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Startseite»Politik»Mehr Tourismus und Zuzug: Wie Asturien von Spaniens großer Hitze profitiert
Politik

Mehr Tourismus und Zuzug: Wie Asturien von Spaniens großer Hitze profitiert

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 13, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Weltspiegel

Stand: 13.07.2026 • 18:54 Uhr

Weite Teile Spaniens leiden unter großer Hitze. Vergleichsweise erträglich ist es im grünen Norden am Atlantik. Dort steigen nun Immobilienpreise und Tourismuszahlen. Doch auch hier macht sich der Klimawandel bemerkbar.

Sebastian Kisters, HR

Der Meteorologe Albert Barniol erklärt den Spaniern im Fernsehen täglich das Wetter. Gerade ist wieder so eine Phase, in der er wenig zu erzählen hat, was Menschen aufatmen lässt. Das Mittelmeer sei sechs bis acht Grad wärmer als üblich, berichtet er, mit der Folge, dass es nachts kaum mehr abkühle, der Schlaf werde schlechter, die Unwettergefahr steige.

Das Leben am Mittelmeer werde einem Leben in den Tropen immer ähnlicher. Wassertemperaturen von rund 30 Grad seien in den kommenden Wochen möglich. Der Atlantik im Norden Spaniens sei zwar auch wärmer als zuvor, sorge aber noch für frische Brisen. Danach scheinen immer mehr Menschen zu suchen.

„Im Sommer noch erträglich“

Ein Beispiel dafür: San Martin del Rey Aurelio in Asturien. Fördertürme zwischen grünen Hügeln erzählen von Aufstieg und Fall der Kohleförderung. Ein bisschen erinnert der Ort an Städte im äußersten Süden des Ruhrgebiets. In den 1970er-Jahren lebten hier rund 30.000 Menschen. Mit dem Ende der Kohleförderung halbierte sich die Zahl. Doch seit zwei Jahren geht es deutlich aufwärts.

Bürgermeister José Ramón Martín sagt: „In den vergangenen Jahren ist klar geworden, dass der Klimawandel bestimmte Gebiete zu Klima-Zufluchtsorten macht, und einer davon ist Asturien.“ Mehr als 40 Familien seien in den vergangenen Jahren allein von Mallorca, Menorca und Ibiza in die Stadt gezogen.

Wer sie nach Gründen fragt, bekommt Antworten wie: „Weil es hier noch bezahlbare Wohnungen gibt.“ Aber auch: „Weil die Temperaturen hier im Sommer noch erträglich sind.“

Extremes Wetter wird normaler

Die Zahl der Hitzewellen-Tage habe sich in Spanien seit 1990 verdreifacht, sagt Meteorologe Barniol. Extremes Wetter werde immer normaler. Entsprechend groß ist das Interesse am kühleren Norden.

Die Immobilienpreise in Asturien sind in den ersten Monaten des Jahres um rund 15 Prozent gestiegen, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Auch die Zahl der Touristen steigt in Asturien: im Vergleich zu 2019 um 25 Prozent.

Das Wetter im Sommer ist wohl ein wichtiger Grund. Im Nationalpark Picos de Europa ist ein junges Paar aus Österreich unterwegs. Sie hätten ChatGPT für die Urlaubsplanung zu Rate gezogen, erzählen sie, und nach einem Ziel mit Sonne gefragt, mit schönen Wanderwegen, das aber auch nicht zu heiß ist.

Als Antwort sei gekommen: Südschweden oder Nordspanien. Hier sind sie jetzt unterwegs, auf mehr als 1.000 Metern Höhe mit Blick auf den Atlantik.

Reiseverhalten ändert sich

Bei zunehmender Erwärmung erwarten Forscher eine Verlagerung des Tourismus. Eine Studie im Auftrag der Europäischen Kommission über regionale Auswirkungen des Klimawandels rechnet mit deutlich weniger Urlaubern auf den Balearen oder in Andalusien und steigender Nachfrage im Norden Spaniens. Zum gleichen Ergebnis kommt eine Prognose der spanischen Bank BBVA.

Außerdem beschreiben diese Studien, wie sich Reisezeiträume künftig verändern könnten. In den heißen Sommermonaten würden weniger Menschen nach Spanien kommen, dafür verstärkt im Frühling und Herbst.

Die Zahl inländischer Touristen in Asturien steigt stetig – mehr noch aber die der internationalen Gäste. Deren Zahl hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt.

Keine Insel im Klimawandel

In Asturien boomt der Tourismus aber auch in diesem Sommer. Ein Blick auf den Gebirgsfluss Sella bestätigt das eindrucksvoll. Hunderte Kanuten sind dort derzeit vor allem an Wochenenden unterwegs. Blaue, gelbe, rote Boote schaukeln auf dem Wasser.

Der Bootsverleiher Calo Soto sagt, nicht nur der Klimawandel treibe Kunden aufs Wasser. Er glaube, es seien auch Nachwirkungen der Pandemie, die Leute nach Abenteuern im Freien suchen lassen. Auch davon profitiere Asturien mit seinen Bergen, Stränden und Flüssen.

Aber in diesem Sommer habe er das Gefühl, es kämen zu viele Menschen. Und das sage er als jemand, der vom Tourismus lebe. Und noch etwas bereite ihm Sorge: Es fehle Wasser im Fluss. Seit Anfang Juni habe es kaum geregnet. Er bete, dass sich das ändere, sonst könnten seine Kanus ab August an Land bleiben. Der Klimawandel sei auch im Norden Spaniens spürbar.

Und oben in den Bergen beobachten Mitarbeiter des Nationalparks, dass Blumen blühen, die sonst erst Ende August zu sehen sind. Zwar sei es hier kühler als im Rest des Landes, aber dennoch zu warm. Die Natur sei außer Takt.

Trotz steigender Einwohnerzahlen und vieler Touristen: Große Freude, dass es im Norden Spaniens kühler ist als an vielen anderen Orten, gibt es nicht.

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Dr. Heinrich Krämer
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