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Startseite»Politik»Einheimische Hülsenfrüchte: Wie die Ackerbohne zum Superfood wird
Politik

Einheimische Hülsenfrüchte: Wie die Ackerbohne zum Superfood wird

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 5, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 05.05.2026 • 05:32 Uhr

Ackerbohnen gelten als heimische Soja-Alternative, starker Eiweißlieferant und sorgen obendrein noch für einen guten Boden. Sie haben aber einen Schönheitsfehler: Sie sind oft nicht winterhart. Bis jetzt.

Es gibt Dinge, die würde man in einem Brot durchaus erwarten: Mehl, Salz, Sauerteig, vielleicht Walnüsse. Betina Louis schwärmt für ihr Brot, das nicht nur Leinsamen enthält, sondern auch fein geschrotete Ackerbohne. Für Louis, Brotsommelière beim mittelständischen Bäckereibetrieb Gilgen’s in Hennef, ist das keine exotische Rarität, sondern eine folgerichtige Entwicklung.

„Bei uns in der Bäckerei haben wir die Sojabohne rausgeholt, weil sie nicht regional ist. Zu Weizen, Roggen, die wir regional bekommen, passt hervorragend eine Hülsenfrucht wie die Ackerbohne, die viel Eiweiß mitbringt, wenig Fett, also ein gesundes Nahrungsmittel ist.“ Für Betina Louis ist ein Brot mit Ackerbohnen durchaus die gesündere Alternative zum Proteinriegel aus dem Supermarkt.

Die heimische Hülsenfrucht, im Fachbotanischen heißt diese Familie Leguminosen, trägt übrigens verschiedenste Trivialnamen: Ackerbohne, Puffbohne, Fababohne, Viehbohne, Dicke Bohne und Saubohne sind nur einige. Was die Namen kaum verraten: Für Landwirtschaft und Ökosysteme ist sie eine Win-Win-Situation.

Es profitieren Mensch, Landwirtschaft und Ökosysteme

Die Ackerbohne wächst und gedeiht ohne Stickstoffdüngung und lockert nebenbei den Boden, was wiederum der Wasserspeicherung zuträglich ist. Ernterückstände lassen sich zudem gut in den Boden einarbeiten und unterstützen den Humusaufbau, was auch den Organismen im Untergrund recht ist.

„Das ist ein Kraftwerk im Boden, weil das, was von der Wurzel im Boden übrig bleibt, der Folgefrucht, wenn wir jetzt hier Weizen oder Dinkel anbauen, auch wieder zur Verfügung steht“, erklärt der rheinische Ackerbohnen-Landwirt Karl-Adolf-Krämer, der die Zutat für Betina Louis‘ Brot liefert. „Das können aber nur Leguminosen – Erbsen, Sojabohnen, Ackerbohnen und Lupinen.“

Bohnenpflanzen machen sich aber nicht nur in der Fruchtfolge, sondern auch direkt nebeneinander mit anderen Feldgewächsen gut. Denn vom Stickstoff, den Bohnen speichern, profitieren auch andere Pflanzen. So kann auf dem Acker ein kleines Ökosystem entstehen, bei dem eine Hand die andere wäscht – denn die Bohnen profitieren wiederum davon, dass Getreide das Unkrautwachstum eindämmen kann.

Ackerbohnen tragen aber nicht nur zur biologischen Vielfalt bei, sondern auch zu der auf dem Speiseplan. „Ich habe schon Brotaufstrich mit Ackerbodenprotein gegessen. Das hat sehr gut geschmeckt“, berichtet Martin Mascher. Er ist Biologe und erforscht am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben das Erbgut von Kulturpflanzen, eben beispielsweise der Ackerbohne, die mit einem Schönheitsfehler daherkommt. Die meisten in Deutschland angebauten Sorten sind nicht winterhart.

Die Winter-Ackerbohne ist die Ackerbohne 2.0

Dabei legen Sorten, die sich schon im Winter aussäen lassen, bei den Superkräften noch einen drauf, erklärt Mascher. „Sie nutzen die Winterfeuchte besser, starten früher ins Wachstum und bringen dadurch oft höhere und stabilere Erträge.“ Das Forschungsteam, zu dem er gehört, hat herausgefunden, wie sich Winter- und Sommersorten im Erbgut unterscheiden. Und dabei eine doch recht verblüffende Entdeckung gemacht: Ob eine Pflanze winterhart ist oder nicht, entscheidet sich wohl nur an einem einzigen Allel, also der Variante eines Gens.

„Dieses Allel wirkt wie ein Schalter für das Kältenotfallprogramm der Pflanze. Es hilft ihr, sich rechtzeitig auf Frost einzustellen.“ In der Züchtung lässt sich damit die Winterhärte wie ein Lichtschalter anknipsen. Dass solche angeknipsten Sorten attraktiv sind, zeigt sich noch an anderer Stelle: Sie bringen stabilere Erträge, sagt Mascher. „Stabiler Ertrag heißt, nicht nur in einem idealen Jahr gut, sondern dann auch zuverlässig Ertrag bringen, wenn die Bedingungen schwierig sind, zum Beispiel durch Trockenstress oder Hitzestress.“ Vor dem Hintergrund des Klimawandels, Dürren und Extremwetterperioden eine Eigenschaft, die für die Ernährungssicherheit nicht unwichtig ist.

Gibt es bald deutlich mehr winterharte Ackerbohnensorten?

Künftig lassen sich solche Sorten also nicht nur durch konventionelle Züchtung erreichen. Ein Fortschritt, denn die ist ein langjähriges Prozedere, immer auch mit ein bisschen Zufall auf dem Feld. Dadurch, dass die Forschung weiß, wo der Schalter sitzt, kann dieser Prozess durch Genom-Editierung deutlich beschleunigt werden. Genom-Editierung ist dabei nicht mit der konventionellen Gentechnik zu verwechseln, sondern tut das, was auch bei der althergebrachten Züchtung passiert – nur eben gezielter und schneller, unter Zuhilfename der Genschere Crispr/Cas.

Ganz so einfach, wie es klingt, ist es dann aber doch nicht, räumt Martin Mascher ein. „Auf Seite der Genetik und Züchtung müssen wir jetzt erstmal die Vorarbeit leisten, winterharte Ackerbohnen zu züchten, die ertragsstabil sind und auch Krankheitsresistenzen mitbringen.“ Der Biologe dämpft die Erwartungen, dass in Kürze viele neue winterharte Ackerbohnensorten den Saatgutmarkt stürmen. „Wir brauchen nicht nur Winterhärte als isoliertes Merkmal, sondern müssen ein Gesamtpaket schaffen, das dann auch für die Landwirte attraktiv ist.“

Trotzdem ist anzunehmen, dass künftig viel mehr Sorten schon zeitig im Jahr sprießen können. Und früh sprießen bedeutet auch früh blühen. Über die frühe Verfügbarkeit von Pollen und Nektar freuen sich zum Beispiel Hummeln. Und über die Ernte dann schließlich die Brotsommeliers.

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