Rath around the world Dieses Hotel in Marokko bietet mehr als nur Ultra-Luxus

Marrakesch ist laut, farbenfroh und voller Kontraste. Nur wenige Minuten außerhalb der Medina entdeckt unser Autor mit dem Hotel „Amanjena“ einen luxuriösen Ort, an dem Stille und Gelassenheit herrschen – zwischen Palmenhainen, Atlasgebirge und Agafay-Wüste.
Die Ankunft in Marrakesch verläuft überraschend reibungslos. Keine Hektik, kein typisches Flughafenchaos, sondern eine fast irritierende Effizienz. Dutzende Beamte sorgen dafür, dass die Passkontrolle in wenigen Minuten erledigt ist, das Gepäck folgt etwas gemächlicher. Vor dem Flughafengebäude erhalte ich einen ersten Eindruck dessen, was sich später als prägendes Motiv dieser Reise herausstellt – Freundlichkeit und Zugewandtheit.
Dunya, eine Mitarbeiterin des „Amanjena“, empfängt mich mit einem strahlenden Lächeln. Die Formalitäten erledigt sie in wenigen Minuten. Ohne Schlange zu stehen, führt der Weg durch einen VIP-Ausgang direkt in die Stadt – selbst die Beamten scheinen wie von Aman geschaffen.
Amanjena – zwischen Medina und Palmenhain
Nur wenige Minuten außerhalb der Stadt liegt das „Amanjena“ – eingebettet in Palmenhaine, mit weitem Blick auf die ersten Ausläufer des Atlasgebirges. Auf der Fahrt zum Hotel bleibt der Trubel Marrakeschs zurück, während sich eine Landschaft öffnet, die fast unwirklich ruhig erscheint.
Die ocker-terrakottafarbene Architektur des Hauses nimmt die Region auf, übersetzt sie jedoch in eine eigene, zurückhaltendere Sprache. Große Bögen, Wasserflächen und lange Sichtachsen strukturieren das Resort, ohne es zu dominieren.
Das Haus gehört zur Marke „Aman Resorts“. Die internationale Ultra-Luxushotelgruppe mit Sitz in Zug in der Schweiz, betreibt 36 Hotels, Resorts und Privatresidenzen in 20 Ländern. Sie steht für eine bestimmte Form von Luxus: zurückgenommen, präzise, fast individuell unsichtbar inszeniert – ein Luxus, der sich über Raum und Rhythmus erklärt. Wege sind großzügig angelegt, Perspektiven bewusst offen gehalten, das Wasser zieht sich wie ein leises Motiv durch das gesamte Resort.
Auch die Materialien folgen dieser Idee: warme Erdtöne, Naturstein, dunkles Holz, fein gesetzte textile Akzente. Nichts wirkt dekorativ im klassischen Sinn, eher wie eine Fortsetzung der Landschaft im Inneren. Selbst Geräusche scheinen gedämpft – Schritte auf Stein, das leise Plätschern der Wasserbecken, das Rascheln der Palmen im Wind.
„Amanjena“ ist kein Ort des Ankommens im klassischen Sinn, sondern eher ein Ausgangspunkt für Bewegung – nach außen in die Landschaft, aber auch nach innen in eine andere Wahrnehmung der Region. General Manager Tim Weiland beschreibt es so: Es gehe darum, Orte zu zeigen, die nicht auf der touristischen Landkarte stehen.
Marrakesch aus einer anderen Perspektive
Marrakesch selbst bleibt dabei stets präsent. Die Stadt ist nur wenige Minuten entfernt und doch eine andere Welt. Zwischen Souks, Werkstätten und Palästen schlendere ich vorbei am kunstvoll verzierten Stadttor Bab Agnaou, durch die monumentalen Ruinen des einst prachtvollen El-Badi-Palastes bis hin zum Bahia-Palast, dessen Innenhöfe und Gärten noch heute von der Eleganz vergangener Jahrhunderte erzählen.
Besonders eindrücklich ist der Blick hinter die Kulissen: kleine Werkstätten, stille Höfe, Gassen, in denen das Leben unaufgeregt weiterläuft. Die Stadt verliert dabei nichts von ihrer Intensität.
Weite Blicke über die Ebene bis zur Roten Stadt
Der Unterschied zwischen Aman und anderen Luxushotelmarken ist der, dass sich der Direktor die Zeit nimmt, um bei Ausflügen Teil der Gästebegleitung zu sein. Er ist Gastgeber im ursprünglichen Sinne des Wortes. Ich erlebe häufig bei meinen Reisen, dass Gastfreundschaft gegenteilig gezeigt wird – in einigen der ’selbst ernannten‘ Luxushotels entschuldigen sich Direktoren mit den Worten, in internen Meetings gebunden zu sein (Message verstanden). Bei der Verabschiedung lässt sich der gleiche Direktor via Mitarbeiter entschuldigen, da er an einem Corporate Call teilnehmen müsse – Ach der Arme!
Bei Aman gibt es Ausflüge an Orte, an die man sonst nicht kommt, wo aber das „Aman“-Gefühl am besten mitschwingt – weg vom Tourismus, hin zu Originalität.
Tim Weiland führt mich an einen Ort, dessen genaue Lage er bewusst für sich behält. Irgendwann endet die Straße. Ein Esel taucht auf, ein paar Gebäude, Ruinen, Stille. Kein Schild, keine Erklärung. Irgendwo zwischen Marrakesch und den Ausläufern des Atlasgebirges liegt eine verfallene Festungsanlage, von der selbst viele Einheimische kaum etwas wissen. Zum Sonnenuntergang öffnet sich ein weiter Blick über die Ebene bis zur Roten Stadt. Weiland nennt den Ort „Secret Valley“ – weniger als geografische Bezeichnung, eher als Versprechen auf ein Marrakesch, das nur wenige Besucher kennenlernen.
Weiland beschreibt den außergewöhnlichen Trip so: „Ich nehme Gäste nur dorthin mit, wenn ich selbst dabei bin. Kein Handy, keine Fotos.“ Es gehe darum, einen Moment zu schützen, nicht ihn zu verbreiten.
Es ist ein Satz, der viel über die Haltung dieses Hauses und des herausragenden Generalmanagers aussagt.
Einen der eindrücklichsten Momente erlebe ich in einem Berberdorf im Atlasgebirge, rund anderthalb Stunden entfernt vom „Amanjena“. Die Straße endet, der Weg wird schmal, schließlich gehen wir zu Fuß weiter. Oben öffnet sich eine Welt, die kaum ins Heute passt. Keine Attraktionen, keine klassischen Postkartenmotive. Dafür einfache Häuser, frei laufende Hühner, Couscous, Gemüse, Lamm und eine herzliche Gastfreundschaft. Ich sitze über dem Tal, blicke hinüber zu einem alten jüdischen Friedhof und höre Geschichten vom jahrhundertelangen Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen in dieser Region. Viel mehr braucht dieser Moment nicht.
Reduktion statt Exklusivität
Es ist eine Ruhe, die sich im Resort fortsetzt. Architektur und Landschaft verschmelzen auf eine Weise, die kaum zwischen gebautem Raum und Umgebung unterscheidet. Wasserflächen spiegeln das Licht der Tageszeiten, Palmen strukturieren das Gelände wie natürliche Wegweiser, und die Gebäude treten bewusst zurück, statt sich in den Vordergrund zu spielen.
Aus meinem Zimmer blicke ich hinaus auf Palmen, Wasserflächen und die ockerfarbenen Mauern des Resorts. Das Licht verändert sich mit den Stunden, spiegelt sich auf den Becken, gleitet über Stein und Holz. Draußen ordnen die Palmen den Raum, als wären sie Teil einer stillen Choreografie, die alles miteinander verbindet.
Im Zentrum steht weniger die Idee von Exklusivität als die von Reduktion. Die Räume sind großzügig, aber nie überladen. Auch in meinem Zimmer mit 300 Quadratmetern zeigt sich diese Haltung: klare Linien, warme Materialien und viel Luft zwischen den Dingen.
Ein Abend in der Wüste
Am letzten Abend lädt mich Tim Weiland ein zum Dinner in der Agafay-Wüste. Die Landschaft wirkt karg und zugleich monumental, eine fast mondartige Weite aus Stein und Staub. Die Fahrt hinaus führt weg von der Stadt, hinein in eine Stille, die sich mit jedem Kilometer verdichtet.
Das Dinner selbst ist schlicht inszeniert: ein langer Tisch im Freien, Kerzenlicht, Teppiche auf dem Boden, Laternen, die mit Einbruch der Dämmerung ein warmes, flackerndes Licht in die Dunkelheit setzen. Serviert wird eine leichte, marokkanisch inspirierte Küche – kleine Vorspeisen, gegrilltes Gemüse, aromatisch gewürzte Gerichte, dazu Brot und Süßes aus der Region.
Wenn die Sonne untergeht, verändert sich die Farbe des Bodens in wenigen Minuten. Aus Ocker wird Grau, aus Grau ein tiefes, fast schwarzes Blau. Am Ende bleibt Stille. Kein Programmpunkt, keine Dramaturgie – nur ein Tisch, Licht und die Weite. Der Abend in der Wüste fügt sich nahtlos in meinen Aufenthalt im „Amanjena“ ein, in dem Reduktion und Ruhe zum eigentlichen Erlebnis werden.
Raths Reise-Rating (aktuelle Wertung gefettet):
1. Ganz großes Kino
2. Wenn’s nur immer so wäre
3. Hohes Niveau, mit ein paar wenigen Schwächen
4. So lala, nicht oh, là, là
5. Besser als im Hostel
6. Ausdrückliche Reisewarnung
Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber des relevantesten Hotel-Rankings im deutschsprachigen Raum die-101-besten.com ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für ntv schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.
Rath ist zudem Autor der Bücher „Die 101 besten Hotels Deutschlands„. Mit seinem Ranking kam er im Jahr 2024 erstmals in die Schweiz. Bestellen Sie das Buch gerne per E-Mail an board@i-sle.ch oder online unter:
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Jetzt neu: PODCAST – „Minibar-Geständnisse, aus Zimmer 101″ von Carsten K. Rath, der bei den besten Hoteliers hinter die Kulissen blickt. Zu hören unter anderem bei Apple und Spotify.
