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Beschränkte Kapazitäten: Diese Routen führen um die Straße von Hormus herum

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 25, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Beschränkte Kapazitäten Diese Routen führen um die Straße von Hormus herum

25.05.2026, 09:54 Uhr

Von Max Borowski
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Im Hafen von Chor Fakkan ist die Zahl der umgeschlagenen Container um das 25-Fache gestiegen. (Foto: IMAGO/YAY Images)

Die Blockade der Straße von Hormus schneidet die Weltwirtschaft von wichtigen Rohstoffen, vor allem von großen Mengen Öl und Gas, ab. Ganz alternativlos als Transportweg ist die Meerenge allerdings nicht.

Seit fast drei Monaten ist die Straße von Hormus blockiert. Damit ist der einzige Seeweg in den Persischen Golf blockiert und die Weltwirtschaft von einigen der wichtigsten Rohstofflieferanten abgeschnitten. Alternativrouten sind rar. Jahrzehntelang konnten sich die Produzenten von Öl, Gas und anderen Gütern darauf verlassen, ihre Ware selbst im Fall von Spannungen und Krieg in der Region durch die Meerenge transportieren zu können. Die begrenzten Ausweichmöglichkeiten, die es gibt, sind nun umso wichtiger. Ein Überblick:

Saudische Ost-West-Pipeline

Die als Petroline bekannte Rohölleitung führt vom Ölfeld Abqaiq im Osten Saudi-Arabiens, nahe der Golfküste, mehr als 1000 Kilometer quer durch die Arabische Halbinsel über das Hedschas-Gebirge zum Hafen Yanbu am Roten Meer. Bis zum Beginn des Iran-Kriegs flossen rund fünf Millionen Fass Öl durch sie. Nach Beginn der Blockade der Straße von Hormus erhöhte Saudi-Arabien diese Menge nach eigenen Angaben um etwa eine Million Fass zusätzlich. Allerdings wird dieses Öl nur zum Teil exportiert, eine erhebliche Menge wird an Raffinerien im Inland geleitet, die Kraftstoff und andere Ölprodukte sowohl für den heimischen, als auch den Weltmarkt produzieren.

Die Petroline ist die mit Abstand leistungsstärkste Alternativroute für Öl zur Straße von Hormus. Doch auch sie reicht nicht aus, um die saudischen Ölexporte auf dem Vorkriegsniveau zu halten. Schätzungen zufolge werden in Yanbu seit Kriegsbeginn knapp vier Millionen Fass Öl täglich auf Schiffe verladen.

Abu-Dhabi-Pipeline

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen über eine Pipeline, die einen Teil ihrer Ölproduktion an der Straße von Hormus vorbeileiten kann. Sie führt vom Habschan-Ölfeld im Emirat Abu Dhabi nach Fudschaira am Golf von Oman. Berichten zufolge das transportiert die Pipeline derzeit 1,5 bis 1,8 Millionen Fass Rohöl pro Tag. Das ist mehr als die Hälfte der Menge, die die Emirate vor dem Krieg im Durchschnitt exportierten. Derzeit ist eine weitere, parallele Pipeline im Bau, deren Fertigstellung nun beschleunigt werden soll. Den Plänen zufolge soll sie ebenfalls eine Kapazität von 1,8 Millionen Fass täglich haben und 2027 in Betrieb gehen. Da die Emirate auch ihren Ölexport steigern wollen, werden sie allerdings weiter auch auf die Straße von Hormus angewiesen sein. Das gilt auch für verarbeitete Ölprodukte wie Kraftstoffe, die einen bedeutenden Teil der Exporte der Emirate ausmachen.

Irak-Türkei-Pipeline

Seit Jahrzehnten war die Pipeline vom Krikuk im Irak zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen und politischen Streits zwischen der irakischen Regierung, der kurdischen Regierung im Nordirak und der Türkei kaum oder gar nicht nutzbar. In den vergangenen Monaten flossen Berichten zufolge immerhin 150.000 bis 200.000 Fass Öl täglich durch die Leitung. Ein Bruchteil der Menge von mehr als drei Millionen Fass, die der Irak vor der Sperrung der Straße von Hormus über seine Ölhäfen an der Küste des Persischen Golfs exportierte. Eine weitere Ölpipeline von Kirkuk an die syrische Mittelmeerküste ist schon seit mehr als 20 Jahren nicht mehr in Betrieb. Pläne diese Leitung endlich zu reparieren, werden seit Kriegsbeginn wieder einmal diskutiert. Eine schnelle Lösung zeichnet sich aber nicht ab.

Iranische Pipeline Goreh-Jask

Seit 2021 verfügt auch der Iran offiziell mit der Pipeline über eine Ausweich-Pipeline für sein Rohöl an der Straße von Hormus vorbei. Eine Kapazität von einer Million Fass soll die 1000 Kilometer lange Leitung parallel zur Küste nördlich der Meerenge haben. Doch dieses Volumen hat sie in den vergangenen Wochen und Monaten wegen technischer Probleme offenbar bei Weitem nicht erreicht. Offiziellen Medien zufolge wurden höchstens 300.000 Fass pro Tag transportiert.

Saudische „Land-Brücke“

Rund 1400 Kilometer – großteils Wüste und Gebirge – liegen zwischen Saudi-Arabiens größten Hafen am Roten Meer, Dschidda, und den Hafenstädten am Persischen Golf. Das Königreich hat in den vergangenen Jahren Milliarden in die sogenannte „Landbrücke“, das Schienen- und Straßennetz zwischen seinen Ost- und Westküsten investiert. Seit Beginn des Iran-Kriegs werden diese nicht nur in einem bisher nie gesehenen Ausmaß vor allem für Containertransporte von und nach Saudi-Arabien genutzt, sondern auch in die Nachbarstaaten Bahrain und Katar, die selbst über keinen Zugang zu einem anderen Meer als dem blockierten Persischen Golf verfügen. Berichten zufolge ist die Zahl der an den saudischen Häfen am Roten Meer abgefertigten Container seit Kriegsbeginn um 250.000 Stück pro Monat gestiegen. Ein weiterer Ausbau dieser und anderer Transportrouten über Land ist kaum noch möglich. Die Kapazität an Lkw und Fahrer ist nahezu ausgeschöpft, die Preise für Containertransporte sind Berichten zufolge bereits stark gestiegen.

Containerhafen Chor Fakkan

Während die Vereinigten Arabischen Emirate den Hafen von Fudschaira an ihrer Ostküste nutzen, um Rohöl um die Straße von Hormus herumzuleiten, erfüllt der Chor Fakkan diese Funktion für Containertransporte. Vor dem Krieg wickelten die Emirate ihre Containerein- und Ausfuhren nahezu ausschließlich über ihre Häfen an der Küste des Persischen Golf ab. Allein in Dschabal Ali, einem der größten Containerhäfen der Welt, in Dubai, waren es mehrere Hunderttausend Standardcontainer pro Woche. In Chur Fakkan an der Ostküste der Emirate am Golf von Oman wurden dagegen etwa 2000 Container pro Woche umgeschlagen. Dieses Verhältnis hat sich dramatisch umgekehrt. Während die Häfen am Persischen Golf von den Weltmeeren abgeschnitten und damit lahmgelegt sind, stieg die Zahl der Containerabfertigungen in Chur Fakkan auf einen Schlag auf rund 50.000 pro Woche.

Türkisch-irakische „Development Road“

Das Projekt „Development Road“ (Entwicklungsstraße) von der Golfküste durch den Irak in die Türkei und weiter bis nach Mitteleuropa, ist bisher noch im Planungsstadium. Weder Schienen- noch Autobahnabschnitte, die die Transportdauer von bislang mehreren Wochen auf einige Tage verkürzen sollen, existieren bisher. Immerhin ist der Irak im vergangenen Jahr dem Internationalen Straßentransportsystem TIR beigetreten, sodass Lkw-Transporte durch das Land ohne aufwendige Zollabfertigungen nun bereits etwas schneller möglich sind. Berichten zufolge wird diese Straßenroute seit Kriegsbeginn verstärkt genutzt. Die Kapazität der Infrastruktur ist allerdings begrenzt.

Quelle: ntv.de

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