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Startseite»Politik»Neue Zolldrohung: Autoaktien trifft es heute doppelt
Politik

Neue Zolldrohung: Autoaktien trifft es heute doppelt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 4, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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marktbericht

Stand: 04.05.2026 • 14:20 Uhr

Donald Trumps neue Zolldrohungen lassen die Autoaktien zum Wochenbeginn taumeln. Schon ohne neue Belastungen steckt Deutschlands Autoindustrie in einer Stimmungsflaute.

Zunächst war der deutsche Aktienmarkt stabil in die neue Woche gestartet. Aber die Gemengelage aus Iran-Sorgen und neuen Zolldrohungen aus Washington war dann doch zu viel. Gegen Mittag knickte der deutsche Leitindex DAX zwischenzeitlich um bis zu 0,8 Prozent ein, konnte sich seither aber wieder etwas erholen.

Neuer Zoll-Ärger

Besonders unter Druck stehen die Autotitel. Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, er wolle die Zölle auf Autos und Lastwagen, die aus der EU in die USA eingeführt werden, in der kommenden Woche auf 25 Prozent erhöhen. Er begründete das damit, dass sich die EU nicht an das vereinbarte Handelsabkommen halte.

Wann genau die von Trump ab „nächste Woche“ angekündigten Zölle tatsächlich in Kraft treten sollen, bleibt indessen unklar. Auch die Autobauer selbst haben in dieser Frage keine näheren Informationen, wie Branchenvertreter der ARD-Finanzredaktion bestätigten.

Im vergangenen August hatten sich Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf eine Obergrenze von 15 Prozent auf die meisten EU-Warenexporte geeinigt – auch für europäische Autos und Autoteile sollte der Satz gelten. Bisher ist das Rahmenabkommen aber vom EU-Parlament und den Mitgliedsstaaten nicht ratifiziert worden.

Autotitel ziehen DAX nach unten

Damit sehen sich die Autobauer und Zulieferer einmal mehr mit einer Zolldrohung von 25 Prozent konfrontiert. Am stärksten büßt die Aktie des Autozulieferers Continental ein, die mit über vier Prozent Minus schwächster Titel im DAX ist. Aber auch die großen Autobauer im DAX verlieren überdurchschnittlich.

Der deutsche Branchenindex „DAXsector Automobile“, der auch zahlreiche Zulieferer enthält, verliert bis zum frühen Nachmittag 2,8 Prozent.

Marktbeobachter machen aber auch einen gewissen Gewöhnungseffekt aus. Die drastischen Zolldrohungen des US-Präsidenten seien in der Vergangenheit teilweise Verhandlungsmasse gewesen oder angepasst worden, sagte Marktanalyst Jens Klatt vom Broker XTB. Und auch jetzt seien rasche neue Verhandlungen sehr wahrscheinlich.

Branchenstimmung am Boden

Die neuen Drohungen treffen die Branche aber in einer ohnehin schwierigen Verfassung. Schon vor der jüngsten Zolldrohung war die Stimmung in der Autoindustrie im Sinkflug, wie das aktuelle ifo-Geschäftsklima für die Autobranche zeigt. Der Frühindikator fiel im April auf minus 23,8 Punkte, nach minus 19,0 Punkten im März. Das ist zwar der niedrigste Stand seit vergangenem Sommer, Anfang 2025 stand der Indikator mit minus 40,7 Punkten noch deutlich schlechter da.

Das ifo-Institut verwies auch auf zunehmende Materialknappheiten angesichts des Iran-Kriegs. Bei 9,3 Prozent der Unternehmen fehlten demnach im April wichtige Vorprodukte, im März lag der Wert noch bei knapp einem Prozent. Der Krieg beeinträchtige etwa die Produktion und Lieferung von Helium. Das Edelgas werde unter anderem in der Produktion von Chips, Batterien und Airbags eingesetzt. Etwa 40 Prozent des in die EU importierten Heliums kämen aus Katar.

Neben den direkten Auswirkungen auf die Lieferkette habe der Krieg am Golf auch deutliche indirekte Folgen: Die Unsicherheit bei Firmen und Haushalten steige und könne für Zurückhaltung beim Kauf von Neuwagen führen, so die Wirtschaftsforscher.

VDA: „EU muss ihren Teil endlich umsetzen“

„Die Kosten durch diese zusätzlichen Zölle wären für die deutsche sowie europäische Automobilindustrie in ohnehin sehr herausfordernden Zeiten enorm“, sagte die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller.

„Das Handelsabkommen, das zwischen der EU und den USA vereinbart wurde, muss von beiden Seiten eingehalten werden. Das bedeutet daher auch, dass die EU ihren Teil der bereits im letzten Sommer getroffenen Abmachungen nun endlich umsetzen muss.“ Die Autoindustrie rufe beide Seiten dringend zur Deeskalation und zu zügigen Gesprächen auf, so Müller.

Kaum Erfolg mit Autoaktien

Die glorreichen Zeiten der deutschen Autobauer sind an der Börse schon seit einiger Zeit vorbei. In den vergangenen Jahren war mit Autotiteln wenig zu gewinnen. Neben den seit Trumps neuer Amtszeit verschärften Zollbelastungen und den hohen Standortkosten im Heimatmarkt bleiben auch die tiefgreifenden Probleme deutscher Hersteller auf dem weltgrößten Automarkt China ein Dauerthema.

Auf Fünf-Jahres-Sicht hat der Branchenindex DAXsector Automobile, der auch Dividendenzahlungen enthält, rund 4,3 Prozent eingebüßt.

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