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Startseite»Nachrichten»Hitlergruß-Arme verschwinden: Röntgenlicht entlarvt versteckte Nazi-Symbolik auf Kunstwerk
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Hitlergruß-Arme verschwinden: Röntgenlicht entlarvt versteckte Nazi-Symbolik auf Kunstwerk

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 9, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Hitlergruß-Arme verschwindenRöntgenlicht entlarvt versteckte Nazi-Symbolik auf Kunstwerk

Das Gemälde links zeigt die wehende bayerische Flagge. Die Röntgenanalyse (Quadrat in der Mitte) zeigt, wo Bereiche unter anderem mit Titanweiß übermalt wurden. Rechtes Bild: Falschfarbendarstellung des rekonstruierten Gemäldes mit Denkmal und Nazi-Flagge. (Foto: npj Heritage Science (2026))

Ein anscheinend harmloses Hochzeitsgeschenk entpuppt sich als historisches Dokument. Nun zeigt eine Analyse mit Röntgenlicht, was sich unter der Oberfläche verbirgt: eine Szene aus der NS-Zeit. Die Spuren deuten auf den Künstler selbst.

Auf den ersten Blick wirkt das Gemälde von der Münchner Feldherrnhalle unauffällig: Erst mit einem speziellen Röntgen-Verfahren ist es einem Forscherteam gelungen, übermalte Nazi-Symbole auf einem Bild des Münchner Malers Erich Mercker (1891 bis 1973) zum Vorschein zu bringen. Mercker war zu seiner Zeit ein gefragter Künstler und hatte zwischen 1933 und 1945 auch Bilder gemalt, die NS-Symbolik enthielten – wie auch das Werk mit dem Titel „Die Stätte des 9. November“.

Um in das Bild zu blicken, ohne es zu beschädigen, nutzten die Forscher um die Physikerin Ioanna Mantouvalou vom Helmholtz-Zentrum Berlin ein Verfahren namens Röntgenfluoreszenz. Dabei wird das Gemälde mit Röntgenlicht bestrahlt. Jedes chemische Element antwortet darauf auf seine eigene Weise – so lässt sich erkennen, welche Farben verwendet wurden, und zwar auch einige Millimeter unter der obersten Schicht, heißt es in einer Mitteilung des Berliner Helmholtz-Zentrums.

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Im Bereich des Mahnmals zeigt die sichtbare Version (links) des Gemäldes eine einfache Wand mit Passantin. Die Röntgenfluoreszenzanalyse macht Kränze, zwei Wachsoldaten und einen gehobenen Arm in verschiedenen Elementverteilungen sichtbar (rechts). (Foto: npj Heritage Science (2026))

Das Ergebnis war eindeutig: Unter einer blau-weißen bayerischen Fahne verbarg sich eine rote Hakenkreuzfahne. Außerdem hatte der Maler Kränze, Soldaten und zwei zum Hitlergruß erhobene Arme von Passanten übermalt. Hintergrund: Während der NS-Zeit waren an der Seitenwand der Münchner Feldherrnhalle eine Gedenktafel und Kränze angebracht, vor denen Soldaten Wache standen. Damit erinnerten die Nationalsozialisten an ihren gescheiterten Putschversuch von 1923. Wer dort vorbeiging, musste den Hitlergruß zeigen.

Ungenauigkeit brachte Sache ins Rollen

Ins Rollen kam die Sache durch einen Zufall. Der Filmemacher Thomas Schuhbauer entdeckte das Motiv im Haus seiner Eltern – ein Hochzeitsgeschenk aus dem Jahr 1966. Ein Detail hatte ihn stutzig gemacht: Soldaten und Kränze fehlten zwar, doch der obere Teil des Denkmals war noch zu sehen. Dieses Denkmal wurde aber gleich nach Kriegsende zerstört. Das Bild musste also älter sein. Schuhbauer wandte sich schließlich an das Helmholtz-Zentrum.

Laut dem Forscherteam gibt es viele Hinweise, dass Mercker das Bild selbst übermalt hat. So wurde für die Übermalung eine Ölfarbe mit viel Titanweiß genutzt, was sonst nirgendwo im Bild vorkommt. Im Nachlass des Malers wurde zudem eine Tube „Titanweiß“ der Marke Schmincke gefunden. Die Forscher glauben, dass der Maler entweder in Eile oder ohne große Sorgfalt gearbeitet hat. Am Rand der bayerischen Fahne schimmern bis heute rötliche Farbspuren durch.

Mercker setzte nach 1945 seine Laufbahn fort und malte dasselbe Motiv weiter, nun aber harmlos betitelt als „Feldherrnhalle“ oder „München am Odeonsplatz“. Der Blickwinkel blieb gleich, die belastenden Details ließ er weg. In ihrer im Fachblatt „Heritage Science“ veröffentlichten Studie erinnern die Forscher daran, dass viele Künstler bis weit in die 1960er Jahre für ihre Mitwirkung in der NS-Zeit kaum kritisiert wurden. Das Bild befindet sich mittlerweile im NS-Dokumentationszentrum München.

Quelle: ntv.de, kst

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