
Mal sehen, ob der Fußball dann überhaupt noch richtig zur Geltung kommt. Spanien buchte seinen Platz im Finale mit dem 2:0-Sieg über Frankreich. Wer der Gegner des Weltmeisters von 2010 sein wird, entscheidet sich am heutigen Mittwochabend im zweiten Halbfinale zwischen England und Argentinien (21 Uhr/ARD, MagentaTV und im ntv.de-Liveticker).
Verwendete Quellen: ntv.de, ara
