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Startseite»Politik»Mobilfunk-Messwoche: Wo es in Deutschland noch Funklöcher gibt
Politik

Mobilfunk-Messwoche: Wo es in Deutschland noch Funklöcher gibt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 25, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 25.06.2026 • 13:01 Uhr

Mit der Mitmachaktion „CheckDeinNetz“ will die Bundesnetzagentur die Qualität des Mobilfunks überprüfen. Die Daten beschaffen die Bürger per App – sofern sie Empfang haben. Das gilt weiterhin nicht für alle.

Die Milchkanne. Das silberne, irgendwann immer verbeulte Gefäß birgt Erinnerungen an alte Zeiten: Bauern füllten inmitten ländlicher Idylle die frisch gemolkene Milch hinein. Pferdewagen oder später der Traktor brachte sie zur Milchsammelstelle im Ort. Oder die Kinder bekamen sie nach der Schule in Hand gedrückt und trugen sie an ihrem Tragegriff baumelnd direkt zum Kuhstall. Heidi-Romantik alter Zeiten.

Im November 2018 transferierte die damalige Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) die Milchkanne ins Tetra-Pak-Zeitalter: Der damals neue Mobilfunkstandard 5G müsse „nicht an jeder Milchkanne“ verfügbar sein.

Wo man die App „Mobilfunk-Check“ findet

Heute, siebeneinhalb Jahre später, äußert sich die Politik anders. „Wer auf dem Land lebt, weiß: Eine gute Mobilfunkversorgung ist entscheidend, damit ländliche Räume attraktive Heimat bleiben“, sagt Bundesheimatminister Alois Rainer (CSU). „Den Anschluss an die digitale Welt darf man auch am Ortsausgang nicht verlieren.“ Deshalb habe die Bundesregierung ländliche Räume mit ihren „digitalen Anwendungen im Alltag“ besonders im Blick. „Von der präzisen Düngung bis zur Tierüberwachung in Echtzeit.“

Anlass von Rainers Statement: Die Eröffnung der zweiten bundesweiten Mobilfunk-Messwoche „CheckDeinNetz“. Bürger sollen eine Woche lang mithilfe der App „Mobilfunk-Check“ die Netzqualität an ihrem Ort der Bundesnetzagentur zukommen lassen.

Daten von fast 200 Millionen Messpunkten

Die Datensammlung soll helfen, die aktuelle Mobilfunkversorgung flächendeckend zu erfassen und im Anschluss zu verbessern. „Wir haben zum Beispiel nach der vergangenen Messwoche mit allen vier Netzbetreibern Einzelgespräche über die Ergebnisse geführt“, sagt Fiete Wulff, Sprecher der Bundesnetzagentur. „Je mehr Menschen bei der Messwoche mitmachen und je mehr Fläche abgedeckt wird, desto aussagekräftiger sind am Ende die Daten.“

Vergangenes Jahr sammelte die Bundesnetzagentur nach eigenen Angaben fast 200 Millionen Messpunkte, was etwa 16 Prozent der Landfläche Deutschlands entspreche. „Autobahnen und Bundesstraßen hatten wir fast vollständig erfasst. Schienenwege auch zu mehr als 80 Prozent.“

Zwangsweises „Digital Detox“ in Tiefenthal

Erfreulich sei: Die Flächen ohne eine schnelle Datenverbindung wie 4G und 5G – also mit weißen Flecken und silbernen Milchkannen – werden der Bundesnetzagentur zufolge immer kleiner. Bundesweit fiel deren Anteil im vergangenen Jahr von 2,2 auf 1,87 Prozent. „Funklöcher – also gar kein Empfang von wenigstens einem Netzbetreiber – spielen kaum noch eine Rolle. Das trifft nur noch auf 0,2 Prozent des Landes zu“, sagt Wulff.

Tiefenthal ist so eine Rarität. Wie der Name ahnen lässt, liegt der rheinhessische Ort in einem tiefen Tal. Das ist immer ein Problem für Funksignale, die darüber hinweg funken – aber romantisch: So passt hier auch eine Milchkanne zur Anmutung des Ortbildes.

„Egal welche Richtung, überall Natur pur“, so bewirbt Bürgermeisterin Ingeborg Jacobs den Ort im Kreis Bad Kreuznach im Internet. Wandern, Mountainbiken, Entspannen, alles das sei möglich. Und „Digital Detox“. Jedoch wird Besuchern jener bewusste, zeitweise Verzicht auf digitale Medien dauerhaft aufgezwungen, zumindest auf dem Smartphone.

Telefonieren nur über WLAN

Denn Mobilfunkempfang gibt es nicht, im ganzen Ort nicht, von keinem Anbieter. „Telefonieren mit dem Handy, das geht daheim nur über WLAN“, erklärt Jacobs. Für die Menschen im Dorf ist das ärgerlich: Sie sind nur in ihren Häusern telefonisch erreichbar. Sobald sie draußen sind, herrscht Funkstille.

Die Situation nerve nicht nur, sie könne auch gefährlich werden. Das musste die Kommunalpolitikerin bei einer Autopanne erfahren. An einem frostigen Wintertag bleibt sie auf der Landstraße in Richtung Tiefenthal liegen. Auch dort kein Empfang, ein Pannendienst nicht erreichbar. Eine halbe Stunde läuft sie zu Fuß nach Hause, um Hilfe zu holen.

Wohin mit dem Mast?

Es fehlt für den Empfang schlicht ein entscheidendes Technikteil, das „Mast-have“ sozusagen: Eigentlich sollte schon längst ein 5G-Mobilfunkmast bei Tiefenthal aufgestellt werden. Doch der gewünschte Standort liegt auf einer geschützten Wiesenart. Also ging die Suche weiter.

„Das größte Problem sehe ich eigentlich bei Besuchern unseres Dorfes“, sagt Jacobs. Schließlich vermittelt das Funkloch kein gutes Gefühl beispielsweise bei Wandersleuten. „Weil die davon ausgehen: Ich kann hier überall telefonieren. Und wenn ich mir den Fuß verstaucht habe hier beim Spazieren gehen, kann ich einen Arzt rufen.“

Aber die Bundesnetzagentur verspricht, dass alles gut wird in Tiefenthal. In maximal vier Jahren. „Wir haben als Bundesnetzagentur die Auflage gemacht, dass wir bis zum Jahr 2030 eine quasi flächendeckende Abdeckung mit Mobilfunk in Deutschland haben müssen“, sagt Daniela Brönstrup, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur. Und zwar von allen Netzbetreibern: „Damit sich eben auch dieses Erleben der Menschen ändert.“

Es kann Jahre dauern

Die Menschen und Milchkannen in Tiefenthal erleben bis dahin weiterhin Enttäuschungen: Rund 100 Meter vom geplanten Standort ist eine andere Wiese zum Mobilfunkmast-Standort auserkoren worden.

Doch die Antwort des zuständigen Mobilfunkbetreibers Telekom könnte manchen „Smombie“ auf die Palme beziehungsweise den Mobilfunkmast bringen: „Grundsätzlich gilt für den Neubau eines Mobilfunkstandorts von Grundstückssuche über Planung und Bau bis zur Betriebnahme und Synchronisierung mit umgebenden Standorten eine Umsetzungszeit von knapp drei Jahren.“

Bis 1. Juli dieses Jahres hingegen sollten Mobilfunknutzer noch ihre Empfangsqualität mitteilen, dann fließen sie auch in die Ergebnisse der Messwoche. Die App der Bundesnetzagentur ist aber auch darüber hinaus nutzbar – Internetverbindung vorausgesetzt.

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Dr. Heinrich Krämer
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