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Politik

Neuer Labour-Chef Andy Burnham: Sein Rezept heißt Regionalisierung

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 17, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Porträt

Stand: 17.07.2026 • 16:59 Uhr

Mehr Geld und Verantwortung für die Regionen: Der künftige britische Premier Burnham will nicht nur in und für London regieren – und damit die Wirtschaft ankurbeln. Die Erwartungen sind groß, aber auch die Herausforderungen.

Christoph Prössl

Andy Burnham hat in den vergangenen Wochen immer wieder eine Idee vorgetragen: Es ist seine Vision, wie er Großbritannien nach vorne bringen will, wie er Wachstum generieren will. Die Regionen sollen gestärkt werden, mehr Macht für lokale Verwaltungen vor allem in den Ballungsräumen.

Griffig formulierte Burnham, dass er deswegen Teile der Administration in der Downing Street nach Manchester verlegen werde: Eine Downing Street No. 10 im Norden – das hat es noch nie gegeben. Auch er selbst werde dort dann nicht ausschließlich, aber doch immer wieder sein.

Er wolle Wachstum in allen Regionen fördern. „In Manchester habe ich bewiesen, wie wir Wachstum schaffen können“, sagte er dem Sender LBC. Das ist Andy Burnhams Geschichte.

Weniger London-zentriert

Der Politiker aus dem Norden, der auch einen leichten nordenglischen Akzent hat, will die Regionen stärken. Eigenverantwortlichkeit für die Politiker vor Ort, mehr Budgetrechte, eigene Steuereinnahmen, so sieht der Plan aus.

Für deutsche Ohren klingt das ungewöhnlich, weil in der Bundesrepublik der Föderalismus stark ist und Steuereinnahmen auch auf kommunaler Ebene abgeschöpft werden. Im Vereinigten Königreich ist das anders. Großbritannien ist extrem zentralisiert. Wenn in der Region eine Großinvestition ansteht, müssen die Politiker in London für die Finanzierung werben.

Es ist bemerkenswert, dass Burnham mit einer solchen nüchternen Vision, die eher mit der Theorie des Staatsaufbaus zu tun hat, Zuhörer gewinnt. Vielleicht auch, weil er so normal klingt, auch selbstkritisch sein kann.

Seine Politiker-Generation habe in zahlreichen Bereichen versagt, formulierte er in einem Interview. Das Land sei nicht dort, wo es stehen müsste. Das Land müsse aufgerichtet werden. Das ist genau das, was viele Menschen empfinden. Burnham verspricht viel – die Erwartungen an ihn sind hoch.

Starmers schneller Absturz als Warnung

Keir Starmer musste erleben, wie schnell die Stimmung im Land sich drehen kann. 2024 erlangte Starmer einen fulminanten Sieg für Labour – zwei Jahre später fegte ihn eine verlorene Regional- und Kommunalwahl aus dem Amt. Von Starmer hatten die Menschen eben auch sehr viel erwartet, doch Reformen – und das dürfte Burnhams Herausforderung sein – brauchen Zeit.

Burnham wird als nahbar wahrgenommen, der nette Nachbar von nebenan. Ganz anders als Keir Starmer, der immer der Anwalt war und als „posh“ galt, als vornehm, aus gutem Hause, obwohl sein Vater Handwerker war.

Burnham hat interessanterweise eine Karriere hingelegt, die durchaus mit „Establishment“ überschrieben werden könnte. Nach dem Studium fing er in einem Abgeordnetenbüro in Westminster an, mit 31 zog er selbst als Volksvertreter ins Parlament ein, wurde später sogar Minister.

Erfolge in Manchester machen ihn glaubhaft

Seit 2017 war er Bürgermeister von Manchester – nachdem er erfolglos für den Parteivorsitz kandidiert hatte. Diesmal hat es also geklappt, Parteivorsitzender ist er schon mal, am Montag dürfte er zum Premier gekürt werden.

Ganz maßgeblich dazu beigetragen haben dürfte seine Erfahrung aus Manchester und die Geschichte regionaler Entwicklung, die er so glaubhaft verkörpert. Maurice Lange, Analyst bei der Denkfabrik Centre for Cities, sagt dazu: „Das ist eine politische Nachricht, in dem Sinn, dass Menschen außerhalb von London sich abgegrenzt fühlen von den Entscheidungen, die in London getroffen werden.“ Mehr Entscheidungen in der Region – dahinter könnten sich eben viele versammeln.

Maurice Lange ist der Ansicht, dass eine weitere Föderalisierung – eine Auslagerung der Macht in die Regionen – für das Wachstum essenziell ist. Und Wachstum ist das wichtigste, was Großbritannien jetzt braucht.

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Dr. Heinrich Krämer
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