FAQ
Der Rapper Danger Dan sollte in der Satiresendung „Die Anstalt“ mit einem Lied zum Widerstand gegen Rechtsextremismus auftreten. Doch das ZDF hat ihn wieder ausgeladen – und einen Streit um die Kunstfreiheit entfacht. Was genau ist passiert?
Was ist vorgefallen?
Der Rapper Danger Dan war zusammen mit dem Pianisten Igor Levit zur 100. Ausgabe der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ eingeladen. Geplant war, dass die Musiker ihren neuen Song „Keine Angst“ präsentieren – ein Stück, in dem es um Widerstand gegen Rechtsextremismus geht. Doch das ZDF sagte den Auftritt kurz vor Aufzeichnung der Jubiläumssendung ab.
Wie begründet das ZDF die Entscheidung?
In einer Stellungnahme des Senders heißt es, der Liedtext könne als Aufruf zu Gewalt verstanden werden. „Ein solcher Aufruf stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF“, so der Sender. Bei der Vorbereitung der Sendung habe man sich intensiv damit beschäftigt, auch die Geschäftsleitung sei beteiligt gewesen.
Letztlich sei man zu der Bewertung gekommen, dass dieser Widerspruch im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance auf der Bühne nicht mehr aufzulösen gewesen wäre. Die Stellungnahme geht nicht darauf ein, auf welche konkreten Zeilen sich die Vorwürfe beziehen. Das ZDF habe sich entschieden, „sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten“.
Was sagt Danger Dan selbst dazu?
Der Künstler machte dem ZDF wegen der Entscheidung schwere Vorwürfe. In einem Statement auf Instagram sprach Danger Dan von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit und unterstellte dem Sender politische Motive: „Natürlich hat dieses Auftrittsverbot einen politischen Hintergrund.“
Später legte er im Nachrichtenmagazin Spiegel nach: Es sei ein „furchtbares Zeichen“, dass ZDF-Intendant Norbert Himmler „anfängt, antifaschistische Lieder zu zensieren“. Den Vorwurf, in dem Lied zu Gewalt aufzurufen, bestreitet er. „Nichts von dem, was ich da erzähle, ist illegal“, sagte er.
Gibt es noch weitere Reaktionen?
Kritik kam auch vom Team der Sendung „Die Anstalt“ selbst, das die Ausladung des Rappers mutlos nannte. „Wir, ‚Die Anstalt‘, distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF“, schrieb das Team um die Moderatoren Claus von Wagner, Max Uthoff und Maike Kühl auf Instagram. Man hätte es „als öffentlich-rechtliche Pflicht gesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren“, hieß es weiter – gerade in Zeiten, in denen rechtsextreme Gewalt wieder stark zunehme.
Mit Unverständnis reagierten auch Fachverbände. Der Deutsche Journalisten-Verband sprach von einem „schwerwiegenden Eingriff in die redaktionelle Freiheit“. Ähnlich äußerte sich Christoph Schmitz-Dethlefsen, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft ver.di: Mit diesem „Eingriff aus Angst vor möglicher Kritik an einer Satire-Sendung“, deren Inhalte sorgfältig vorbereitet und geprüft worden seien, werde der Redaktion und den Künstlern in den Rücken gefallen.
Wovon handelt der Song „Keine Angst“ genau?
Der Song dreht sich im Wesentlichen um den Kampf gegen Nazis und Faschisten. Der Text klingt wie eine Anleitung, wie man sich dafür zusammenschließen und organisieren kann, ohne ins Visier von Rechtsextremisten oder Sicherheitsbehörden zu geraten. „Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras“, heißt es etwa.
Es brauche geheime Kommunikation, es gelte rechte Strukturen zu recherchieren, deren Aktionen zu dokumentieren, Nazis öffentlich bekannt zu machen. „Die seh’n gefährlich aus, aber wir legen sie lang“, singt Danger Dan an anderer Stelle. „Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionieren.“
In einer weiteren Zeile heißt es: „Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk“. Damit dürften die mutmaßliche Linksextremistin Lina E. und drei ihrer Mitstreiter gemeint sein, die 2023 vom Oberlandesgericht Dresden wegen mehrerer Angriffe auf Rechtsextreme zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden.
Wer ist Danger Dan?
Der Rapper, der mit bürgerlichem Namen Daniel Pongratz heißt, gehört zur Band Antilopen Gang. Mit ihr setzt er sich immer wieder gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ein. Vor fünf Jahren sorgte sein Soloalbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ für Aufsehen. Das gleichnamige Lied präsentierte er – schon damals mit Pianist Levit – auch im „ZDF Magazin Royale“ von Jan Böhmermann. In dem Stück griff der Rapper ebenfalls das Thema Faschismus auf. Auch Igor Levit ist für sein Engagement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus bekannt.
