Der Nachkomme von Holocaust-Überlebenden trete trotz wachsender Widerstände unermüdlich für Menschenrechte ein: Der französisch-britische Jurist Philippe Sands bekommt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Der französisch-britische Völkerrechtler und Schriftsteller Philippe Sands wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt. Als eine der wichtigsten intellektuellen Stimmen unserer Zeit setze Sands sich für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche Verteidigung des Völkerrechts ein, hieß es zur Begründung vom Stiftungsrat des Friedenspreises.
Sands sei weit mehr als ein Chronist völkerrechtlicher Missstände und Verbrechen. Er habe ein literarisches Werk vorgelegt, das sowohl das Leid der Opfer als auch die Motive der Täter zeige. Der Nachkomme von Holocaustüberlebenden zeige entlang der eigenen Familiengeschichte, wie das Völkerrecht entstanden sei und welche Erfahrungen hinter den Tatbeständen ‚Genozid‘ und ‚Verbrechen gegen die Menschlichkeit‘ stünden, so der Stiftungsrat weiter.
Strafverfahren als literarische Grundlage
Philippe Sands wurde 1960 in London geboren. Er ist Professor für Internationales Recht am University College London sowie Gastprofessor an der Harvard Law School. Darüber hinaus arbeitet er am Internationalen Gerichtshof in Den Haag und war an bedeutenden Verfahren des internationalen Rechts beteiligt.
So engagierte er sich unter anderem im Konflikt zwischen Georgien und Russland oder im Streit um die israelische Besetzung des Westjordanlands. Darüber hinaus wirkte er im Verfahren über Verbrechen des Militärs in Myanmar an der muslimischen Minderheit der Rohingya mit.
Neben der Veröffentlichung juristischer Fachliteratur ist Sands seit 2016 auch als literarischer Sachbuchautor tätig. Sein Buch „Rückkehr nach Lemberg“ erzählt von der Verfolgung und Ermordung jüdischer Menschen in der heute ukrainischen Stadt Lwiw während der deutschen Besatzung.
„Die Verschwundenen von Londres 38“ thematisiert das Verfahren gegen Chiles Diktator Augusto Pinochet. In dem Buch geht es unter anderem um die Frage, ob ein früherer Staatschef sich auf Immunität berufen kann, wenn ihm Folter und andere schwere Menschenrechtsverbrechen vorgeworfen werden. Auch an diesem Fall war Sands in Den Haag beteiligt.
Preisverleihung am 11. Oktober
Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert. Gewürdigt werden damit Persönlichkeiten, die in Literatur, Wissenschaft oder Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen haben. Die Auszeichnung wird traditionell am letzten Tag der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche verliehen – dieses Jahr am 11. Oktober.
