Wenige Monate vor den US-Midterms wirft Präsident Trump China eine angebliche Einmischung bei vorherigen Wahlen vor. Nun hat Peking auf die Verbalattacke reagiert – und diese als „kompletten Unsinn“ bezeichnet.
Dass China US-Präsident Donald Trumps massive Vorwürfe zur besten Sendezeit nicht unkommentiert auf sich sitzen lassen würde, war abzusehen. Doch um den Disput nicht allzu hochzuhängen, war es am Sprecher des Außenministeriums in Peking, Lin Jian, sich in seiner täglichen Pressekonferenz gegen Trumps Verbalattacke zu verwahren.
„Die amerikanischen Vorwürfe sind reine Lügenmärchen und böswillige Verunglimpfung, die längst als kompletter Unsinn widerlegt sind. China hat immer das Prinzip der Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Länder eingehalten“, so der Sprecher. Man habe kein Interesse an amerikanischen Präsidentschaftswahlen und habe sich da niemals eingemischt.
China kontert Trumps Anschuldigungen
Trump hatte vergangene Nacht in einer Fernsehansprache behauptet, China sei verantwortlich für den größten Hackerangriff der Geschichte auf amerikanische Wählerdaten. Über 200 Millionen Datensätze von US-Wählern habe China sich über mehrere Jahre hinweg angeeignet.
China konterte Trumps Anschuldigungen, indem es seinerseits behauptete, die internationale Staatengemeinschaft sehe kristallklar, wer wahllos weltweit fremde Regierungen, Unternehmen und normale Bürger ausgespäht habe, wer massenhaft persönliche Daten von Bürgern anderer Staaten gestohlen habe.
Auf die Person Trump ging der Außenamtssprecher nicht ein, obwohl der US-Präsident seine Vorwürfe auch persönlich gemacht hatte: Mit der Behauptung, China habe über Jahre hinweg versucht, seine Wahlerfolge zu verhindern.
Peking fordert die USA zur Selbstreflexion auf
Wie verrückt und aus gutem Grund habe China gekämpft, um seinen Sieg zu verhindern, so Trump. Als Beispiel nannte er seine Zollpolitik. Ohne explizit seine Falschbehauptung zu wiederholen, ihm sei die Präsidentschaftswahl 2020 gestohlen worden, schwang diese widerlegte Behauptung dennoch mit: Trump nannte 2020 als das Jahr, in dem Chinas Einflussnahme angeblich begonnen habe.
Peking konterte mit einem Appell: „Wir fordern die USA auf zu ein wenig Selbstreflexion, ihr unbegründetes Verleumden von China zu unterlassen, China aus ihrem Wahlkampf herauszuhalten und mehr zu tun, was den chinesisch-amerikanischen Beziehungen förderlich ist!“
Rivalen bei KI-Entwicklung
Und während das chinesische Außenministerium den Schlagabtausch mit Trump führte, eröffnete Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Shanghai die World AI Conference – eine internationale Konferenz und Fachmesse zum Thema Künstliche Intelligenz.
Sein Auftritt dort wurde auch als neuerlicher Versuch gewertet, den KI-Vorreiter und Hauptrivalen USA bei dieser Zukunftstechnologie herauszufordern. Gestern unterzeichneten in Shanghai 29 Nationen eine Vereinbarung zur Gründung einer Weltorganisation zur Zusammenarbeit bei Künstlicher Intelligenz (WAICO) mit Sitz in Shanghai.
