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Startseite»Nachrichten»Einigkeit gibt’s nur gegen DFB: Uli Hoeneß kocht: FC-Bayern-Fans und VfB-Anhänger haben gemeinsamen Feind
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Einigkeit gibt’s nur gegen DFB: Uli Hoeneß kocht: FC-Bayern-Fans und VfB-Anhänger haben gemeinsamen Feind

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 25, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Einigkeit gibt’s nur gegen DFBUli Hoeneß kocht: FC-Bayern-Fans und VfB-Anhänger haben gemeinsamen Feind

24.05.2026, 06:24 Uhr Von Anja Rau, Berlin
BAU-Berlin-Fussball-DFB-Pokal-Finale-2026-FC-Bayern-Muenchen-vs
Wo geht’s hier zum Spiel? Das ist für ein paar Minuten fraglich. (Foto: picture alliance / Pressefoto Baumann/Michael Treut)

Dichter Rauch unterbricht das DFB-Pokalfinale für einige Minuten. Verursacht durch eine konzertierte Aktion der Fanlager auf beiden Seiten. Einmal herrscht im Berliner Olympiastadion an diesem Abend Einigkeit. Denn Stuttgarter und Münchner verbünden sich gegen den DFB.

Das Banner, es wanderte immer weiter. Von den Händen der weiß gekleideten Fans in die Hände derjenigen mit den roten Trikots. Zwei gegnerische Fanlager, aber ungewöhnliche Einigkeit. Und das im Finale des DFB-Pokals zwischen dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart (3:0). Benannt: der gemeinsame „Feind“. Der Deutsche Fußball-Bund. „Kläger, Richter, Henker“ war unter dem rot durchgestrichenen Logo des DFB zu lesen. Dazu in der Kurve des FC Bayern verschiedene Banner mit Vorwürfen gegen den Verband und auf beiden Seiten gleichlautende Spruchbänder: „Große Rivalen sind sich einig.“ Es geht um fragwürdige Urteile des Verbands bei Vergehen von Fans, es geht um vermeintlichen Populismus bei Verschärfungen von Stadionverbotsrichtlinien, es geht um überhöhte Ticketpreise.

Hinzu kam auf beiden Seiten großer Einsatz von Pyrotechnik. Während vorher nur vereinzelt Bengalos brannten, gehörte dies zur gemeinsamen Inszenierung. Weiß und Rot in der Stuttgarter Kurve, rein Rot auf der Seite des FC Bayern. Unmittelbar nach dem 1:0-Führungstreffer von Harry Kane (55.) wurde die Rauchentwicklung immens und zog sich über Minuten so hin, dass Schiedsrichter Sven Jablonski die Partie unterbrechen musste. Zu wenig Sicht, vor allem für die Kameras und die VAR-Technik.

Keine Sicht im Berliner Olympiastadion? Eigentlich doch etwas für die Fußball-Nostalgiker. Am 23. November 1999 war es Nebel und wesentlich undurchsichtiger gewesen – im Champions-League-Spiel von Hertha BSC gegen den FC Barcelona. Damals war es freilich ein Wetterphänomen, das die Sicht verhinderte, kein künstlich erzeugter Rauch. Damals gab es aber auch noch nicht so viel Technik.

Auch Bayern-Fans werden bestickert

Für den DFB jedenfalls war es zu viel der Aufregung. „Wir freuen uns über eine lebendige Fankultur. Diese darf aber nicht dazu führen, dass die Kurven über Spielunterbrechungen oder gar -abbrüche entscheiden“, hieß es vom Verband. Per Lautsprecherdurchsage wurden Asthmatiker und weitere Personen mit Atem- oder Augenproblemen aufgefordert, sich bei den Sanitätern zu melden.

Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß verurteilte die Aktion mit heftiger Schärfe. „Die Vereine, der DFB und die Politik müssen hart durchgreifen, dass solche Unverschämtheiten nicht mehr passieren“, sagte er bei Sky. Und: „Das ist typisch in unserer Gesellschaft, dass es immer nur in eine Richtung geht. Dabei hat sich der DFB gar nichts zuschulden kommen lasse“, polterte er. Stuttgarts Vorstandsboss Alexander Wehrle nahm es dagegen viel gelassener. Er hätte sich zwar gewünscht, dass es nicht auf Kosten des Spielflusses geht, sehe es aber nicht so, „dass man ein ganzes Spiel kapert“. Im Vordergrund stehe für ihn, wie großartig die Fans seinen Klub unterstützt haben.

Es ist ein Fazit, das zum mehrheitlich gesitteten Umgang miteinander passt. In der S-Bahn war es schon losgegangen. Da wurde von den in Überzahl anwesenden Stuttgartern gefrotzelt, weil die Fans des FC Bayern doch darauf hingewiesen worden waren, dass sie die U-Bahn zum Berliner Olympiastadion zu nehmen hätten – so wie es die Anweisungen der Organisatoren des DFB-Pokals besagten, um die Fan-Gruppen schon bei der Anreise zu trennen. Es hielten sich nicht alle dran. Da sangen die VfB-Fans das obligatorische „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“. Da wurden beim Aussteigen im Gedränge einigen Bayern-Fans Sticker des VfB Stuttgart auf das Trikot geklebt. Es wurde alles mit einem Grinsen abgetan. Einige wünschten sich gegenseitig ein gutes Spiel. Das würde kein Hass-Duell um den DFB-Pokal werden zwischen dem Vorjahressieger und dem Rekordsieger.

Pokal-Premiere für Kane und Kompany

Auf den Tribünen dann wurde es deutlicher – trotz der gleichen Farben, die der DFB zur Dekoration der Fankurven nutzte oder vielmehr nutzen musste. Weiß-rot für die Stuttgarter, rot-weiß für die Bayern. Aber die Kurve der Schwaben leuchtete weiß, die der Münchner rot. In den Farben zwar einig – und natürlich doch getrennt. Der „Stern des Südens“ wurde von den Stuttgartern versucht zu übertönen, aber die Lautsprecheranlage im Olympiastadion ist gewaltig. Ein Banner mit alles andere als freundlich gemeinten Grüßen an den Gegner und auch Hertha BSC, in dessen Heimstadion das Pokalfinale bekanntlich ausgetragen wird, war ebenfalls kurzzeitig zu sehen.

Die Konzentration aber lag darauf, das eigene Team zu unterstützen. Nicht, den Gegner niederzumachen. Das aber mit aller Stimmgewalt, von beiden Seiten schallte es ununterbrochen, schon weit vor Beginn. Es hat schon stimmungsärmere Finals gegeben. Während die Bayern das Münchner Kindl mit Zigarette im Mund, Bayern-Schal um den Hals und Pokal in der Hand vor dem Anpfiff hochzogen, hatten bei den Stuttgartern wie schon im Vorjahr ebenfalls der Lokalkolorit das Sagen: Äffle und Pferdle gab es zu sehen – die doch inzwischen jeder in Deutschland kenne, so Wehrle nicht ohne Stolz. Die beiden schwäbischen Originale waren gebettet im Liegestuhl auf einer Insel, das Fernrohr in der Hand. Darüber die Worte „I glaub, i sieh dobbelt“ als Anspielung auf die mögliche Titelverteidigung.

Und was sie zu sehen bekamen, machte eine Titelverteidigung nicht unmöglich. 60 Minuten lang hätten sie gut gespielt, waren sich die Stuttgarter Deniz Undav und Angelo Stiller in der Mixed Zone nach dem Spiel einig. Dann aber machte der FC Bayern FC-Bayern-Dinge. Oder besser gesagt: Harry Kane machte Harry-Kane-Dinge. Nämlich einen Dreierpack (55., 80., 90.+2). Der englische Nationalmannschaftskapitän war bis dahin wenig in Erscheinung getreten, war so manches Mal an der Mittellinie umhergeschlurft. Dann aber schlug er per Flugkopfball aus kurzer Distanz zu. Er legte nach Doppelpass mit Luis Diaz nach. Und dann auch noch per Elfmeter, durch ein Handspiel von Stiller verursacht.

Vier Stuttgarter reisen zum DFB-Team

Die rote Seite des Stadions feierte. Natürlich. Pokalsieger, erstmals seit sechs Jahren wieder. Premiere für Kane selbst, Premiere auch für seinen Trainer Vincent Kompany. Es war aus Sicht der Münchner eine unanständig lange Zeit, die der Pokal nicht in der bayerischen Landeshauptstadt stand.

Die Bayern-Spieler liefen in die Kurve, auch Manuel Neuer konnte trotz verletzter Wade mitrennen, und schickte den kurz vor Schluss eingewechselten Leon Goretzka nun wirklich ein letztes Mal zu den Fans zum Feiern. Sie ließen sich alle bejubeln, liefen weiter Richtung Gegengerade, wurden dort ebenfalls freudig empfangen. Bilder, wie sie von Siegern typisch sind. Freude, Ausgelassenheit, Spaß, viele Umarmungen.

Die völlige Eskalation blieb auf der anderen Seite des Stadions aus. Doch die Stuttgarter Anhänger waren nicht wesentlich leiser. Sie hatten ihren Stars nicht viel vorzuwerfen. „Es gibt Schlimmeres als ein Finale gegen die Bayern zu verlieren“, sprach Undav sicherlich den meisten aus dem Herzen. Und so verabschiedeten die Stuttgarter ihr Team mit Applaus und Einigkeit in die Sommerpause. Und Undav, Stiller, Jamie Leweling und Torhüter Alexander Nübel eben zum DFB und zur Weltmeisterschaft. Zu jenem Verband, der an diesem Abend unfreiwillig die größte Einigkeit im Stadion ausgelöst hatte.

Quelle: ntv.de

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